Christopher Wray (Archivbild, 2004) | Bildquelle: dpa

Wrays Nominierung als FBI-Chef FBI-Versteher mit Schönheitsfehlern

Stand: 07.06.2017 19:15 Uhr

Er soll der Neue an der Spitze des FBI werden - der Anwalt Christopher Wray. "Eine sichere, etablierte Wahl", schrieb die "New York Times". Kollegen bescheinigen ihm gute Verbindungen zur Sicherheitsbehörde. Es gibt aber auch Zweifel an seiner Unabhängigkeit.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Dieser Zeitpunkt ist kein Zufall: Am Tag, bevor der frühere FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senat aussagt, verkündet Präsident Donald Trump, wer Comeys Nachfolger werden soll - kurz und knapp per Twitter.

Trump hatte sich mit der Suche Zeit gelassen, es ist fast einen Monat her, dass er Comey entließ. Mitte Mai bescheinigte Trump dem FBI, auf der ganzen Welt etwas Besonderes zu sein. "Wir werden einen hervorragenden FBI-Direktor haben. Ich denke, die Leute im FBI werden sehr begeistert sein."

Donald J. Trump @realDonaldTrump
I will be nominating Christopher A. Wray, a man of impeccable credentials, to be the new Director of the FBI. Details to follow.

"Sichere, etablierte Wahl"

Trumps Wahl ist auf Christopher Wray gefallen. Er arbeitet als Anwalt für eine traditionsreiche Kanzlei. Zu seinen Klienten gehört auch Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey und ein Vertrauter von Trump. Wray verteidigte Christie kürzlich im sogenannten "Bridgegate"-Skandal, als aus politischen Gründen eine Brücke gesperrt worden war.

Doch auch im politischen Washington hat er Erfahrung: Wray arbeitete als stellvertretender Justizminister unter Präsident George W. Bush. Dabei war er für die Strafrechtsabteilung zuständig, kennt also die Arbeit der FBI-Ermittler. Die "New York Times" bezeichnete ihn darum als sichere, etablierte Wahl.

Nach Comeys Rauswurf hat die Moral in der Behörde deutlich gelitten. Nach Ansicht von Thomas O'Connor, des Präsidenten der Agenten-Vereinigung, ist daher eine der wichtigsten Anforderungen an den neuen FBI-Chef der gute Draht zur Sicherheitsbehörde. "Es muss jemand sein, der FBI-Agenten und ihre alltägliche Arbeit versteht", sagte O'Connor vor drei Wochen im US-Fernsehen.

Zweifel an Wrays Unabhängigkeit

Wrays Nachfolgerin im Justizministerium, die Republikanerin Alice Fisher, bescheinigte Wray exzellente Erfahrung. Zudem habe er bereits enge Verbindungen zum FBI.

Andere sind skeptischer. Der Sicherheitsexperte Philip Mudd, der unter anderem für das FBI gearbeitet hatte, sagte: "Der Präsident hat jemanden ausgewählt, der nicht nur direkte Verbindungen zu Chris Christie hat, sondern auch aus einer Anwaltskanzlei kommt, von der der Präsident schon andere für seine Regierung ausgewählt hat. (...) Deutet irgendetwas darauf hin, dass er dem Weißen Haus einen Vorrang einräumt, anstelle einfach nur den Fakten zu folgen? Das riecht etwas - und ich bin sicher, für den Kongress riecht es stark."

Der neue FBI-Chef Wray muss vom Senat bestätigt werden. Er erfüllt zumindest eine Bedingung, die besonders von den Demokraten immer wieder gestellt worden ist: Er ist kein Politiker. Daran war schon der erste Kandidat gescheitert, mit dem Trump geliebäugelt hatte - der frühere Senator Joe Lieberman.

Trump stellt Christopher Wray für den FBI-Chefposten vor
J. Bösche, ARD Washington
07.06.2017 18:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 07. Juni 2017 um 17:00 Uhr.

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