François Fillon | Bildquelle: dpa

Wahlkampf in Frankreich Fillon wird vorgeladen - und bleibt Kandidat

Stand: 01.03.2017 12:56 Uhr

Eine Beschäftigungsaffäre macht ihm seit Wochen zu schaffen - jetzt der französische Präsidentschaftskandidat Fillon von Untersuchungsrichtern vorgeladen worden. Auch die Partei UDI entzog ihm die Unterstützung. An seiner Kandidatur hält Fillon aber fest.

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon ist für den 15. März wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung seiner Frau von Ermittlungsrichtern vorgeladen worden. Dabei soll ein Verfahren gegen den Konservativen eingeleitet werden und er damit offiziell als Beschuldigter eingestuft werden. Ein solcher Schritt ist laut der französischen Strafprozessordnung angebracht, wenn "schwerwiegende oder übereinstimmende Indizien" eine Täterschaft oder Mittäterschaft des Verdächtigen "wahrscheinlich" machen.

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Fillon sagte auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz, er bleibe Kandidat und weise die Vorwürfe weiter zurück: "Ich werde nicht nachgeben." Er attackierte die Ermittler scharf und sprach von einer beispiellosen Untersuchung und "politischem Mord". Der Rechtsstaat sei "systematisch verletzt" worden. Nur die Präsidentschaftswahl könne über das künftige Staatsoberhaupt entscheiden, nicht ein gezielt belastend geführtes Ermittlungsverfahren.

Ursprünglich hatte Fillon nach Bekanntwerden der Vorwürfe noch erklärt, im Fall eines Verfahrens gegen ihn auf seine Kandidatur zu verzichten. Später widerrief er diese Position.

UDI entzieht Unterstützung

Auch erste Verbündete wenden sich von Fillon ab. Die Mitte-Rechts-Partei UDI hat ihre Wahlkampf-Unterstützung für den konservativen Politiker ausgesetzt. Dies teilte Parteipräsident Jean-Christophe Lagarde mit. Die Partei zog damit die Konsequenz aus der Eröffnung des formellen Ermittlungsverfahrens. Die UDI ist mit rund 30 Abgeordneten im französischen Parlament vertreten.

Jahrelang die eigene Frau beschäftigt

Fillons Frau Penelope war bei ihm jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin angestellt gewesen. In der Untersuchung geht es um die Zweifel daran, ob sie für das Geld auch tatsächlich arbeitete. Laut einem Bericht der Zeitung "Le Canard Enchaîné" geht es um einen Zeitraum von 15 Jahren und 830.000 Euro. Die Justiz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Hinterziehung öffentlicher Mittel. Am Freitag war das Verfahren in die Hände von Ermittlungsrichtern gelegt worden.

Fillon hatte lange als Favorit für die Wahl gegolten. Die Vorwürfe belasteten seinen Wahlkampf aber schwer und ließen ihn in den Umfragen für die erste Runde am 23. April auf rund 20 Prozent und Platz drei zurückfallen. Demnach dürfte Fillon diese Runde nicht überstehen.

Als klarer Favorit für die Stichwahl am 7. Mai gilt jetzt der Unabhängige Emmanuel Macron, der laut Umfragen mit der Rechtsextremen Marine Le Pen in die zweite Runde einziehen dürfte.

Penelope und Francois Fillon | Bildquelle: AFP
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Fillons Frau Penelope war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin ihres Mannes angestellt. Enthüllungen in der Zeitung "Canard Enchaîné" warfen aber die Frage auf, ob sie tatsächlich dort arbeitete.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2017 um 14:15 Uhr.

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