Alain Juppé  | Bildquelle: AFP

Juppé nach der Vorwahl Ex-Favorit in der Defensive

Stand: 21.11.2016 17:32 Uhr

Bei der Vorwahl der Konservativen holte Juppé nur 28 Prozent. Eine Unterstützerin ist sich jedoch sicher: "Die zweite Runde ist wie eine neue Wahl". Seinen Kontrahenten Fillon will der Ex-Favorit als präsidialer "rassembleur" besiegen.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Eines ist schon einmal sicher: Eine Neuauflage von Merkozy - die zum geflügelten Wort gewordene Fusion aus Merkel und Sarkozy - wird es im kommenden Jahr nicht geben. Der französische Ex-Präsident hat seine Niederlage am Sonntagabend eingeräumt und sich aus dem politischen Leben mehr oder weniger verabschiedet. Das alles nicht ohne sich hinter seinen früheren Premierminister zu stellen: "Ich schätze Alain Juppé sehr, aber die politische Ausrichtung von François Fillon ist mir viel näher."

"Mit ihm wird es keine gesetzliche Arbeitszeit mehr geben"

Fillon, der Überraschungssieger der ersten Runde der Vorwahl im bürgerlichen Lager, hatte immerhin ganze fünf Jahre lang unter Sarkozy als Premierminister gearbeitet. Nun sieht es danach aus, als könne er ihm ins höchste Amt Frankreichs nachfolgen. Die rund vier Millionen Franzosen, die gestern mitgestimmt haben, wollten nicht nur eine Neuauflage des Duells Sarkozy - Hollande im nächsten Frühjahr verhindern. Sie ließen sich offensichtlich auch von Fillons konservativen Positionen und seinen handfesten Wirtschaftsreformen à la Margaret Thatcher überzeugen.

Auf dem Programm stehen unter anderem: Die Abschaffung der 35-Stunden-Woche, Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre und 500.000 Beamtenstellen weniger. 100 Milliarden Euro will der frühere Premier in den kommenden Jahren dadurch einsparen. Während ihn seine Unterstützer als großen Reformer preisen, zeichnet der stellvertretende Chef des rechtsextremen Front National, Florian Philippot das Bild einer liberalen Gefahr: "Er ist ganz klar ultraliberal, mit ihm wird es keine gesetzliche Arbeitszeit mehr geben. 500.000 Beamte weniger heißt: ein strenger Sparkurs im ländlichen Raum und in den Vororten. Gleichzeitig will er die Mehrwertsteuer erhöhen und die Vermögenssteuer abschaffen", sagt Philippot.

Fillon geht als Favorit in die Stichwahl
tagesschau 16:00 Uhr, 21.11.2016, Mathias Werth, ARD Paris

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Juppé sieht sich als "rassembleur"

Fillons Gegner in der Stichwahl, der zweitplatzierte Alain Juppé, versucht dagegen das Programm seines Kontrahenten als nicht umsetzbar zu verkaufen. Obwohl er mit seinen Reformvorschlägen für Frankreichs Wirtschaft und Arbeitsmarkt gar nicht allzu weit entfernt von Fillon ist. Auch er will die Franzosen mit 65 Jahren in Rente schicken und bei Beamten kräftig einsparen - allerdings nur bis zu 300.000 Stellen.

Juppé setzt vor allem auf seine Qualität als "rassembleur", als Einiger. "Ich glaube mehr denn je, dass das französische Volk Bedarf hat, sich zu versammeln, um nach einer desaströsen Präsidentschaft, die unser Land herabgesetzt hat, ein neues Kapitel aufzuschlagen und um dem Front National Einhalt zu gebieten, der uns in das schlimmste aller Abenteuer ziehen würde."

Juppé hat seine Hoffnung nicht aufgegeben, dass er noch eine Chance gegen den im ersten Wahlgang haushoch überlegenden Fillon hat. Er hofft auf die Stimmen von moderaten Konservativen, Zentrumswählern und von Präsident François Hollande enttäuschten Linken.

"Die zweite Runde ist wie eine neue Wahl"

Dafür will der Bürgermeister von Bordeaux nun in die Offensive gehen und hat sich zur Strategiebesprechung mit Nathalie Kosciusko-Morizet getroffen. Sie ist die einzige Kandidatin der Vorwahl, die sich nach ihrer Niederlage hinter Juppé gestellt hat. "Die zweite Runde ist im Grunde wie eine neue Wahl, da wird es viel mehr um politische Linien gehen", sagt sie.

Die wollen Juppé und sein Kontrahent Fillon in den nächsten Tagen noch in verschiedenen französischen Städten auf Wahlkampfveranstaltungen erklären. Der wichtigste Termin aber wird am Donnerstagabend sein: das TV-Duell. Während es für Juppé und Fillon dann noch einmal um alles geht, wird sich der große Verlierer des gestrigen Abends - Sarkozy - den Schlagabtausch ganz gemütlich vom Sofa aus ansehen können.

Ex-Premier Fillon Favorit für die Stichwahl
Kerstin Gallmeyer, ARD Paris
21.11.2016 16:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. November 2016 um 17:00 Uhr.

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