Flüchtlinge | Bildquelle: AFP

Bootsflüchtlinge im Mittelmeer 137.000 Mal Hoffnung auf neue Heimat

Stand: 01.07.2015 09:17 Uhr

Das UNHCR spricht von einer "Flüchtlingskrise von historischem Ausmaß": Seit Jahresbeginn sind etwa 137.000 Menschen über das Mittelmeer an europäischen Küsten eingetroffen - ein Anstieg von 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Strom der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa wollen, reißt nicht ab. Seit Jahresbeginn seien etwa 137.000 Menschen auf diesem Weg an europäischen Küsten eingetroffen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Zahl der an den europäischen Küsten eintreffenden Flüchtlinge um 83 Prozent gestiegen, teilte das UNHCR in Genf mit.

Viele kommen aus Syrien

Jeder dritte Flüchtling stammt aus Syrien, sehr viele Menschen kamen außerdem aus Afghanistan und Eritrea. Den Angaben zufolge kamen 1867 Menschen in diesem Jahr bereits bei der Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben, davon allein 1308 im April.

"Europa erlebt eine maritime Flüchtlingskrise von historischem Ausmaß", teilte das UNHCR mit. Mit den warmen Sommermonaten dürfte die Zahl der Flüchtlinge überdies weiter steigen.

Die meisten von ihnen seien wegen Kriegs, Konflikten und Verfolgung geflohen, hieß es. "Angesichts der Debatten in Europa über den besten Umgang mit dieser zunehmenden Krise muss klar sein: Die meisten Menschen, die übers Meer in Europa ankommen, sind Flüchtlinge, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen", sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

EU-Streit über Flüchtlinge

In der EU wird zurzeit heftig über eine gleichmäßigere Verteilung von Flüchtlingen gestritten. Beim jüngsten Gipfel war die Kommission mit der Forderung nach einer festen Quote gescheitert. Dagegen sperrten sich vor allem osteuropäische und baltische Staaten, die selten das Ziel von Migranten sind.

Der scheidende Vertreter des UNHCR in Deutschland, Hans ten Feld, lobt die Bundesrepublik für ihren Umgang mit Flüchtlingen. "Gerade Deutschland ist ein leuchtendes Beispiel in Europa, wie man sich verhalten sollte und wie man Solidarität zeigen sollte", sagte erim Deutschlandradio Kultur. "Deutschland ist ein wichtiger Geldgeber. Und Deutschland hat auch eine Vorreiterrolle eingenommen, um in Europa zu überlegen, wie man mit dem Flüchtlingsproblem umgehen kann."

Ten Feld plädierte außerdem dafür, bessere Möglichkeiten für die legale Einwanderung nach Europa zu schaffen. "Da sind erste kleine Schritte gemacht worden, aber da muss noch so viel mehr geschehen." Der Niederländer geht nach 35 Jahren im Dienst der Vereinten Nationen in den Ruhestand.

137 000 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer seit Jahresbeginn
H.-J. Maurus, SWR Zürich
01.07.2015 09:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: