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Finnen lieben Saunas, haben Elektroheizungen und Zellstofffabriken sind weit verbreitet. Auch deshalb wird dort fast doppelt so viel Strom verbraucht, wie hierzulande. Nun will die Regierung zwei neue Atommeiler bauen. Und 2020 soll das weltweit erste Endlager für hochradioaktiven Atommüll eröffnet werden.
Von Alexander Budde, ARD-Hörfunkstudio Stockholm
[Bildunterschrift: Finnland setzt auf den Ausbau der Atomkraft. ]
Der finnische Normalverbraucher neigt im Winter kaum zum sparsamen Gebrauch von Sauna, Trockner und elektrischer Heizung. Auch Zellstofffabriken und Chemiewerke verschlingen so viel Energie, dass der Verbrauch pro Kopf etwa doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Tapio Saarenpää, Geschäftsführer des Konsortiums Fennovoima, kann weitere Gründe aufzählen, warum das nordische Land dringend neue Atommeiler braucht. "Unsere Teilhaber brauchen Energie, um hier in Finnland operieren zu können. Mit einem eigenen Kraftwerk ließe sich diese zu dauerhaft stabilen Preisen beschaffen. Zugleich will unser Land nicht länger von Stromimporten aus Russland abhängig sein", erklärt er. Mit Fennovoima drängt ein neuer Anbieter auf den Markt. Das Unternehmen gehört einer Vielzahl von Industriebetrieben und Stadtwerken sowie mehrheitlich dem deutschen E.ON-Konzern.
In Finnisch-Lappland an der Ostsee will man bis 2020 einen leistungsstarken Reaktor bauen. Die betroffenen Gemeinden begrüßen die Pläne. Auch das Kabinett in Helsinki gab dem Bauantrag statt. Ein weiterer Zuschlag ging an das konkurrierende Unternehmen TVO, das an der Südwestküste bereits zwei modernisierte Meiler betreibt. Zwei weitere Reaktoren des Energiekonzerns Fortum laufen nahe der Küstenstadt Loviisa östlich von Helsinki. TVO und Fortum treiben am Standort Olkiluoto den Bau des weltweit ersten Endlagers für hochradioaktiven Atommüll voran. Eingeschweißt in Kupferkapseln soll das strahlende Material in einem Stollen tief im Granitgestein ruhen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, versichert Riku Huttunen, Mitarbeiter im Energieministerium. "Wir haben einen klaren Zeitplan für das Endlager. In 2012 soll die Atomaufsicht über die Eignung des Standorts und die Endlagermethode befinden. Um 2020 könnte die Anlage dann in Betrieb gehen", versichert er.
Von solcher Zuversicht war am Standort Olkiluoto zuletzt wenig zu spüren. Dort hat sich der Bau des neuen Druckwasserreaktors EPR vom Vorzeigeprojekt der Atombranche in ein technisches Fiasko verwandelt. Seit Monaten streiten die französische Atomfirma Areva und ihre finnischen Auftraggeber von der TVO um die Verantwortung für enorme Folgekosten.
Schon bei der Genehmigung des fünften Meilers habe es zwar unentwegte Lobbyarbeit, aber keine gründliche Einschätzung der Risiken und Kosten gegeben, bedauert Oras Tynkkynen, Energieexperte der finnischen Grünen. "Keines der Versprechen wurde eingehalten", sagt er. "Statt wie vorgesehen im letzten Jahr wird der Reaktor frühestens 2012 in Betrieb gehen. Die veranschlagten drei Milliarden Euro Baukosten werden bis dahin um mindestens die Hälfte steigen. Auch das Argument, wir könnten nur mit Atomstrom unsere Klimaziele erreichen, hat sich als haltlos erwiesen. Zwei Drittel unseres Landes sind mit Wald, also Biomasse, bewachsen. Und wir haben eine lange Küstenlinie mit optimalen Standorten für Windmühlen."
Finnlands Grüne bringen das Kunststück fertig, an der Regierung beteiligt zu sein und zugleich den Atomkurs des Ministerpräsidenten Matti Vanhanen heftig zu kritisieren. Auch dessen Zentrumspartei und die oppositionellen Sozialdemokraten sind in der Frage gespalten. Bei der noch vor der Sommerpause anberaumten Abstimmung des Parlaments soll es keinen Fraktionszwang geben. Eine Mehrheit für den weiteren Ausbau der Kernenergie gilt jedoch als wahrscheinlich.
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