Steak-Tatar-Bruschetta mit Mehlwürmern | Bildquelle: picture alliance / Handout/Dinne

Fleischatlas Insekten statt Schnitzel

Stand: 10.01.2018 17:36 Uhr

Frittierte Käfer, gedünstete Maden: Was gewöhnungsbedürftig klingt, hat durchaus seine Fans. Der Fleischatlas 2018 beschäftigt sich mit Alternativen zum Schnitzel. Doch die Autoren warnen vor einer Fehlentwicklung.

Von Anita Fünffinger, ARD-Hauptstadtstudio

Man müsste sie halt erst mal runter kriegen. Aber vielleicht frittiert, mit Soße? Maden in Salsa? Im Fleischatlas 2018 haben die Autoren diesmal nach Alternativen zum Fleisch gesucht. Wenn sogar Spitzenköche mittlerweile Grillen auf der Speisekarte haben, dann ist das doch ein Zeichen. Aus ernährungstechnischer Sicht kann Projektleiterin Christine Chemnitz von der Heinrich-Böll-Stiftung Insekten jedenfalls unbedingt empfehlen.

"Insekten haben im Prinzip eine gute Proteinbilanz. Die variiert relativ stark, sowohl von Insekt zu Insekt als auch von Stadium zu Stadium", sagt sie. Die Larven hätten oft mehr Proteine als die letztendlichen Tiere. "Aber im Grunde ist es wirklich so: Insekten haben für uns einen guten Nährwert, der oft sogar besser ist als der von Rind- oder Schweinefleisch."

Insekten brauchen weniger Energie

Der Nährwert ist das eine, die effizientere Zucht das andere. Im Gegensatz zur klassischen Fleischproduktion brauchen Insekten weitaus weniger Energie und Futter. Der Emissionsausstoß in der Rinderzucht ist laut Fleischatlas 100 Mal höher als in der Insektenzucht. Und die kleinen Tiere sind auch viel besser zu verwerten. Während ein Rind etwa 40 Prozent an essbarem Anteil hat, ist es bei einem Insekt das Doppelte. "Die Insekten verwerten das Futter etwa viermal besser. Wir haben einen extrem viel geringeren Wasserverbrauch. Sie haben einen geringeren Platzverbrauch und eine bessere CO2-Bilanz. Alles sozusagen pro Einheit Fleisch die dann produziert wird."

Forscherinnen halten Maden in ihren Händen | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Großer Nährwert: Insekten haben eine gute Proteinbilanz.

Hierzulande kein Proteinmangel

Also alles prima, wenn die Menschheit in Zukunft einfach weniger Rind und mehr Insekten isst? Das ist aus Sicht der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND - die den Fleischatlas gemeinsam mit der Zeitung "Le Monde Diplomatique" jährlich veröffentlichen - genau der falsche Schluss. Insekten seien eine Alternative für arme Menschen in anderen Ländern, aber hierzulande brauche man sie nicht, weil es keinen Proteinmangel gebe. Und es besteht laut Chemnitz auch eine ganz andere Gefahr der Fehlentwicklung:

"Das schlechteste Szenario wäre doch: Wir trinken Milch aus Bio-Produktion, essen aber nicht das Fleisch der in der Produktion geborenen männlichen Kälbchen, sondern essen dann das Fleisch von industriell hergestellten Insektenburgern. Und die Kälbchen landen dann im schlechtesten Fall in der Biogasanlage oder sonst wo."

BUND fordert Deutsche auf Fleischkonsum zu halbieren
tagesschau 16:00 Uhr, 10.01.2018, Martin Polansky, RBB

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Tiere für Vegetarier?

Für Vegetarier und Veganer seien Insekten aber eine optimale Ergänzung, so die Autoren. Als Proteinlieferanten seien sie sogar besser als Hülsenfrüchte, Nüsse oder Getreide. Insekten, also Tiere, für Vegetarier? Der Vegetarierbund proveg hält von dieser Empfehlung wenig. Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, dass Insekten keine leidens- und empfindungsfähigen Wesen sind, so der proveg-Geschäftsführer Sebastian Joy auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Solange dies nicht eindeutig geklärt sei, lehne proveg den Konsum von Insekten ab.

Fleischatlas 2018: Insekten statt Schnitzel?
A. Fünffinger, ARD Berlin
10.01.2018 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2018 um 17:00 Uhr.

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