Handy in Vietnam mit der Facebook-App | Bildquelle: dpa

Zuckerberg reagiert auf gefälschte News Facebook oder Fakebook?

Stand: 20.11.2016 00:30 Uhr

Gerade vor der US-Wahl wurden via Facebook teils abstruse Falschmeldungen verbreitet. Weil das die Wahl beeinflusst haben könnte, wird der Druck auf Facebook größer, endlich etwas gegen gefälschte Nachrichten zu tun. Nach langem Abwiegeln reagiert der Konzern nun.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Die Kritik an den gefälschten Nachrichten konnte Mark Zuckerberg nun doch nicht länger abtun. In einem Statement reagierte der Facebook-Chef auf die Vorwürfe, dass über das soziale Netzwerk Lügen und Halbwahrheiten millionenfach geteilt werden - und möglicherweise auch zu Donald Trumps Wahlsieg beigetragen haben könnten. Gemeint sind Seiten wie "USA Newsflash", die offenbar von Jugendlichen aus Mazedonien betrieben wird und die hunderte teils abstruse "fake news" - Falschmeldungen - während der US-Wahl auf Facebook verbreiteten.

Auf Facebook schreibt Zuckerberg nun:

"Normalerweise veröffentlichen wir keine Einzelheiten über laufende Projekte. Aber in Anbetracht der Wichtigkeit des Themas und des großen Interesses möchte ich einige Projekte skizzieren, die bereits im Gange sind. Das Wichtigste, was der Konzern tun kann, ist, seine Fähigkeiten zu verbessern, Fehlinformationen als solche zu erkennen. Das bedeutet, dass wir bessere technische Systeme brauchen, die Inhalte bereits als falsch zu erkennen, bevor Nutzer sie als Falschmeldung melden."

Engere Zusammenarbeit mit Faktencheck-Seiten

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg | Bildquelle: AP
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Verspricht Maßnahmen, die gegen gefälschte Nachrichten helfen sollen: Facebook-Chef Zuckerberg.

Konkret überarbeitet werden soll zum Beispiel eine Funktion, die Nutzern ähnliche Inhalte zu einem Artikel anzeigt, den sie gelesen haben. Außerdem wolle der Konzern enger mit Journalisten und Faktencheck-Seiten zusammenarbeiten. Zudem soll es kommerziellen Anbietern von Falschmeldungsseiten deutlich erschwert werden, ihre Inhalte zu verbreiten.

Es ist nicht das erste Mal, das Zuckerberg auf die Vorwürfe wegen gefälschter Nachrichten reagiert. In einem ersten Statement hatte er noch die Macht seines Netzwerkes klein geredet und es eine "ziemlich verrückte Idee" genannt, dass das soziale Netzwerk in irgendeiner Weise den Ausgang der US-Wahl beeinflusst hätte.

"Das ist eine Rolle, die sie nicht wollen"

"Facebook versteht sich selbst nicht als Medienunternehmen", sagt  Antonio Garcia-Martinez. Er selbst hat für Facebook gearbeitet, ist dann aus dem Unternehmen ausgestiegen und hat darüber ein Buch geschrieben. "Das ist eine Rolle, die sie nicht wollen, sie wollen sich nicht auf eine politische Seite stellen. Sie heben die Hände hoch und sagen lieber: die Dinge die du siehst basieren auf einem Algorithmus. Aber ich glaube, dass diese Entschuldigung sich nicht mehr lange halten wird."

Zumal Martinez betont, dass es in Washington D.C. ein eigenes Politikteam von Facebook gebe. "Sie versuchen dort den Politik-Werbeteams zu verkaufen, dass man die Leute beeinflussen kann. Und dann sagt Zuckerberg, wir haben keine Macht, das ist sehr widersprüchlich."

Zuckerberg: Manches wird funktionieren, manches nicht

Offenbar hatte der noch amtierende Präsident Barack Obama den Ausschlag gegeben, dass sich Zuckerberg dann nochmal zu Wort meldete und einräumte, dass doch mehr gegen Falschmeldungen getan werden müsse. Auf seiner Deutschlandreise hatte Obama gesagt, dass es ein großes Problem sei, wenn man nicht zwischen echten Argumenten und Propaganda unterscheiden könne.

Zuckerberg schloss sein Statement mit einer Einschränkung: Manche Ideen würden funktionieren, schrieb er, manche nicht. Aber er versichere, dass man das Thema ernst nehme und das richtig angehen wolle.

Facebook oder Fakebook? Mark Zuckerberg reagiert auf Falschnachrichten
K. Wilhelm, ARD Los Angeles
20.11.2016 00:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 20. November 2016 um 18:30 Uhr.

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