Chinesische Jungs in Bayern-München-Trikots | Bildquelle: AFP

Lobby-Büro in Shanghai FC Bayern strebt nach China

Stand: 01.04.2017 14:25 Uhr

Der FC Bayern will künftig auch im chinesischen Fußball-Geschäft mitmischen. Deshalb wurde in Shanghai nun ein Lobby-Büro eröffnet. Schon jetzt gebe es in China 136 Millionen Fans, prahlen die Bayern. Unabhängige Beobachter klingen da deutlich nüchterner.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Vereinshymne "Stern des Südens" läuft während der Eröffnung des neuen FC-Bayern-Büros in Shanghai. Die Stadt ist passenderweise die inoffizielle Hauptstadt Südchinas, außerdem die Stadt, in der in China die wirklich großen Geschäfte gemacht werden. Entsprechend hat sich der Bundesligist den passenden Standort für sein Büro ausgesucht.

"Bayern München möchte hierher kommen, auch um Geschäfte zu machen", sagt Bayern-Manager Karl-Heinz Rummenigge. Aber nicht nur: Gerade in einer Zeit, in der sich die politische Situation in Shanghai in Richtung Pro-Fußball bewege, möchte der Verein dort eine Rolle spielen. "Und zwar in der Gestalt, dass wir dazu beitragen, dass der chinesische Fußball kontinuierlich wächst", führt Rummenigge aus.

Prahlen mit Millionen Fans

Der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichste Fußballclub Deutschlands hat deswegen gemeinsam mit lokalen Partnern auch eine Fußballschule in China eröffnet, in der Hafenstadt Qingdao, eine weitere soll in der Hightech-Metropole Shenzhen aufmachen. Der Club sorge mit dem neuen Büro in Shanghai für eine dauerhafte Präsenz in China, beziehungsweise für ein FC-Bayern-mäßiges Grundrauschen in dem Land, so bezeichnete es Rummenigge. China habe riesiges Potenzial: "Wir haben circa 136 Millionen Fans in diesem Land."

Chinesische Jungs in Bayern-München-Trikots während des Trainings | Bildquelle: AFP
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Zur Feier der Büro-Eröffnung: Chinesische Jungs in Bayern-München-Trikots während des Trainings

136 Millionen Bayern-Fans: Statistisch ist demnach - nach Angaben Rummenigges - also jeder zehnte Chinese Bayern-Fan. Aufdröseln oder erklären konnte der Manager diese Zahl zwar nicht, aber der Verein gibt sich fest entschlossen, die chinesische Fanbasis zu erschließen.

Arsenal London ist beliebter

Etwas nüchterner fällt die Analyse von Shi Chenyu von der Shanghaier Sportuniversität aus: "Verglichen mit Arsenal London zum Beispiel hat der FC Bayern in China nur halb so viele Fans. Er liegt auch weit hinter Teams wie Manchester United, FC Barcelona oder Real Madrid", sagt er. Aber er sehe: "Der FC Bayern strengt sich mächtig an, in China neue Fans zu gewinnen."

Die Voraussetzungen dafür sind bestens. Denn im bevölkerungsreichsten Land der Welt ist in den vergangenen Jahren eine Mittelschicht mit Hunderten Millionen Menschen herangewachsen. Und diese Menschen haben Lust auf Unterhaltung und damit auch auf Sport. Vor allem haben sie auch das Geld - zum Beispiel für Pay-TV-Abos, Trikots und andere Merchandising-Produkte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2017 in den Sportnachrichten.

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