Eine Frau und Kinder in einem äthiopischen Flüchtlingslager (Symbolbild). | Bildquelle: dpa

Flüchtlingspolitik Über den Korridor nach Italien

Stand: 30.07.2018 11:52 Uhr

Aus einem Lager in Äthiopien können Asylberechtigte direkt nach Italien gebracht werden. Dort angekommen haben sie es nicht leichter als andere, die über das Mittelmeer geflüchtet sind.

Von Sarah Zerback, ARD-Studio Rom

Bunte Plastikstühle, provisorisch aufgereiht auf einem überdachten Basketballfeld. Dutzende warten hier, bis sie an der Reihe sind, um den Mitarbeitern der Caritas zu schildern, warum sie deren Hilfe besonders dringend benötigen. Ein bisschen wie bei einem Bewerbungsgespräch - nur, dass es hier ums Überleben geht, erzählt Giancarolo Penza. Er ist einer derjenigen, die entscheiden, wer es über den humanitären Korridor nach Europa schafft.

Auszuwählen ist immer schwierig", sagt er. "Alle sind von einem großen und enormen, unendlichen Schmerz gezeichnet. Es ist der Schmerz einer Person, die ihre Heimat verlassen musste, Folter ertragen musste, der Schmerz, zum Teil unbeschreibliche Situationen durchlebt zu haben."

Lager in Äthiopien: Sichere und legale Flucht nach Italien
tagesthemen 22:15 Uhr, 30.07.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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All das trifft auf Familie Gebremedhin zu. Vor allem aufgrund gesundheitlicher Probleme ist sie als besonders schutzbedürftig eingestuft worden. Sieben Jahre hat das Paar mit seinen beiden Kindern in einem Flüchtlingscamp gewohnt, ganz in der Nähe, an der äthiopisch-eritreischen Grenze, erzählt Teklezgi Tsegay Gebremedhin: "Wir haben Eritrea verlassen, weil ich die Gesetze der Regierung nicht vertreten konnte. Der Militärdienst ist obligatorisch und wir standen stark unter Druck. Es gibt dort keine Demokratie. Ein normales Leben konnten wir nicht haben."

Statt auf seeuntauglichen Booten über das Mittelmeer zu fliehen, dürfen sie mit einem Visum in der Tasche nach Italien fliegen.

Noch immer versuchen Menschen täglich über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Hier werden Schiffbrüchige vor der libyschen Küste geborgen. | Bildquelle: dpa
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Noch immer versuchen Menschen täglich über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Hier werden Schiffbrüchige vor der libyschen Küste geborgen.

In Deutschland soll 2019 ein ähnliches Modell anlaufen

Die italienische Caritas finanziert den humanitären Korridor und organisiert ihn gemeinsam mit der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio. Eine Initiative ganz im Sinne des Papstes. "Mutig sein ist keine einmalige Angelegenheit, sondern die Geduld einer täglichen Bemühung in der Stadt und in der Welt. Es ist die Mission, Mauern und Grenzen zu überwinden, um zu vereinen", sagte er im März vor der Gemeinde Sant'Egidio und forderte sie auf, weitere humanitäre Korridore für die Menschen zu öffnen, die vor Krieg und Hunger flüchten.

Frankreich, Belgien und Andorra haben das italienische Pilotprojekt bereits übernommen. Und auch in Deutschland startet im kommenden Jahr eine Initiative, die dem Modell ähnelt. 1800 Menschen durften bereits so nach Italien kommen.

Für Familie Gebremedhin und etwa 16 weitere Menschen hieß das vor einem halben Jahr: Alles zurücklassen, was nicht in zwei Koffer passt. Und sich fremden Menschen anvertrauen, ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht.

"Ihr werdet alle in einer Stadt leben, die Sorrent heißt. Sorrent. Eine Stadt im Süden Italiens", hieß es damals - und: "Es ist uns wichtig, euch nochmal zu sagen, dass ihr nach einem Jahr auf eigenen Beinen stehen müsst. Schon nach einer kurzen Zeit dürft ihr arbeiten. Dafür müsst ihr nicht auf den Asylbescheid warten. Das Wichtigste: Je schneller ihr Italienisch lernt, desto schneller findet ihr Arbeit."

Gebremedhins Kinder können schon Italienisch - "Die Glücklichen"

Akberet Gebremedhin und ihr Mann hatten große Startschwierigkeiten in der kleinen Stadt an der Amalfiküste. Nachdem es in ihrer italienischen Patenfamilie nicht funktioniert hat, sind sie nun in einer Wohngemeinschaft der Caritas untergebracht und fühlen sich wohl. 15 Euro pro Tag und pro Person haben sie zur Verfügung, um den Alltag zu meistern. Mit dem Italienischunterricht tut sich das Ehepaar noch etwas schwer. Ganz anders als ihre Kinder", freut sich Gebremedhin. "Das ist sehr wichtig, die Glücklichen."

Für ein Jahr werden die Flüchtlinge in Sorrent betreut. Ob die Integration gelingt und wie es dann für sie weitergeht, bleibt offen. Ebenso wie die Frage, ob die neue Regierung aus der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega den humanitären Korridor weiter unterstützen wird. Die Aussage des italienischen Innenministers Matteo Salvini gibt zumindest etwas Hoffnung: "Schon immer habe ich den humanitären Korridor gelobt. Finde ihn gut", hat er gesagt. "Es ist eine Zuwanderung, die sicher ist, legal, bequem und geordnet für all jene, die das Recht haben, nach Italien zu kommen."

Flucht ganz sicher und legal: Humanitäre Korridore nach Italien
Sarah Zerback, ARD Rom
30.07.2018 10:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juli 2018 um 10:31 Uhr.

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