Manfred Schmide, FlowTex

Urteil im Schweizer Flowtex-Prozess "Big Manni" muss wieder ins Gefängnis

Stand: 28.01.2016 17:38 Uhr

Es war einer der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte, der Skandal um die Firma Flowtex: Nun muss der ehemalige Geschäftsführer Schmider erneut hinter Gitter. Ein Gericht in der Schweiz verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Das Bezirksgericht Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau hat den ehemaligen Flowtex-Geschäftsführer Manfred Schmider wegen Geldwäsche zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. Sieben Monate davon könnten auf Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung.

Schmiders Ex-Frau muss ebenfalls wegen Geldwäsche sowie Urkundenfälschung für drei Jahre ins Gefängnis - davon zwei Jahre auf Bewährung. Ihr Anwalt kommt für zwei Jahre in Haft. Die beiden erwachsenen Kinder Schmiders wurden freigesprochen. Das Urteil ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht rechtskräftig.

alt Logo der Firma Flowtex (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Der Flowtex-Skandal

Der Skandal um die Firma Flowtex ist einer der spektakulärsten Fälle von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Seit 15 Jahren beschäftigt er die Justiz. Im Mittelpunkt steht dabei der Ex-Chef von Flowtex, Manfred Schmider. Das Unternehmen aus der Nähe von Karlsruhe bot Spezialbohrgeräte an, die aber größtenteils nur auf dem Papier existierten. Banken und Leasinggesellschaften wurden systematisch betrogen. Der Schaden belief sich auf 2,6 Milliarden Euro.

Schmider wurde 2003 zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt, 2013 ein weiteres Mal zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Auch Manager, Familienangehörige, Anwälte und Mitwisser erhielten Haftstrafen. Der Wirtschaftsminister und die Justizministerin von Baden-Württemberg traten 2004 wegen der Affäre zurück.

Bei dem Prozess in der Schweiz geht es unter anderem um den Vorwurf der Geldwäsche und Veruntreuung. Schmider soll in Deutschland ergaunerte Vermögenswerte in mehrfacher Millionenhöhe in der Schweiz versteckt und der Insolvenzmasse von Flowtex entzogen haben.

Untreue, Betrug und Geldwäsche

Der Prozess gegen den früheren Flowtex-Geschäftsführer Schmider - genannt "Big Manni" - hatte im Oktober 2015 in Frauenfeld begonnen. Ihm und den vier weiteren Angeklagten wurde Untreue, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Manfred Schmide, FlowTex | Bildquelle: dpa
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Manfred Schmider auf dem Weg ins Gericht

Bohrmaschinen nur auf dem Papier

Der ehemalige Gebrauchtwagenhändler Schmider hatte 1986 in den USA die Lizenz für sogenannte Horizontal-Bohrmaschinen erworben, mit denen Rohre ohne aufwendige Grabung unter der Erde verlegt werden können. Doch es gab einen Haken: Die angeblich mehr als 3000 Bohrmaschinen gab es meist nur auf dem Papier. Es dauerte Jahre, bis alles aufflog. Für den Betrug saß Schmider sieben Jahre Haft ab. Heute lebt er in einer Villa in Mallorca.

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