Brandanschlag auf ein palästinensisches Wohnhaus (31. Juli 2015) | Bildquelle: AFP

Razzien in illegalen Siedlungen Festnahmen nach Anschlag auf Palästinenser

Stand: 09.08.2015 12:31 Uhr

Nach dem Brandanschlag auf Palästinenser im Westjordanland, bei dem ein Kleinkind und sein Vater starben, hat die israelische Polizei mehrere Verdächtige festgenommen. Sie seien bei Razzien in illegalen jüdischen Siedlungen gefasst worden.

Eineinhalb Wochen nach dem folgenschweren Brandanschlag auf Palästinenser im Westjordanland hat die israelische Polizei mehrere Verdächtige festgenommen. Sie seien bei Razzien in ohne Genehmigung gebauten Außenposten jüdischer Siedler gefasst worden, teilte die Polizei mit.

Die Razzien gegen radikale jüdische Siedler begannen in der Nacht zum Sonntag. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien wurden in der illegalen Siedlung Adei Ad zwei Menschen festgenommen. In einem illegalen Außenposten der einige Kilometer weiter südlich gelegenen Siedlung Kochav Haschachar seien sieben junge Siedler-Aktivisten in Polizeigewahrsam genommen worden, hieß es.

Vater und 18 Monate altes Kind starben

Benjamin Netanyahu | Bildquelle: dpa
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Israels Premier Netanyahu versprach, alles für die Ergreifung der Täter zu tun.

In dem palästinensischen Dorf Duma waren Ende Juli Brandanschläge auf zwei Häuser verübt worden, ein Kleinkind im Alter von 18 Monaten verbrannte bei lebendigem Leibe. Der Vater war gestern seinen Verletzungen erlegen. Auch die Mutter und ein vierjähriger Bruder erlitten schwerste Brandwunden. Die Sicherheitsbehörden gehen von einem terroristischen Hintergrund aus und vermuten, dass die Tat von militanten Siedlern verübt wurde.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu versicherte, alles Mögliche zu tun, um die Täter zu fassen. "Als ich die Familie vergangene Woche im Krankenhaus besucht habe, habe ich versprochen, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen werden, um die Mörder zu fassen", sagte Netanyahu einer Mitteilung seines Büros zufolge. "Und das tun wir."

Extremisten in Haft

Verteidigungsminister Mosche Jaalon verhängte eine sechsmonatige Verwaltungshaft gegen Meir Ettinger, einen der bekanntesten Vertreter der radikalen "Hügel-Jugend" aus den Siedler-Außenposten. Ettinger war am vergangenen Montag auf Drängen des Inlandsgeheimdienstes festgenommen worden. Der Geheimdienst hält ihn für den Kopf einer Gruppierung, die für mehrere Anschläge auf Klöster und Kirchen verantwortlich ist. Auch wegen des Brandanschlags in Duma wird gegen ihn wegen Anstiftung ermittelt.

Der am Dienstag festgenommene jüdische Ultranationalist Eviatar Slonim kam nun ebenfalls für ein halbes Jahr in Administrativhaft, wie schon vergangene Woche ein dritter Extremist, Mordechai Meyer. Diese Maßnahme, die eine letztlich unbegrenzte Inhaftierung von Verdächtigen ohne Anklage und Verfahren ermöglicht, wird in Israel äußerst selten gegen Juden eingesetzt, aber regelmäßig gegen palästinensische Aktivisten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2015 um 13:15 Uhr.

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