Vermummte Demonstranten protestieren in Hongkong gegen die Schließung illegaler Imbissstände | Bildquelle: dpa

Nach Krawallen in Hongkong Anklage gegen mutmaßliche Randalierer

Stand: 11.02.2016 09:08 Uhr

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in Hongkong haben die Behörden 38 Personen angeklagt. Die Krawalle begannen, als die Polizei illegale Imbissstände schließen wollte - für viele auch ein Zeichen zunehmender Einmischung Pekings.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Behörden der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong haben 38 mutmaßliche Randalierer angeklagt: Männer, aber auch einige Frauen, im Alter von 15 bis 70 Jahren. Sie sollen in der Nacht zum Montag bei den heftigen Straßenschlachten mitgemacht haben, bei denen nach offiziellen Angaben fast 90 Polizisten un mehrere Reporter verletzt wurden.

Die Nummer Zwei der Hongkonger Regierung, Carrie Lam, kündigte eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Randalierern an: "Die meisten unserer Bürger sind geschockt von den Fernsehbildern. Die Hongkonger Gesellschaft steht für Frieden, Freiheit und Vernunft. Deswegen lehnt unsere Bevölkerung solche Ausschreitungen ab."

Es geht um mehr als die Erhaltung der Imbissbuden

Die Krawalle begannen, als Mitarbeiter der Behörden illegale Imbissstände schließen und die Verkäufer vertreiben wollten. Die Lage geriet völlig aus dem Ruder, die Polizei wurde mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Flaschen angegriffen, diese wiederum setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Außerdem wurden mehrere Warnschüsse abgegeben.

Hinter den Ausschreitungen dürfte mehr stecken als nur der Wunsch, die Hongkonger Imbissbuden-Tradition zu erhalten. Viele Bewohner lehnen sich mehr und mehr gegen eine - ihrer Ansicht nach - zunehmend strenger werdende Stadtverwaltung auf. Diese steht unter dem Einfluss der chinesischen Zentralregierung in Peking. Sie versucht zunehmend, sich in die Belange der ehemaligen britischen Kolonie einzumischen. Hongkong genießt eigentlich weitgehend Autonomie.

Unter den Imbiss-Ständen, die geschlossen werden sollten, sind auch einige, die gegrillte Fischbällchen verkaufen. Auf diversen Social Media-Kanälen ist deswegen schon die Rede von einer "Fishball Revolution".

Nach Randalen in Hongkong: Anklage gegen 38 Personen
S. Wurzel, ARD Shanghai
11.02.2016 08:34 Uhr

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