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Bericht an US-Kongress Facebook-Werbung, die wohl aus Russland kam

Stand: 03.10.2017 10:04 Uhr

Hat Russland Einfluss auf die US-Wahl genommen? Dieser Vorwurf steht nach wie vor im Raum. Auch Facebook ist dem nachgegangen und kommt zumindest zu dem Schluss: Zehn Millionen Nutzer haben politische Anzeigen gesehen, die mutmaßlich aus Russland finanziert wurden.

Der Internetkonzern Facebook schätzt, dass rund zehn Millionen Nutzer politische Anzeigen online gesehen haben, hinter denen möglicherweise russische Auftraggeber standen. Das teilte Kommunikationschef Elliot Schrage in einem Blogeintrag mit. 44 Prozent der Anzeigen seien vor der Präsidentenwahl am 8. November 2016 gesehen worden, 56 Prozent erst danach.

Die internen Ermittlungen dauerten an, schrieb Schrage. "Wir suchen weiter nach Missbrauch und Übeltätern auf unserer Plattform."

Waffenbesitz, Einwanderung, Rechte von Schwulen und Lesben

Facebook hatte bereits im September erklärt, dass in den Monaten vor und nach der Wahl 2016 etwa 3000 Anzeigen mit polarisierenden Inhalten geschaltet worden seien. Die Auftraggeber säßen vermutlich in Russland. Seitdem werden in den USA Forderungen laut, Firmen wie Facebook strenger zu regulieren.

In der aktuellen Stellungnahme heißt es jetzt, die Werbeanzeigen hätten sich auf umstrittene Themen wie Waffenbesitz, Einwanderung und die Rechte von Lesben und Schwulen konzentriert. In vielen Fällen hätten die Anzeigen die Nutzer dazu aufgefordert, Facebook-Seiten mit entsprechenden Ansichten zu liken und zu abonnieren.

In Rubel bezahlt

Die Werbeanzeigen spiegelten "politische Botschaften mit einem weiten ideologischen Spektrum" wider, erklärte Schrage. Für 99 Prozent der Anzeigen seien jeweils weniger als 1000 Dollar (etwa 854 Euro) bezahlt worden. Weniger als die Hälfte der Anzeigen sei vor der Wahl veröffentlicht worden, 56 Prozent nach der Abstimmung. Für manche der Werbeanzeigen sei mit der russischen Währung Rubel bezahlt worden, sagte Schrage.

Facebook hatte am Montag den Inhalt von Tausenden Werbeanzeigen drei Kongressausschüssen offengelegt, die wegen der Wahleinmischung Russlands ermitteln. Das Unternehmen hatte ähnliches Material bereits auch dem Sonderermittler Robert Mueller übergeben.

Drei Kongressausschüsse und ein Sonderermittler

Die drei Kongressausschüsse untersuchen eine russische Einmischung in die Wahl und ob es irgendwelche Verbindungen zur Kampagne von Präsident Donald Trump gibt. Sie konzentrierten sich in jüngerer Zeit auf die Verbreitung falscher Nachrichtenstorys und Propaganda in sozialen Medien. Der Kurznachrichtendienst Twitter teilte vergangene Woche mit, er habe 22 Konten ausgesetzt, die mit den 450 Facebook-Konten korrespondierten.

Nach Einschätzung der US-Geheimdienste beeinflusste die russische Regierung die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Die Regierung in Moskau wies dies stets zurück. US-Präsident Trump erklärte, es habe keine Kooperation zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gegeben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Oktober 2017 um 10:00 Uhr.

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