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Initiative für Preisstabilität

FAO will Spekulation mit Lebensmitteln bekämpfen

Angesichts explodierender Lebensmittelpreise drängen die Vereinten Nationen auf eine schärfere Regulierung der Rohstoffmärkte. Der Spekulation müsse ein Riegel vorgeschoben werden, forderte der Chef der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), Jacques Diouf.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Jacques Diouf
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FAO-Direktor Diouf will die Lebensmittel-Spekulation bekämpfen.

Die UN-Ernährungsorganisation FAO hat einen neuen Anstieg von Nahrungsmittelpreisen registriert. Die Preise für die meisten Lebensmittel haben wieder das Niveau der Krisenjahre 2007/2008 erreicht. Die aktuellen Proteste in Algerien, Tunesien und Jordanien haben als Ursache auch die starke Verteuerung der Lebensmittelpreise. FAO-Generaldirektor Diouf will heute eine Initiative für mehr Preisstabilität starten.

Proteste auch aus Hunger

Im Norden Afrikas begehren die Menschen nicht nur gegen autoritäre Regime auf. Sie demonstrieren auch gegen Hunger und Armut. In Algerien kam es zu gewaltsamen Protesten, weil die Preise für einige Nahrungsmittel seit Jahresbeginn um 30 Prozent gestiegen waren. In Libyen sorgte Revolutionsführer Gaddafi vor und hob im Januar sämtliche Steuern und Zölle auf Lebensmittel auf.

Die steigenden Weltmarktpreise spürt man eben besonders stark in dieser Region, sagt Abdolreza Abbassian von der Welternährungsorganisation FAO: "Es gibt tatsächlich eine Inflation der Nahrungsmittelpreise in diesen Länder, weil sie fast alle Importeure sind und ihren Bedarf kaum aus eigener Produktion decken können. Die Regierungen sind also zu Recht besorgt. Denn das ist das letzte, was sie wollen angesichts all der politischen Probleme: dass die Menschen sich über die Nahrungsmittelpreise beschweren."

Arme Länder besonders von Preisschwankungen betroffen

Zwischen Dezember 2010 und Januar 2011sind die Nahrungsmittelpreise förmlich explodiert. In manchen Regionen spürt man das mehr, wie zum Beispiel im Nahen Osten oder im Norden Afrikas, in manchen weniger. In den reichen Industrienationen fallen solche Preisschwankungen kaum ins Gewicht, weil hier nur ein geringer Teil des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben wird.

In den ärmsten Ländern, in denen die Menschen 80 Prozent ihres Geldes und mehr für Essen ausgeben, sind selbst kleine Preissteigerungen katastrophal, erklärt Abbassian: "Es ist das Problem, dass wir zunehmend eine Welt von Besitzenden und Nichtbesitzenden haben. Die, die haben, scheinen kaum tangiert zu sein von Preiserhöhungen. Und dann haben wir diese Masse an Menschen, die sich nicht einmal die Hälfte des Preises von heute leisten kann."

FAO: Eine Milliarde Menschen hungern

Hungerndes Kind im Niger
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Die Zahl der Hungernden nähert sich wieder dem Rekordwert von 2007.

Die FAO rechnet zurzeit mit knapp einer Milliarde Hungernden weltweit. Auf diesen Rekordwert ist die Zahl während der letzten Nahrungsmittelkrise in den Jahren 2007/2008 gestiegen. Auch damals gab es extrem hohe Lebensmittelpreise, auch damals gab es, vor allem in Afrika und der Karibik, Hungerrevolten, so Abbassian: "Die Preise im Januar übersteigen sogar die Spitzenwerte vom Juni 2008. Und das ist natürlich ein psychologisches Signal - aber mehr auch nicht, denn hohe Preise haben nicht automatisch eine Krise zur Folge."

Auswirkungen des Weltmarkts nicht überall gleich spürbar

Der FAO-Experte mag keine Panik schüren, keine Krise künstlich herbei reden. Weite Teile Afrikas zum Beispiel bekämen die hohen Weltmarktpreise kaum zu spüren, weil man hier überdurchschnittlich gute Ernten verzeichnete, die heimische Nachfrage also mit heimischen Lebensmitteln bedienen kann.

Anders sah das zum Beispiel in Pakistan nach der Flutkatastrophe aus, in Russland nach den verheerenden Waldbränden, oder in Nordamerika nach Missernten: "Wir hatten eine ganze Hand voll unvorhersehbarer Wetterereignisse, die dafür sorgten, dass die Ernten nicht katastrophal, aber eben nicht ganz so gut ausfielen wie erwartet. Und wie in jedem anderen Markt haben sie Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage steigt und das Angebot muss das erreichen."

Einzelne Missernten sollen nicht mehr zur Katastrophe führen

Zerstörtes Maisfeld in Ghana
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Vorratshaltung soll helfen, Missernten auszugleichen.

Der FAO-Generaldirektor Diouf will heute eine Initiative für mehr Preisstabilität starten, damit vergleichsweise kleine Ernteausfälle nicht mehr unverhältnismäßig hohe Preise zur Folge haben. Um die Märkte besser unter Kontrolle zu haben, wird bei der Welternährungsorganisation daran gedacht, wieder mehr auf Vorratshaltung zu setzen. Früher, so FAO-Experte Abassian, hätten hohe Getreidebestände solch massive Preisschwankungen verhindert.

Stand: 04.02.2011 05:07 Uhr

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