François und Penelope Fillon | Bildquelle: AFP

Frankreich vor Wahl Vorermittlungen gegen Fillons Frau

Stand: 25.01.2017 16:39 Uhr

Die französische Justiz hat Vorermittlungen gegen die Frau des konservativen Präsidentschaftskandidaten Fillon eingeleitet. Im Raum steht der Verdacht, dass sie in der Vergangenheit bei ihrem Mann als Mitarbeiterin angestellt war, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.

Die französische Justiz hat nach der Enthüllung über frühere Parlamentsjobs der Frau von Präsidentschaftskandidat François Fillon eine Voruntersuchung eingeleitet. Das gab die nationale Finanz-Staatsanwaltschaft bekannt. Man gehe unter anderem dem Verdacht der Veruntreuung öffentlicher Mittel nach. Die Zeitung "Le Parisien" berichtete, die Untersuchung solle klären, ob Pénélope Fillon tatsächlich Gegenleistungen erbracht oder ob es sich um eine Scheinbeschäftigung gehandelt habe.

Die Wochenzeitung "Le Carnard Enchaîné" hatte zuvor berichtet, der Konservative habe seine Frau Pénélope jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt, während er Abgeordneter war. Insgesamt habe sie rund 500.000 Euro brutto aus der Parlamentskasse erhalten. Französische Abgeordnete dürfen Verwandte in ihren Abgeordnetenbüros anstellen, sofern diese dann auch tatsächlich für sie arbeiten. Ob Pénélope Fillon das auch getan hat, soll nun die Untersuchung klären. Ein Sprecher Fillons bestätigte die Anstellung, bestritt aber jedes Fehlverhalten.

7000 Euro pro Monat

Nach Angaben der Zeitung arbeitete Fillons Frau von 1998 bis 2002 bei ihm. Als er dann Minister wurde, sei Pénélope Fillon von seinem Nachfolger im Parlament angestellt worden für ein Monatsgehalt von rund 7000 Euro brutto, schrieb das Blatt. Als Fillon 2012 Abgeordneter im Parlament wurde, habe er seine Frau erneut für mindestens sechs Monate beschäftigt. "In den Gängen des Palais Bourbon (der Nationalversammlung) wie auch im Wahlkreis ihres Mannes ist niemand jemals einer parlamentarischen Assistentin namens Pénélope Fillon begegnet", schreibt das Blatt.

In der Tat ist die seit 1980 mit Fillon verheiratete gebürtige Waliserin lange Zeit nicht gerade durch politische oder berufliche Aktivitäten aufgefallen. Die Öffentlichkeit sah sie eher in der klassisch-konservativen Rolle der Hausfrau und Mutter, die die fünf gemeinsamen Kinder großzog. Als ihr Mann 2007 Premierminister wurde, sagte sie selbst, sie fühle sich auf dem Landsitz der Familie wohler als auf dem Pariser Parkett. Und als sie im vergangenen Herbst begann, ihren Mann im Vorwahlkampf offen zu unterstützen, sagte sie: "Bislang hatte ich mich nie in das politische Leben meines Mannes eingebracht."

Fillon empört

Fillon zeigte sich empört. "Ich sehe schon, dass sie mit Stinkbomben werfen", sagte er. Der Artikel des "Canard Enchaîné" strotze vor Verachtung und Frauenfeindlichkeit. "Bloß weil sie meine Frau ist, soll sie kein Recht haben, zu arbeiten?" Ein Fillon-Sprecher betonte, dessen Frau habe durchaus als Assistentin in der Nationalversammlung gearbeitet. Dies bestätigte auch der frühere Parlamentspräsident, Fillons Parteifreund Bernard Accoyer. Ein anderer Mitarbeiter Fillons erklärte, sie habe "im Schatten" gearbeitet, "denn es ist nicht ihre Art, nach vorne zu drängeln".

Penelope Fillon | Bildquelle: dpa
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Pénélope Fillon arbeitete jahrelang für ihren Mann und andere konservative Politiker

"Er muss sich erklären"

Unabhängig davon, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht, gerät Fillon unter Druck. "Er muss sich erklären", fordert der sozialistische Präsidentschaftsanwärter Manuel Valls. "Man kann sich nicht als Kandidat der Ehrlichkeit und Transparenz darstellen und dann nicht in der Lage sein zu antworten."

Fillon galt bislang als klarer Favorit bei der Präsidentschaftswahl. Laut Umfragen könnte zwar Front-National-Chefin Marine Le Pen die erste Runde der Wahl im April gewinnen. Für die Stichwahl im Mai sagten Meinungsforscher bisher aber einen klaren Sieg Fillons voraus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Januar 2017 um 18:00 Uhr.

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