Samer Darwish vor seinem Laden (Foto: Ralf Borchard)

Flüchtlinge aus Syrien Albanien als Land der Hoffnung

Stand: 30.03.2016 04:14 Uhr

Die meisten Flüchtlinge sehen die Balkanländer als Transitstationen in den Westen. Einigen gelingt es jedoch, dort eine Existenz aufzubauen - so wie dem Syrer Darwish. Inzwischen gibt er sogar anderen Menschen Arbeit.

Von Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien

Samer Darwish ist sichtlich stolz. Er ist im Mercedes vorgefahren - ein gebrauchter Mercedes ist in Albanien ein wichtiges Statussymbol. Jetzt zeigt der 35-jährige Syrer, braungebrannt und gut gekleidet, seinen Laden - besser gesagt: seine Firmenzentrale. Das Gebäude frisch renoviert, zur Straße eine riesige Glasfassade, darauf prangt in großen Lettern sein Nachname: Darwish - darunter auf albanisch: Gebrauchtkleidung.

Damit verdient der Mann aus Aleppo seit vier Monaten in Tirana sein Geld - gutes Geld, wie er sagt: "Es war nicht schwierig, hier ein Geschäft zu eröffnen, weil Albanien ausländischen Investoren gute Bedingungen bietet, sie einlädt, zu investieren, statt bürokratische Hindernisse aufzubauen. Und vor allem: es gibt hier genug Arbeit und Geld."

Kontrollen an der albanisch-griechischen Grenze | Bildquelle: AFP
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An der albanisch-griechischen Grenze kontrollieren Polizisten verstärkt die Reisenden.

Über Ungarn nach Albanien

Früher hat Samer Darwish in Syrien mit Autos, vor allem Gebrauchtwagen gehandelt, jetzt eben Gebrauchtkleidung. Doch der Weg zum erfolgreichen Geschäftsmann in Albanien war lang und ungewöhnlich. Ende 2014 ist er aus seiner Heimatstadt Aleppo geflohen, wie Zehntausende andere Kriegsflüchtlinge erst in die Türkei, dann mit einem Schlepperboot nach Griechenland und weiter über die damalige Balkanroute nach Ungarn. Dort hat er Asyl beantragt und zunächst auch gelebt, bis ihn seine Schwester, die mit Familie in Albanien hängen geblieben war, auf die Idee brachte, nach Tirana zu ziehen.

Die neue Geschäftsidee brachte der 35-Jährige aus Ungarn mit. Von dort importiert er nach wie vor tonnenweise Gebrauchtkleidung, wäscht sie, bügelt sie, um sie hier am Stadtrand von Tirana an dankbare Kunden zu bringen.

Vom Flüchtling zum Arbeitgeber

Der 26-jährige Fatjon ist einer von Samer Darwishs albanischen Mitarbeitern: "Ich arbeite seit 1. Dezember hier", sagt er. "Und ich fühle mich sehr wohl. Die Arbeit ist gut, unsere Preise sind niedriger als in anderen Bekleidungsläden. Wir sind stolz auf ihn, auf unseren Chef."

Auch die 23-jährige Ana ist froh, bei Darwish einen Job gefunden zu haben. Die Arbeitslosigkeit ist hoch in Albanien, und vor allem für die Menschen aus den Dörfern im Norden, die sich hier im Stadtteil Allias-Babrru angesiedelt haben, ist Second-Hand-Kleidung oft die einzig erschwingliche.

"Ich bleibe in Albanien"

Inzwischen hat Samer Darwish schon vier weitere kleinere Läden im Zentrum von Tirana eröffnet, und er denkt darüber nach, in andere Städte in Albanien zu expandieren. Nur mit der Sprache ist es noch ein Problem, auf Arabisch fühlt er sich nach wie vor sicherer. Doch gefragt, wie ihm Tirana als Stadt insgesamt nach vier Monaten gefällt, sagt er mit einem Lächeln in leicht gebrochenem Albanisch: "Ja, sehr gut. Tirana ist sehr gut. Die Albaner sind sehr gut, die Jungs hier arbeiten gut, also alles komplett gut."

Und, sollte der Krieg in Syrien irgendwann vorbei sein, wird er dann  zurückkehren? "Ich sehe, dass die Arbeit gut läuft hier, deswegen bleibe ich in Albanien. Ich würde auch andere auffordern, hier zu investieren. Wie gesagt: Hier gibt es Arbeit und Geld."

Albanien als Land der Hoffnung – für einen Flüchtling aus Syrien
R. Borchard, ARD Wien
30.03.2016 00:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. März 2016 um 06:10 Uhr

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