Spaniens König Felipe VI. | Bildquelle: AFP

Referendum in Katalonien Scharfe Vorwürfe von Spaniens König

Stand: 03.10.2017 22:32 Uhr

"Unverantwortlich" - Spaniens König Felipe hat die Lage in Katalonien nach dem Unabhängigkeitsreferendum als sehr ernst bezeichnet. Scharfe Vorwürfe richtete er gegen die Regionalregierung. Die wiederum will in wenigen Tagen die Unabhängigkeit ausrufen.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat Spaniens König Felipe VI. scharfe Vorwürfe gegen die Regionalregierung in Barcelona gerichtet. Die Lage nach dem Referendum bezeichnete er als sehr ernst.

Die führenden Vertreter der Regionalregierung hätten demokratische Prinzipien zerschlagen und die katalanische Gesellschaft gespalten, so der Monarch in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache. "Heute ist die katalanische Gesellschaft gebrochen und konfrontiert", so Felipe.

König Felipe kritisiert katalanische Regionalregierung
tagesschau 12:00 Uhr, 04.10.2017, Sebastian Kisters, ARD Madrid

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"Mit ihrem unverantwortlichen Verhalten können sie die Stabilität Kataloniens und ganz Spaniens in Gefahr bringen", sagte das Staatsoberhaupt. "Angesichts dieser Situation von extremer Tragweite" sei es die Pflicht der "legitimen" Staatsführung, "die verfassungsmäßige Ordnung und das normale Funktionieren der Institutionen sicherzustellen". Das Königshaus bleibe der Verfassung und Einheit des Landes verpflichtet.

Felipe räumte ein, Spanien mache "schwierige Zeiten" durch. Man werde diese aber "überwinden und vorwärtskommen", sagte das 49 Jahre alte Staatsoberhaupt. Allen Spaniern wolle er "eine Botschaft der Ruhe und der Hoffnung" übermitteln. Ohne demokratischen Respekt gebe es kein friedliches Zusammenleben.

Unabhängigkeitserklärung noch diese Woche?

Nach den Worten des Chefs der Regionalregierung, Carles Puigdemont, ist die Ausrufung der Unabhängigkeit eine Frage von Tagen. Seine Regierung werde "Ende der Woche oder Anfang der nächsten handeln", sagte er der BBC. Auf die Frage, was er tun werde, sollte die spanische Regierung intervenieren und die Regierungsgewalt in Katalonien übernehmen, sagte er, dies wäre "ein Fehler, der alles ändert".

Nach Angaben der nach Unabhängigkeit strebenden Regionalregierung stimmten bei dem Referendum am Sonntag 90 Prozent der Wähler für eine Loslösung von Spanien. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 42,3 Prozent.

Referendum für illegal erklärt

Die Volksabstimmung war von der Zentralregierung in Madrid und dem Verfassungsgericht für illegal erklärt worden. Die spanische Polizei war daraufhin mit Gewalt gegen das vom Verfassungsgericht als rechtswidrig eingestufte Referendum vorgegangen.

Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe. Nach Angaben von Puigdemonts Regionalregierung ließen sich nach der Polizeigewalt mehr gut 900 Menschen ärztlich behandeln.

Stefan Schaaf, ARD Madrid, zzt. Barcelona, über das Hoffen auf einen Vermittler
Mittagsmagazin, 04.10.2017

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2017 um 20:00 Uhr.

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