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Hilfsorganisationen beklagen geringe Spendenbereitschaft

Winter in Afghanistan - für Flüchtlinge lebensgefährlich

50 Flüchtlingslager gibt es alleine in Kabul. Die Hütten dort sind oft nur aus Müll zusammengebaut - und das in einem Land, in dem es im Winter extrem kalt wird. Hilfsorganisationen versuchen, die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, sehen sich aber mit einer "Afghanistan-Müdigkeit" bei den Spenden konfrontiert.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkkorrespondent Südasien

Helmand, die Provinz, aus der Tofan stammt, ist die gefährlichste in ganz Afghanistan. Der 55-Jährige ist daher nach Kabul geflohen, um nicht sterben zu müssen. Doch "Leben" kann man das auch nicht nennen, was er nun in der Hauptstadt durchmacht. "Wir fristen ein schreckliches Dasein hier", sagt er. "Schauen Sie sich doch meine Hütte an: Da steht das Wasser bis zu den Knien, die Fenster sind zerstört, es ist ein einziges Chaos. Wir bitten alle, auch Minister und den Präsidenten, uns irgendwie zu helfen. Wenn sie das nicht tun, werden wir hier alle sterben."

Flüchtlingslager Ada Mazar in Afghanistan (Foto: ARD/Subel Bhandari)
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Allein in Kabul leben 55.000 Menschen in Flüchtlingslagern - wie hier in Ada Mazar

Tofan ist den Taliban, dem Terror und dem Krieg in Helmand entkommen. Aber nicht dem Elend. In einem der erbarmungswürdigsten Viertel Kabuls ist er gelandet. Zusammen mit seiner Frau und seinen zwölf Kindern. Da, wo Tausende andere Flüchtlinge sich auch angesiedelt haben.

Hütten aus Müll

"Viele Leute haben Hütten, die nur aus Plastik, aus Müll zusammengebaut worden sind", erklärt der Landeskoordinator für die Welthungerhilfe in Afghanistan, Klaus Lohmann. "Es gibt keine Wasserversorgung dort, keine Stromversorgung. Die Leute können also nicht einfach mal ein Heizgerät anschließen." Allein in Kabul müssen etwa 50.000 Menschen in diesen Notunterkünften leben. Lohmann nennt sie auch "Slums".

Der Winter in Afghanistan - eine tödliche Gefahr
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
05.01.2013 01:37 Uhr

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Ein Sack Kohle und vier Decken - für den ganzen Winter

Wer so lebt wie Tofan und seine Kinder hat allen Grund, Angst zu haben: Vor dem brutalen afghanischen Winter. Schon Mitte Dezember fallen die Temperaturen auch in Kabul nachts weit unter Null Grad. Schnee, Eis und der Hunger - sie können zur tödlichen Gefahr werden.

Ein Junge in einem Flüchtlingslager in Afghanistan (Foto: ARD/Subel Bhandari)
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Die Welthungerhilfe hält zwei Millionen Afghanen für gefährdet.

"Ich habe für den ganzen Winter nur einen Sack Kohle und vier Decken, die uns der für Flüchtlinge zuständige Minister hat zukommen lassen", erzählt Tofan. "Auch die Deutschen von der Welthungerhilfe unterstützen uns, das stimmt. Täten sie das nicht, würden wir bei diesem Wetter sterben."

Nicht weniger als zwei Millionen Menschen in ganz Afghanistan hält die Welthungerhilfe diesen Winter für gefährdet. Die Hilfsorganisation versucht, die Menschen wenigstens mit dem Nötigsten zu versorgen: Mit Brennholz und mit Lebensmitteln.

Auf keinen Fall soll noch einmal so etwas passieren wie im vergangenen Jahr, als viele Afghanen den unerbittlichen Winter nicht überstanden. Der vergangene Winter habe sowohl die Hilfsorganisationen als auch die afghanische Regierung und die Bevölkerung völlig überrascht, so Lohmann. Mit fünf Monaten sei er extrem lang gewesen und es habe über Wochen hinweg Temperaturen unter minus 20 Grad gegeben. In diesem Winter sei man besser organisiert.

Nur wenige Spenden und eine gewisse "Afghanistan-Müdigkeit"

Das Nothilfe-Koordinationsbüro der Vereinten Nationen bedauert, dass die Spendenbereitschaft im Ausland bislang nicht sehr ausgeprägt sei. Und es beklagt ganz allgemein eine gewisse Afghanistan-Müdigkeit. Mit dem schrittweisen Abzug der internationalen Truppen dürfte jedoch auch die Aufmerksamkeit, die das Land derzeit noch bekommt, eher weiter schwinden.

Die Winter in Afghanistan aber werden auch nach dem Abzug 2014 nicht weniger hart sein. Was bedeutet: mehr als je zuvor werden die Menschen dann wahlweise dem Terror oder der Natur ausgeliefert sein - oder sogar beidem.

Dieser Beitrag lief am 21 Dezember 2012 um 05:38 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 05.01.2013 02:25 Uhr

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