Francois Fillon mit seiner Frau Penelope | Bildquelle: AFP

Demonstration für Fillon Sein vielleicht letztes Gefecht

Stand: 05.03.2017 21:16 Uhr

Wie weiter mit Fillon? Der konservative Präsidentschaftskandidat steht massiv unter Druck. Nun rief er seine Anhänger auf, zu einer großen Kundgebung zu kommen. Anschließend fühlte er sich offenbar gestärkt: Er trete nicht zurück, so Fillon.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Nicht einmal das Wetter hatte ein Einsehen: Gerade als der konservative Kandidat seine Fehler einräumte, setzte der Regen wieder ein. Er durchnässte die letzten treuen Anhänger von Francois Fillon, die er nach Paris in die Nähe des Eiffelturms gerufen hatte, um Einigkeit zu demonstrieren und Widerstand zu leisten.

"Widerstand zu leisten heißt auch, der Versuchung zu widerstehen, wozu das alles? Ich weiß, dass wir hier alle zusammen sind, weil wir wissen, dass eine bessere Welt möglich ist und weil wir stolz darauf sind, Franzosen zu sein", sagte Fillon in seiner Rede.

Tausende kamen

Tausende waren Fillons Ruf gefolgt, viele aus Trotz. "Ich würde es nicht verstehen, wenn er sich zurückzieht, ich unterstütze ihn weiterhin, er wird standhalten", war eine der Zuhörerinnen überzeugt. Ein Mann sagte: "Fillons Programm ist ein realistisches, vernünftiges Programm, das einzige, das etwas taugt, und deswegen bin ich hierhergekommen." Beide leben in der Provinz und sind extra mit dem Bus nach Paris gefahren, um Fillon zu unterstützen.

Marcel Wagner @MarcelWagnerARD
Alles oder nichts für #fillon am #Trocadero. Zu viele Anhänger um aufzugeben, vielleicht zu wenige, um die Wahl zu gewinnen. @tagesschau https://t.co/g6REeyWoRW

Es könnte das letzte Gefecht gewesen sein, auch wenn sich Fillon überaus kämpferisch zeigte und sich an sein eigenes Lager richtete. Doch nur sehr wenige hochrangige Politiker waren zur Versammlung erschienen: "Ich habe mein Gewissen erforscht, und glaubt mir, ich wünsche das niemanden, unter diesen Umständen. Meinen eigenen Leuten sage ich jetzt: Erforscht ihr nun auch euer Gewissen."

Die Unterstützer schwinden

Viele Unterstützer hat Fillon nicht mehr, seine Chancen, die erste Runde der Präsidentschaftswahlen zu überstehen, schwinden jeden Tag ein bisschen mehr. Mehr als 250 Abgeordnete und sonstige republikanische Politiker kündigtem ihm bereits die Gefolgschaft. Einer der letzten Mohikaner, der Abgeordnete Bruno Retailleau, erklärte jedoch: "Diese Vorwahl hat Fillon als legitimen Kandidat ergeben, die Franzosen, die ihn gewählt haben, wollen sich ihre Wahl nicht stehlen lassen. Ich rate allen ab, das zu versuchen."

Die Affäre Fillon ist natürlich ein gefundenes Fressen für die anderen Kandidaten: allen voran für Marine Le Pen, die sich öffentlichkeitswirksam im Privatfernsehen BFM große Sorgen um die Demokratie in Frankreich machte. "Ich bin beunruhigt, wir haben noch knapp 50 Tage bis zur Wahl und seit Wochen redet man nicht mehr über Politik, was eine Katastrophe ist. Schließlich handelt es sich um eine Präsidentschaftswahl und kaum einer blickt mehr durch, wer eigentlich was vorschlägt."

"Wir wollen nicht als Königsmörder dastehen"

Am Montag will sich das Führungsgremium der konservativen Republikaner zusammensetzen und beraten, wie es weitergehen soll. Eines der Schwergewichte der Partei, Christian Estrosi, kündigte im französischen Fernsehen bereits eine Anti-Fillon-Initiative an, um dem Kandidaten einen respektvollen Abgang zu ermöglichen.

"Wir rechnen damit, bis Montag zu einer Lösung zu kommen. Wir überlegen seit Tagen, wie wir dieses Dilemma lösen, aber wir wollen auf keinen Fall als Feiglinge oder Königsmörder dastehen, sondern unsere Familie vereinen", sagte er.

Einen freiwilligen Abgang lehnte Fillon jedoch ab. "Die Antwort ist nein", sagte der Konservative nach der Demonstration im Fernsehsender France 2 auf die Frage, ob er sich zurückziehen werde. "Ich glaube fest, dass ein Rückzug dieser Kandidatur meine politische Familie in eine Sackgasse bringen würde."

Als Ersatzkandidat stünde Alain Juppé bereit, der in den partei-internen Vorwahlen von Fillon allerdings vernichtend geschlagen wurde. Sollte Fillon nicht freiwillig zurückziehen, könnte Juppés Kandidatur zu einer Spaltung der Konservativen führen: Eineinhalb Monate vor der Wahl wäre das mit Sicherheit eine hochriskante Aktion. Unmittelbar nach der Ausstrahlung des France 2-Interviews mit Fillon kündigte Juppé via Twitter eine Stellungnahme für Montag Vormittag an. Was er sagen will, ist nicht bekannt.

Fillon gibt sich in Paris kämpferisch
B. Kostolnik, ARD Paris
06.03.2017 00:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2017 um 12:00 Uhr.

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