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21.11.2009

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Arafat

Fatah-Kongress: Chaos in der Turnhalle

Fatah-Kongress in Bethlehem

Chaos in der Turnhalle

Auf dem ersten Kongress der palästinensischen Fatah seit 20 Jahren geht es weiter drunter und drüber: Diverse ungeklärte Streits werden wohl dazu führen, dass das Treffen nicht weniger als fünf Tage länger dauern wird. Aber auch ein Scheitern scheint möglich.

Von Torsten Teichmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv, zzt. Betlehem

Der Sprecher der Vollversammlung, Nabil Amr, hat vielleicht die schwierigste Aufgabe in diesen Tagen. Er will stets erklären, dass der Kongress der palästinensischen Organisation Fatah auf einem guten Weg sei. Dabei herrschen in der gigantischen Sporthalle der Terra-Santa-Schule in Bethlehem mitunter chaotische Zustände.

Die Gefahr des Scheiterns bestand von Anfang an. Zu Beginn der Konferenz, am Dienstag, hatte der Delegierte Dschibril Rajub erklärt, dass die Fatah vor einer schwierigen Aufgabe stehe. Rajub zählt zur sogenannten jungen Garde, die in die Führungsgremien drängt: "Das Programm ist voll. Es geht aber vor allem um eine Erneuerung der Bewegung. Wir suchen einen Plan zur internen Aussöhnung und zur Stärkung unserer Position, regional und international. Und wir brauchen eine Strategie gegen die israelische Besatzung."

Fatah-Kongress in Betlehem (Foto: dpa) [Bildunterschrift: Der wohlgeordnete Schein trügt: Der Fatah-Kongress drohte schon mehrfach aus dem Ruder zu laufen. ]

Streit um Autonomiebehörde, Finanzen, Gaza ...

Als konkreter Streitpunkt gilt jetzt zum Beispiel das ungeklärte Verhältnis zwischen Fatah und palästinensischer Autonomiebehörde. Bewegung und Behörde sind im Westjordanland faktisch eins. Jüngere Delegierte fordern, die Fatah müsse sich als Partei emanzipieren und aus dem Verwaltungsapparat zurückziehen. Die alte Garde stelle sich bisher aber quer, sagt einer der Delegierten. 

Diskussionen gibt es außerdem um die Finanzen, fehlende Rechenschaftsberichte und immer noch um Gaza. Der führende Vertreter des Küstengebiets, Mohammed Dahlan, hat in seiner Rede die Verantwortung für die vollständige Machtübernahme der konkurrierenden Hamas in Gaza zurückgewiesen. Viele Delegierte reagierten schockiert und lautstark auf die Ansprache. Sie sagen, Dahlan sei mit seinem gescheiterten Versuch, den Gazastreifen ins Chaos zu stürzen, Schuld an der Spaltung der palästinensischen Gesellschaft und am Machtverlust der Fatah. 

Mohammed Dahlan (Foto: dpa) [Bildunterschrift: Mohammed Dahlan steht auf dem Treffen in der Kritik. ]

Fünf Tage Verlängerung - oder sogar Scheitern?

Die Hamas manipuliert die Vollversammlung in Bethlehem aus der Ferne: In der vergangenen Nacht ließ die Organisation Fatah-Funktionäre in Gaza vorübergehend festnehmen. Zuvor hatte sie 400 Delegierten die Reise ins Westjordanland verweigert und so die Konferenz der Fatah an den Rand des Scheiterns gebracht.

Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Zwar konnten sich die Delegierten der Vollversammlung auf eine Kandidatenliste für die bevorstehenden Wahlen für Zentralkomitee und Revolutionsrat einigen. Doch der Termin für die Abstimmung musste wieder verschoben werden. Die Konferenz könnte kommenden Dienstag, also fünf Tage später als geplant, zu einem Abschluss zu kommen.

Kongress-Sprecher Amr will sich aber längst nicht mehr darauf festlegen lassen. Es gebe keine zeitliche Beschränkung für die Vollversammlung, erklärte er.

Stand: 08.08.2009 13:03 Uhr
 

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