Bernie Sanders | Bildquelle: dpa

US-Demokrat Bernie Sanders Ein Außenseiter trifft den richtigen Nerv

Stand: 08.02.2016 17:05 Uhr

Ein Sozialist im Weißen Haus. Eigentlich undenkbar! Und doch: Im Wahlkampf 2016 macht Bernie Sanders großen Eindruck. Egal ob jung oder alt - der Senator aus Vermont kann sie alle hinter sich vereinen.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Außer dem riesigen Lake Champlain, der Vermont vom Bundesstaat New York trennt, den enormen Wäldern, imposanten Bergen und der Nähe zum nördlichen Nachbarn Kanada, ist in Vermont vieles klein. In dem kleinsten Bundesstaat Neuenglands wohnen weniger Menschen als in Frankfurt am Main. Montpelier ist mit weniger als 8000 Einwohnern die kleinste Hauptstadt eines Bundesstaates. Vermont ist das Land von Ahornsirup, Ben & Jerry#s-Eis, das Land der Aussteiger, Hippies und Bauern.

Central Church Street 131 in Burlington, Vermont, drittes Stockwerk. Das ist die Adresse von "Bernie Central", hier sammeln die Unterstützer von Sanders Stimmen und Geld für ihren Senator. 50 junge Leute telefonieren pausenlos, in manchen Ecken liegen Schlafsäcke und Pizzakartons. Trump, meint der 22-jährige Jerry, der wird es nicht weit bringen. "Aber wir werden sehen". Und ist Bernie Sanders als US-Präsident vorstellbar? "Ja", antwortet Jerry prompt.

Egal, ob jung oder alt - alle mögen Bernie

Bernie Sanders steht bei seiner Wahlkampfverantsaltung am Rednerpult. | Bildquelle: AP
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Hinter dem Rednerpult trumpft Sanders auf. Seine Fans finden vor allem, dass er gerecht agiert.

Sanders trifft einen Nerv bei den Amerikanern. Das Land braucht mutige Veränderungen, eine politische Revolution", sagt Sanders bei einer seiner Wahlkampf-Veranstaltungen. Mit seiner klaren, für viele Wähler aufrichtig wirkenden Botschaft ist Sanders glaubwürdiger als die viel bekanntere Hillary Clinton. Cathy Richardson ist zwar nicht gerade eine junge revolutionäre Amerikanerin, da sie bereits über 70 Jahre alt ist, aber Sanders spricht sie an. "Er ist rechtschaffen", sagt sie.

Als der Senator gegen den Irakkrieg stimmte, war das für Cathy ein Grund, von New Jersey nach Vermont umzusiedeln. Ihr Mann James ist Republikaner. "Bernie ist ein aufrichtiger Kerl", meint er. "Er ist einer der noch nicht verraten hat, wie er den sozialen Ausgleich, die preiswerte Bildung und die bessere Infrastruktur bezahlen will", bemängelt James - aber in seiner Partei sprechen ihn die Kandidaten auch nicht an. Für Cathy tut sich wie für viele Demokraten ein innerer Konflikt auf. Sie mag Hillary und Bernie, aus unterschiedlichen Gründen, sagt sie. Vor ihrer Wahlentscheidung werde sie noch einmal ihr Gewissen befragen müssen.

Bernie Sanders und Hillary Clinton bei TV-Debatte in New Hampshire | Bildquelle: AFP
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Sanders kann sich auch in den TV-Duellen gegen seine Konkurrentin Clinton behaupten.

Die Angst vor dem Unmöglichen

Viele etablierte Demokraten fürchten nun, dass das lange als völlig unmöglich geltende geschieht und Bernie Sanders im Sommer die Kandidatur für die Demokraten gewinnt. Denn dann würde ihre Partei die Wahl an die Republikaner verlieren. Denn in einem Land, das über Jahrzehnte Kommunismus und Sozialismus bis aufs Messer bekämpft hat, ist die Angst vor einer Politik links der Mitte groß.

Bernie Sanders am Rednerpult, seine Anhänger halten im Hintergrund Plakate hoch | Bildquelle: AFP
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Sollte Sanders auch bei der Vorwahl in New Hampshire ist seine Nominierung sicherlich nicht mehr utopisch.

In Burlington, der mit weniger als 50.000 Einwohnern größten Stadt Vermonts, haben sich am bitterkalten Abend Menschen versammelt, um eine Winterbeleuchtung der Innenstadt in Betrieb zu nehmen. Hier hatte Sanders seinen ersten politischen Erfolg, bevor er Senator und Kongressabgeordneter war. Als Bürgermeister der Stadt. Sein Nachfolger Miro Weinberger findet, Sanders könnte die Nominierung schaffen. "Burlington ist ein besonderes Pflaster. Wir haben eine sehr engagierte Gemeinschaft, die Leute nehmen Anteil, das macht Burlington aus und das ist auch Teil der Kampagne von Senator Sanders", sagt Weinberger.

Der Wahlkampf 2016 findet auf beiden Seiten des politischen Spektrums abseits der politischen Mitte statt. Der unerwartete Aufstieg von Bernie Sanders lehrt die Demokraten um Hillary Clinton das Fürchten. Noch immer scheint seine Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat eher unwahrscheinlich. Die Botschaft seiner Anhänger, die sich eine weit progressivere, sozialere, weniger kriegerische Politik wünschen, kann die Partei aber nicht mehr überhören.

Feel the Bern - das Sanders-Phänomen
A. Horchler, ARD Washington, zzt. Burlington
08.02.2016 15:41 Uhr

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