François Fillon | Bildquelle: AFP

Nach Fillons Vorwahl-Sieg Auf dem Weg in den Elysée-Palast?

Stand: 28.11.2016 13:28 Uhr

Grade noch hat Fillon deutlich gewonnen - die Vorwahl bei den Konservativen. Doch wie stehen seine Chancen aufs Präsidentenamt? Er könnte gegen die rechtskonservative Le Pen vom Front National in die Stichwahl kommen. Und dann?

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

In der Stunde des Sieges blickte François Fillon bereits nach vorn. Gerade zum Präsidentschaftskandidat gekürt, knüpfte er sich schon einmal die möglichen Gegner für kommendes Frühjahr vor: "Ich habe die Absicht, den Stillstand und die Demagogie zu besiegen. Die Linke hat versagt. Die extremen Rechten - das wäre der Bankrott!"

Keine Frage: Fillon befindet sich im Höhenflug und er hat guten Grund dazu. Noch in der Nacht gab es erste Umfragen: Was wäre wenn, ja, wenn jetzt schon Präsidentschaftswahl wäre? Das Ergebnis dürfte den Kandidaten zufrieden gestimmt haben: Den ersten Wahlgang würde er aktuell mit mehr als 30 Prozent der Stimmen gewinnen. Im zweiten Wahlgang, der Stichwahl, würde er Marine Le Pen mit etwa 70 zu 30 Prozent deutlich in die Schranken weisen.

Fillon setzt sich bei Vorwahl der Konservativen gegen Konkurrenten Juppé durch
tagesschau 20:00 Uhr, 28.11.2016, Ellis Fröder, ARD Paris

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"Schwere Krise der Demokratie"

Im TV-Duell neulich gefragt, warum er der beste Kandidat gegen den Front National sei, sagte Fillon selbstbewusst: "Wenn Marine Le Pen in die Stichwahl kommt, ist das ein Zeichen für eine schwere Krise der Demokratie. Es wäre die Folge davon, dass wir den Franzosen nicht gut genug zugehört haben, denen, die mehr Autorität verlangen, die auch mehr Freiheit verlangen, die sich und ihre Werte stärker beachtet wissen wollen." Im Vorwahlkampf hat Fillon gezeigt, dass er durchaus das Zeug hat, dem Front National mit konservativen Werten Stimmen abzugraben.

Fillon als Bumerang für Konservative

Was die Sorgen der vielen Franzosen, die sich abgehängt fühlen, angeht, könnte das liberale, wirtschaftsfreundliche Programm Fillons allerdings auch zum Bumerang für die Konservativen werden. Eine Angriffsfläche, die Marine Le Pen umgehend beackerte: "Er vertritt das schlimmste Programm eines sozialen Scherbenhaufens, das es jemals gab. Das Programm der schlimmsten Europahörigkeit. Noch nie war ein Kandidat so unterwürfig gegenüber den ultraliberalen Forderungen der Europäischen Union."

Front-National-Chefin Marine Le Pen
galerie

Le Pen fährt Attacke gegen Fillon.

Tatsächlich kündigte Fillon radikale Reformen an: Steuerentlastungen für Unternehmen, längere Arbeitszeiten für Arbeitnehmer, spätere Rente, flexiblere Arbeitsverträge, 500.000 Beamtenstellen sollen eingespart werden. Für Florian Philippot, Vize-Chef des Front National, ein klarer Fall: "Die ungebändigte Globalisierung hat ihren Kandidaten und er heißt François Fillon. Im Mittelalter hat man so ein Programm als Aderlass bezeichnet. Die Ärzte glaubten damals, es würde helfen, den Patienten ausbluten zu lassen. Tatsächlich hat es ihn getötet."

Front National: Raus aus der EU

Bestärkt auch durch die Brexit-Entscheidung und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, hält der Front National dem seine eigenen, einfach erscheinenden Lösungen entgegen: Raus aus der EU, französische Unternehmen fördern und begünstigen, Protektionismus statt Liberalismus. Fillon wittert hinter den Attacken des Front National eine fortschreitende Nervosität: "Frau Le Pen greift mich seit einigen Tagen mit brutaler Gewalt an. Ich glaube, weil sie verstanden hat, dass hier ein Gegner kommt, der sie schlagen kann."

Es ist aber keinesfalls ausgemacht, dass Fillon, der bereits fünf Jahre Premierminister war und für viele Franzosen auch für ein altes, vielleicht überkommenes System steht, mit seinen Ideen in einer Stichwahl gegen Le Pen massiv Stimmen aus dem linken Lager und der Mitte einstreichen kann, um sich am Ende durchzusetzen. Da hätte sich der gestern in der Vorwahl unterlegenen Kandidaten Alain Juppé mit seiner vereinenden Art und seinen moderateren Reformvorschlägen vielleicht sogar leichter getan.

Trotzdem hat Fillon auch einen Vorteil, sagt der Politologe Jean-Yves Camus: "Die beiden Parteien im rechten Lager befinden sich nun einem deutlichen, klaren Wettstreit. Sie können jetzt keine Allianz mehr eingehen, sondern der eine muss den anderen besiegen."

Francois Fillon - der beste Mann gegen Marine Le Pen?
M. Wagner, ARD Paris
28.11.2016 13:02 Uhr

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Über dieses Thema berichteten Inforadio am 28. November 2016 um 13:32 Uhr und die tagesschau um 14:00 Uhr.

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