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Nach Daten-Skandal Facebook als Bezahlangebot?

Stand: 11.04.2018 09:38 Uhr

Mark Zuckerberg beteuert, es werde immer eine kostenlose Facebook-Version geben. Das lässt Raum für Spekulationen: Kommt zusätzlich eine Bezahlversion?

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Los Angeles

Die Idee ist nicht neu, und sie stammt nicht von Mark Zuckerberg. Datenschützer haben schon vor Jahren vorgeschlagen, Facebook solle sich nicht durch Werbung, sondern durch Abogebühren finanzieren. Für Facebook war das aber nie ein Thema. Bis jetzt. Oder genauer: bis letzte Woche.

Facebook-Vizechefin Sheryl Sandberg | Bildquelle: AFP
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Für Facebooks Vize-Chefin Sandberg wäre ein werbefreies Facebook nur gegen Bezahlung möglich.

Da wurde Facebook Operativ-Chefin Sheryl Sandberg im NBC-Interview gefragt, ob der User bei Facebook komplett verhindern könne, dass seine Daten weitergegeben werden. "Wir haben verschiedene Opt-Out-Möglichkeiten, aber kein vollständiges Opt-Out", gibt Sandberg zu. "Das wäre ein Bezahlprodukt."

Günstiger als Netflix

Mit der Betonung auf dem Konjunktiv. Ein konkretes Angebot gab und gibt es nicht. Fachleute haben aber bereits durchgerechnet, wie teuer ein werbefreier Facebook-Zugang sein müsste. Stand heute: In den USA verdient Facebook mit jedem User etwa sieben US-Dollar pro Monat. Ein Facebook-Abo könnte damit in den USA weniger kosten, als zum Beispiel Netflix oder Amazon Prime. Die kosten elf, beziehungsweise 13 US-Dollar im Monat.

Ja, es gebe Leute, die so etwas vorschlagen, sagte Zuckerberg vor dem US-Kongress, nachdem ihn ein Senator konkret darauf angesprochen hatte. "Das sind bestimmt vernünftige Gedanken", meinte Zuckerberg. "Aber am Ende ist die werbefinanzierte Variante die beste, glaube ich."

Bereitschaft zum Zahlen eher gering

Eine klare Aussage vor dem Hintergrund, dass rund zwei Drittel der Amerikaner keine personalisierte oder sogar überhaupt keine Werbung sehen wollen. Andererseits: Eine - nicht repräsentative - Umfrage der "Washington Post" zeigt, dass nicht mal jeder fünfte User sieben US-Dollar zahlen würde. Und überhaupt etwas für Facebook zu zahlen, das konnten sich nur 40 Prozent der Umfrageteilnehmer vorstellen.

Zuckerberg hat offensichtlich Recht, wenn er sagt, den Leuten würde es gefallen, wenn sie für einen Service nicht zahlen müssten. Viele Menschen in der Welt könnten sich so einen Bezahlzugang auch gar nicht leisten. Und denen ermögliche das werbefinanzierte Modell erst, an der weltweiten Kommunikation teilzuhaben.

Ein Argument, das nicht falsch ist. Wahr ist aber auch, dass Facebook-Aktien auch deshalb gefragt sind, weil Analysten glauben, dass die Werbeeinahmen für die Firma immer gigantischer werden. So oder so - es sieht nicht so aus, als ob morgen oder in einer Woche eine Bezahlvariante von Facebook käme. Im Übrigen meinten 40 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage der "Washington Post", eigentlich müssten sie Geld von Facebook bekommen.

Facebook: Kommt die werbefreie Bezahlversion?
R. Spiegelhauer, ARD Los Angeles
11.04.2018 08:43 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 11. April 2018 NDR Info um 09:15 Uhr in den Nachrichten, tagesschau24 um 11:00 Uhr und MDR aktuell um 13:10 Uhr.

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