Flüchtlinge am griechisch-mazedonischen Grenzübergang Idomeni | Bildquelle: AP

Mazedonien schließt Grenze für Afghanen Neue Flüchtlingswege statt Balkanroute?

Stand: 21.02.2016 19:04 Uhr

Täglich kommen Tausende Flüchtlinge in Griechenland an. Von dort aus wollen die meisten über Mazedonien weiter nach Norden. Doch für Afghanen ist dieser Weg derzeit versperrt. Laut einem Medienbericht bereiten sich die Flüchtlinge ohnehin auf eine neue Route vor.

In der Flüchtlingskrise zeichnet sich keine Entspannung ab. Laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR kamen allein am Samstag 3772 Menschen in Griechenland an. Erst am Donnerstag hatte das Land mit 4824 Neuankömmlingen einen neuen Höchstwert für dieses Jahr gemeldet.

Unterdessen erschwert Griechenlands nördlicher Nachbar Mazedonien die Weiterreise für afghanische Flüchtlinge. Mazedonien begründet den Schritt damit, dass auch Serbien seine Grenze zu Mazedonien für Menschen aus Afghanistan geschlossen habe. Die Grenze dürfen nun nur noch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak passieren. Im November hatte die Regierung bereits ihre Grenze für Flüchtlinge anderer Nationalitäten geschlossen.

Durch die teilweise Grenzschließung bildete sich am Grenzübergang Idomeni ein Rückstau. Derzeit warten dort laut Agenturberichten knapp 4000 Menschen. Unter den Wartenden sollen mehrere Hundert Afghanen sein. Mazedonien baut derzeit einen zweiten Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Griechenland, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

Im Bericht aus Berlin warnte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz davor, die Balkanroute abzuriegeln. Sollte dieser Weg versperrt sein, werde Griechenland "ein großes Flüchtlings-Aufnahmelager". Das löse keine Probleme, betonte der SPD-Politiker. Er hoffe auf einen europäischen Verteilungsschlüssel.

Martin Schulz, SPD, zum Vorgehen in der Flüchtlingspolitik
Bericht aus Berlin, 21.02.2016

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De Maizière kritisiert Österreich

Innenminister Thomas de Maizière monierte im Bericht aus Berlin die Entscheidung der österreichischen Regierung, auf Tageskontingente zu setzen. Die Tatsache, dass der Nachbarstaat täglich 3200 Flüchtlinge nach Deutschland durchreisen lasse, sei das "falsche Signal". Die Zahl sei "viel zu hoch".

Griechenland schickt Afghanen vorerst nicht weiter

Griechenland verurteile alle "einseitigen Maßnahmen" in der Flüchtlingskrise. Bis die Situation "geklärt" sei, würden afghanische Flüchtlinge vorerst nicht mehr von den griechischen Inseln aufs Festland gebracht, sagte ein Regierungsvertreter. So will Athen verhindern, dass die Afghanen im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien stranden.

Vergangene Woche war die Zahl der Flüchtlinge, die von der türkischen Küste nach Griechenland übersetzen, stark angestiegen. Innerhalb von nur drei Tagen zählte das UNHCR mehr als 11.000 ankommende Menschen, während der Jahresdurchschnitt derzeit bei rund 1700 täglich liegt.

200.000 wartende Flüchtlinge in Libyen?

Sollte die Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen werden, könnten Hunderttausende Flüchtlinge künftig andere Wege nach Europa nehmen. Laut "Welt am Sonntag" könnten künftige Routen über das Schwarze Meer, Georgien und Russland sowie von Albanien aus übers Meer nach Italien verlaufen.

Die Zeitung berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass derzeit in Libyen bis zu 200.000 Flüchtlinge darauf warteten, die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa zu wagen. Offenbar harren sie aus, bis das Wetter besser wird.

Wohl knappes Nein bei Referendum in Bolivien
A. Herrberg, ARD-Hörfunkstudio Buenos Aires
22.02.2016 09:58 Uhr

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