Demonstration für Fillon | Bildquelle: REUTERS

Wahlkampf in Frankreich Tausende demonstrieren für Fillon

Stand: 05.03.2017 17:21 Uhr

Sieben Wochen vor der Wahl scheint der angeschlagene konservative Kandidat Fillon nicht an Rücktritt zu denken. Im Gegenteil: Bei einer von ihm organisierten Demonstration in Paris griff er seine parteiinternen Gegner scharf an. Zu der Kundgebung kamen Tausende Anhänger.

Der durch Korruptionsvorwürfe angeschlagene konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat Tausende Anhänger zu einer Solidaritätskundgebung mobilisiert. Sein politisches Schicksal hatte er vor der Veranstaltung praktisch mit der Resonanz auf seinen Aufruf verknüpft, zu der Kundgebung auf der Place du Trocadéro gegenüber dem Eiffelturm zu kommen.

Fillon gibt sich kämpferisch

Francois Fillon mit seiner Frau Penelope | Bildquelle: AFP
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Fillon (neben ihm seine Frau Penelope) gab sich kämpferisch.

In seiner Rede gab sich Fillon kämpferisch. "Sie denken, ich sei allein", rief er bei strömendem Regen den Teilnehmern der Kundgebung zu. "Aber Ihr werdet nie aufgeben." Er werde "von allen Seiten" angegriffen, sagte Fillon. Seine Kritiker, die "das Schiff verlassen" und ihn zum Rückzug drängten, trügen eine "große Verantwortung". Vor seinen Anhängern gestand Fillon Fehler im Umgang mit der Affäre ein. Erneut wies er jedoch Vorwürfe zurück, seine Frau Penelope jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin bezahlt zu haben, obwohl sie nicht für ihn gearbeitet habe. Er habe sein Gewissen geprüft, sagte der 63-Jährige und bekräftigte, er lasse sich von seinen Kritikern nicht vor die Tür schicken. Zugleich bezeichnete er sich als Opfer einer "Hetzjagd", die auch das Ziel habe, "die Rechte zu zerbrechen, ihr ihren Sieg zu stehlen".

Genaue Teilnehmerzahl unklar

Wie viele Menschen genau zu der Kundgebung kamen, ist derzeit noch unklar. Es seien "zu viele Anhänger gekommen, um aufzugeben, aber vielleicht zu wenige, um die Wahl zu gewinnen", twitterte ARD-Korrespondent Marcel Wagner.

Marcel Wagner @MarcelWagnerARD
Alles oder nichts für #fillon am #Trocadero. Zu viele Anhänger um aufzugeben, vielleicht zu wenige, um die Wahl zu gewinnen. @tagesschau https://t.co/g6REeyWoRW

Die Spitzen der französischen Konservativen wollen am Montag das weitere Vorgehen im Präsidentschaftswahlkampf beraten. "Angesichts der Entwicklung der politischen Situation nur sieben Wochen vor der Wahl" habe man sich entschlossen, ein Treffen der führenden Vertreter der Republikaner um einen Tag vorzuziehen, teilte die Partei mit.

An den Krisenberatungen sollen alle Kandidaten der Vorwahlen um die Spitzenkandidatur teilnehmen. Der in der Vorwahl gegen Fillon unterlegene Ex-Regierungschef Alain Juppé hatte nach Angaben aus Parteikreisen signalisiert, als Ersatzkandidat bereitzustehen, sollte Fillon verzichten. Ihm werden in Umfragen gute Chancen eingeräumt, in die Stichwahl um das höchste Staatsamt zu kommen. Beobachter gingen davon aus, dass die Konservativen Fillon möglicherweise auch zum Verzicht zwingen könnten.

Fillons Zustimmungswerte waren nach Bekanntwerden der Veruntreuungsvorwürfe eingebrochen. Aus einer Umfrage für die Wochenzeitung "Journal du Dimanche" geht hervor, dass 71 Prozent der Franzosen einen Verzicht Fillons auf die Kandidatur begrüßen würden. Zugleich schwindet sein Rückhalt bei den konservativen Wählern: Nur noch 53 Prozent wollen für Fillon stimmen, 17 Prozentpunkte weniger als Mitte Februar.

Frau ermutigt Fillon

Fillon wird verdächtigt, seine Ehefrau und seine Kinder nur zum Schein angestellt und damit Staatsgelder veruntreut zu haben. In den vergangenen Tagen sagten sich mehrere wichtige Gefolgsleute von ihm los. Fillons Frau Penelope wies die Vorwürfe der Scheinbeschäftigung zurück. Sie habe tatsächlich gearbeitet, sagte sie der Zeitung "Journal de Dimanche". Zugleich bestärkte sie ihren Mann, weiter zu kandidieren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. März 2017 um 12:00 Uhr.

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