Donald Trump  | Bildquelle: AFP

Trump zu FBI-Direktor Comey-Nachfolger binnen einer Woche?

Stand: 13.05.2017 21:00 Uhr

Nach der umstrittenen Entlassung von FBI-Chef Comey will US-Präsident Trump dessen Nachfolger wohl bis Ende kommender Woche benennen. Vier Kandidaten seien bereits gefragt worden, erklärte Trump bei einer Rede vor evangelikalen Studenten.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Endlich wieder Jubel - nach einer chaotischen Woche, in der sich alles um die Entlassung von FBI-Direktor James Comey drehte, um Widersprüche bei der Begründung dafür und Twitterdrohungen genoss US-Präsident Donald Trump seinen Auftritt an der christlichen Liberty University. Bevor er vor Hunderten Studenten in Virginia sprach, gab Trump Reportern Auskunft. Nach der Entlassung Comeys solle schnell ein Nachfolger benannt werden: "Es könnte schnell entschieden werden. Möglicherweise noch vor der ersten Auslandsreise bis Ende nächster Woche."

Vier Kandidaten

Vier Kandidaten wurden laut Trump bereits befragt, ob sie den Posten übernehmen würden: Neben dem Interims-FBI-Chef Andrew McCabe kommen demnach Richter Michael Garcia aus New York, der texanische Senator John Cornyn und Alice Fisher in Frage, eine ehemalige Spitzenbeamtin im US-Justizministerium.

Der Auftritt vor den Absolventen der Liberty University in Lynchburg, die sich größte christliche Universität der Welt nennt, war für Trump ein Heimspiel. Hochschul-Chef Jerry Falwell Jr. hatte dem Präsidenten bereits im Januar 2016 die Unterstützung der evangelikalen Bildungseinrichtung zugesagt - als viele Republikaner noch glaubten, Jeb Bush hätte die besten Chancen, Kandidat der Partei zu werden.

Im Wahlkampf-Modus

Wer von Trump Einlenken oder Erklärungen erwartete, wurde enttäuscht. Dafür gab es Zuspitzung wie im Wahlkampf, harsche Kritik am politischen Sumpf Washingtons und den Medien, viel Patriotismus und Pathos. Sich der Wahrheit zu verpflichten, sei kein einfacher Weg. "In seiner kurzen Zeit in Washington habe ich direkt gesehen, wir kaputt das System ist. Eine kleine Gruppe gescheiterter Stimmen, die glaubt, sie wisse und verstehe alles, will allen anderen sagen, wie sie leben, was sie tun und was sie denken sollen."

Trumps Rede klang in Teilen wie ein “jetzt erst Recht”, wie eine erweiterte Kampfansage gegen das Politikestablishment, die Demokraten und die liberalen Medien. Die Umstände von James Comeys Entlassung, die vielen Widersprüche, die juristischen Fragen werden Trump jedoch weiter begleiten. Noch nie hat ein US-Präsident den Chef der Bundespolizei bei laufenden Ermittlungen gegen ihn oder sein Wahlkampfteam gefeuert.

Die Forderung nach loyalem Verhalten, direkte Fragen, ob das FBI gegen ihn ermittelt, die Drohung, Mitschnitte von Gesprächen zu veröffentlichen - all das ist mindestens ethisch verwerflich, finden Trumps Kritiker und fordern eine unabhängige Ermittlung der Russlandverbindungen von Trumps Wahlkampfteam.

Michelle Obama kritisiert Trump

Die ehemalige First Lady Michelle Obama brachte die Sorgen liberaler Amerikaner beim Gipfel für ein gesünderes Amerika auf den Punkt. Ohne den Namen des US-Präsidenten auszusprechen, kritisierte sie Trumps Streichung des Programms für gesünderes Essen in Schulkantinen. Sie endete mit der Frage, die weit über ihr eigentliches Thema hinausreichte, aber als Seitenhieb auf die Trump-Regierung verstanden werden musste: "Wir müssen uns die Motive anschauen: Warum will jemand verhindern, dass unsere Kinder gutes Essen in der Schule bekommen - was stimmt nicht mit diesen Menschen?"

Die Mehrzahl der US-Republikaner steht weiterhin hinter ihrem Präsidenten, viele seiner Wähler halten die Russlandverbindungen der Trump-Kampagne für eine erfundene Geschichte und die Entlassung Comeys für eine geeignete Maßnahme. Viele von ihnen klatschten minutenlang nach Trumps Rede an der Liberty University.

Heimspiel nach Chaoswoche - Präsident Trump spricht bei Liberty University
A. Horchler, ARD Washington
13.05.2017 20:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Mai 2017 um 19:03 Uhr

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