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Jerome Powell Fed-Chef mit ungewöhnlichem Lebenslauf

Stand: 03.02.2018 05:14 Uhr

Die US-Zentralbank Fed bekommt einen neuen Chef. Der Jurist Powell arbeitete zuvor als Investment-Banker und in Aufsichtsräten - ein ungewöhnlicher Lebenslauf für seine neue Aufgabe.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Der neue Chef ist für die Zentralbank Fed ein alter Bekannter. Jerome Powell, der am Montag im Amt vereidigt wird, sitzt seit fast sechs Jahren in dem wichtigen Fed-Gremium, das über die Geldmarkt-Politik entscheidet. Er trug alle Entscheidungen mit. Beobachter rechnen darum nicht mit einem radikalen Kurswechsel. Bei seiner Ernennung versprach Powell, er wolle objektiv entscheiden - mit den besten verfügbaren Belegen und in der langen Tradition geldpolitischer Unabhängigkeit.

Ein Grund, warum US-Präsident Donald Trump Powell nominierte, liegt in den strengen Regeln, die nach der Krise für die Banken eingeführt wurden. Die will Trump wieder lockern. Dafür braucht er auch die Fed. Powell unterstützte die strengen Regeln, ist aber offen für Korrekturen. Das wurde bei seiner Anhörung im Senat deutlich.

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Jerome Powell. Der Senat bestätigte ihn als Fed-Chef mit breiter Mehrheit. Auch die meisten oppositionellen Demokraten stimmten für ihn.

Mit breiter Mehrheit bestätigt

Der Republikaner John Kennedy fragte Powell, ob in den USA noch systemrelevante Banken gebe, die "too big to fail" - zu groß zum Scheitern - seien. Powell sagte, er würde "nein" sagen.

Die demokratische Senatorin Elisabeth Warren, eine Verfechterin strenger Bankenregeln fragte, ob Powell nicht glaube, eine einzige Regel sollte verschärft werden? Powell entgegnete, er glaube, sie seien streng genug.

Der Senat bestätigte Powell schließlich mit breiter Mehrheit. Auch die meisten oppositionellen Demokraten stimmten für ihn.

Wichtiger Erfolg für Trump

Für Trump war das ein wichtiger Erfolg. Der Präsident sagte über Jerome "Jay" Powell: "Jay bringt ausgedehnte Erfahrungen aus der Privatwirtschaft, aus dem wirklichen Leben mit. Darum versteht er, was unsere Wirtschaft braucht, um zu wachsen, und was amerikanischen Erfolg antreibt."

In der Tat hat Powell als Fed-Chef einen ungewöhnlichen Lebenslauf: Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat er nicht Volkswirtschaft studiert. Er studierte Jura, arbeitete als Investment-Banker und saß in Aufsichtsräten.

Kritiker sagen, zurzeit wäre es besser, die Fed hätte einen Volkswirt an der Spitze. Befürworter erhoffen sich, Powell öffne die Zentralbank mehr - zum Beispiel, indem er Entscheidungen besser erklärt.

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Powell und Trump. "Jay bringt ausgedehnte Erfahrungen aus der Privatwirtschaft, aus dem wirklichen Leben mit." Powell verstehe, was die Wirtschaft brauche.

Arbeiten im Konsens

Zu seinen Unterstützern gehört Seth Carpenter, US-Chefökomom der Bank UBS: "Er kann ein gutes Verhältnis zu Leuten aufbauen, zu Untergebenen oder Gleichrangigen. Das ist wichtig. Das Fed-Komitee arbeitet hauptsächlich im Konsens."

Powell bringt auf jeden Fall auch politische Erfahrung mit. Er arbeitete unter Präsident George W. Bush im Finanzministerium. Er ist Republikaner, wurde aber von Präsident Barack Obama 2011 als Fed-Mitglied nominiert.

Powell ist jedoch nicht das einzige Mitglied der Zentralbank, das Trump nominieren kann. In dem Führungsgremium sind mehrere Sitze offen. Trump hat die Chance, die Bank auf Jahre zu prägen.

Fed-Chef mit ungewöhnlichem Lebenslauf
Jan Bösche, ARD Washington
03.02.2018 10:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 im Morgenecho am 03. Februar 2018 um 06:13 Uhr.

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