Ex-Flowtex-Geschäftsführer Manfred Schmider | Bildquelle: dpa

Prozessauftakt gegen früheren Flowtex-Chef Teilerfolg für "Big Manni"

Stand: 05.10.2015 12:50 Uhr

Die Anwälte des Ex-Flowtex-Chefs Schmider, genannt "Big Manni", sind zum Auftakt des Betrugsprozesses mit ihrem Antrag gescheitert, das Gericht für nicht zuständig zu erklären. In einem anderen Punkt waren sie erfolgreich.

Von Christoph Ebner, ARD-Hörfunkstudio Zürich

In Frauenfeld in der Ostschweiz hat der Prozess gegen den früheren Flowtex-Geschäftsführer Manfred Schmider begonnen. Ihm und vier weiteren Angeklagten wird Untreue, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. 

Die Rechtsanwälte der Angeklagten wollten am ersten Tag erreichen, dass es erst gar nicht zu einem längeren Prozess kommt. Sie hielten das Gericht in Frauenfeld im Kanton Thurgau für nicht zuständig. Wenn schon, dann könne es im Kanton Sankt Gallen zu Fällen von Geldwäsche gekommen sein. Auch die stattgefundenen Hausdurchsuchungen seinen nicht rechtens gewesen.

alt Logo der Firma Flowtex (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Der Flowtex-Skandal

Der Skandal um die Firma Flowtex ist einer der spektakulärsten Fälle von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Seit 15 Jahren beschäftigt er die Justiz. Im Mittelpunkt steht dabei der Ex-Chef von Flowtex, Manfred Schmider. Das Unternehmen aus der Nähe von Karlsruhe bot Spezialbohrgeräte an, die aber größtenteils nur auf dem Papier existierten. Banken und Leasinggesellschaften wurden systematisch betrogen. Der Schaden belief sich auf 2,6 Milliarden Euro.

Schmider wurde 2003 zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt, 2013 ein weiteres Mal zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Auch Manager, Familienangehörige, Anwälte und Mitwisser erhielten Haftstrafen. Der Wirtschaftsminister und die Justizministerin von Baden-Württemberg traten 2004 wegen der Affäre zurück.

Bei dem Prozess in der Schweiz geht es unter anderem um den Vorwurf der Geldwäsche und Veruntreuung. Schmider soll in Deutschland ergaunerte Vermögenswerte in mehrfacher Millionenhöhe in der Schweiz versteckt und der Insolvenzmasse von Flowtex entzogen haben.

Unterlagen aus Durchsuchungen unter Verschluss

Das Gericht wies den Antrag weitgehend zurück - allerdings muss es die Unterlagen aus den Durchsuchungen vorerst wegschließen. Das ist zumindest ein Teilerfolg für die Verteidigung. Dass die Angeklagten Geld, Grundstücke und Schmuck in der Schweiz besitzen, gilt als erwiesen. Die Frage ist nur: Sind es Werte, die eigentlich den Gläubigern der Flowtex-Pleite gehören - handelt es sich also Schwarzgeld, das nun rein gewaschen werden sollte? Hier will das Gericht auch die beteiligten Banken überprüfen. 

Manfred Schmider, genannt "Big Manni" hatte Ende der 1990er-Jahre ein betrügerisches Leasinggeschäft organisiert. Er verkaufte Investoren Maschinen und mietete diese wieder zurück. Die Maschinen gab es aber nur auf dem Papier, aber es dauerte Jahre, bis Schmider aufflog. Für den Betrug saß Schmider sieben Jahre Haft ab. Heute lebt er in einer Villa in Mallorca.

Prozess gegen früheren Flowtex-Chef Schmider
C. Ebner, ARD Zürich
05.10.2015 13:25 Uhr

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