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Finische Flaggen
Finnland: Amoklauf offenbar seit sechs Jahren geplant
Bluttat an finnischer Berufsschule

Amoklauf offenbar seit sechs Jahren geplant

Trauer und Fassungslosigkeit herrschen in Finnland am Tag nach dem Amoklauf. Medien und Psychologen bemühen sich um Erklärungsversuche. Die Polizei fand in der Wohnung des Amokläufers ein Schreiben, wonach er die Tat seit 2002 geplant hatte.

Von Albrecht Breitschuh, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Kerzen für die Opfer des Amoklaufs in Kauhajoki (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kerzen für die Opfer des Amoklaufs in Kauhajoki ]
Kauhajoki am Morgen nach dem Amoklauf. Wie im ganzen Land wehen auch in der westfinnischen Kleinstadt die Flaggen auf Halbmast, viele Menschen sitzen in den Kirchen, die auch die ganze Nacht über offen waren, zünden Kerzen an und gedenken der Opfer. Auch die 43 Jahre alte Ilka Rautianen aus Kauhajoki besuchte heute morgen eine Messe, bevor sie zur Arbeit ging: "Ich bin in tiefer Trauer und mache mir Sorgen, weil mir mein Gefühl sagt, irgendetwas stimmt mit unserer Gesellschaft nicht. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber zwei solche Katastrophen innerhalb eines Jahres - irgendetwas läuft bei uns schief."

"Gewalt gehört einfach dazu"

Ministerpräsident Vanhanen (m.) in Kauhajoki (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ministerpräsident Vanhanen (m.) kündigte schärfere Waffengesetze an. ]
Was es ist, darüber wird in Finnland am Tag danach diskutiert. Und es zeigt sich, dass dieses Land offenbar ein Gewaltproblem vor allem bei jungen Männern hat. Das jedenfalls will die Jugendpsychologin Salli Saari festgestellt haben: "Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass die jungen Leute so um die 20, sich gegenüber alltäglicher Gewalt so gleichgültig verhalten. Sie gehört einfach dazu und viele sind sich über die Konsequenzen gar nicht im Klaren."

Was den 22-jährigen Amokläufer von gestern angehe, so der Psychologieprofessor Joliko Lönqvist von der Universität Helsinki, sei die Gesellschaft geradezu hilflos. Mit einer Verschärfung der Waffengesetze jedenfalls könnten solche Bluttaten auch künftig kaum vermieden werden: "Meiner Meinung haben wir es hier mit einer Form der Depression zu tun. Eine, die allerdings schwer zu behandeln ist, da wir an die Leute nicht herankommen. Das Schlimme ist, dass sich diese Depression nicht nur im Kopf festsetzt, sondern auch zu einem entsprechenden Verhalten führt."

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Drei Schüler noch im Krankenhaus

Ein Verhalten, das gestern zehn Menschen das Leben kostete. Drei Schüler sollen sich noch im Krankenhaus befinden, zwei mit leichten, eine junge Frau mit schwereren Verletzungen. Sie befinde sich aber nach zwei Operationen nicht mehr in Lebensgefahr, so die Polizei. Die Zeitung "Helsingin Sanomat" berichtet unter Berufung auf Polizeiquellen, dass sich unter den Todesopfern auch ein Lehrer befinden solle. Die Namen der Opfer seien mittlerweile bekannt, die Polizei stehe in Kontakt mit den Angehörigen.

Tat seit 2002 geplant?

Die Polizei hat die Wohnug des finnischen Amokläufers abgesperrt (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Polizei hat die Wohnug des finnischen Amokläufers abgesperrt ]
In der Wohnung des Amokläufers stellte die Polizei zudem ein Schreiben sicher, aus dem hervorgeht, dass der 22-Jährige die Tat bereits seit 2002 geplant haben soll. Das gefundene Material, so ein Sprecher, zeige einen grenzenlosen Hass auf seine Mitmenschen. Im Alltag scheint der sich aber kaum gezeigt zu haben, Mitbewohner aus dem Studentenwohnheim beschrieben ihn als zurückhaltend, aber nicht weiter verhaltensauffällig.

Am späten Vormittag traf dann auch Ministerpräsident Matti Vanhanen in Kauhajoki ein: "Ich möchte an diesem Ort sein auch stellvertretend für alle Finnen, die ebenfalls in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen sind", sagte er. Zuvor hatte der Ministerpräsident eine Verschärfung der Waffengesetze in Finnland angekündigt.

Stand: 24.09.2008 12:51 Uhr

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