Expo 2015 in Mailand | Bildquelle: picture alliance

Baubeginn für deutschen Expo-Pavillon Weltausstellung im Schatten der Mafia

Stand: 02.04.2014 12:03 Uhr

50 Millionen Euro lässt sich Deutschland seinen Pavillon bei der Expo 2015 in Mailand kosten, dessen Bau heute starten soll. Italien will sich ab 1. Mai kommenden Jahres als professioneller und respektabler Gastgeber präsentieren. Doch bisher überwiegen Negativ-Schlagzeilen. Die Bauarbeiten sind im Rückstand. Und die Gefahr droht, dass diese Schau von Korruption und organisierter Kriminalität überschattet wird.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Italien will sich bei der Weltausstellung in Mailand von seiner besten Seite zeigen. Matteo Renzi, der junge, ehrgeizige Premier, will mit dieser Schau beweisen, dass Italien trotz schwacher Wirtschaftsdaten immer noch zu den Großen in der Welt zählt.

Der Besuch von US-Präsident Barack Obama in der vergangenen Woche war eine ideale Gelegenheit, um solche Ansprüche zu verkünden: "Die Expo im nächsten Jahr ist ganz wichtig. Die Werte, die mit Essen, Umwelt und Innovation zu tun haben, sind Teil unseres alltäglichen Lebensentwurfs. Eine gute Gelegenheit für Italien, sich in aller Welt zu zeigen."

Die Mafia speist mit

Bei der Expo geht es schwerpunktmäßig um Ernährung. "Feeding the planet" heißt das Motto. Da kennt sich Italien unbestritten gut aus. Doch wie sich im billigsten Klischee der Mafioso zum Teller Spaghetti gesellt, so droht die organisierte Kriminalität auch diese Weltausstellung zu überschatten.

Vor wenigen Wochen wurde der Chef einer regionalen Baugesellschaft wegen Korruptionsverdachts inhaftiert. Die von der Region Lombardei kontrollierte Firma war auch auf der Expo-Baustelle aktiv. Doch deren Chef Giuseppe Sala erklärte umgehend, auf der Baustelle sei alles in Ordnung. "Bis heute hat es keine Verfahren gegen die Expo gegeben. Davon abgesehen, hat es überhaupt keinen Sinn, so eine erfolgreiche Veranstaltung mit 20 Millionen Besuchern zu organisieren, wenn man keine Legalität garantieren kann."

Zertifikat "mafiafrei"

In der Tat unternimmt die Expo alles, um jeden Verdacht der Korruption oder Mafia-Infiltration zu vermeiden. Dazu wurde eine Legalitätsvereinbarung abgeschlossen.

Alle beteiligten Baufirmen müssen zertifiziert mafiafrei sein. Die Baustellen werden ständig kontrolliert. Mit negativem Resultat: Bei 7200 Kontrollen gab es keine einzige Unregelmäßigkeit, geschweige denn eine Anzeige. Sorgen machen den Veranstaltern die Aussteller aus dem Ausland, die die strengen Auflagen der Vereinbarung nicht beachten müssen.

David Gentili ist Vorsitzender des Antimafiaauschusses des Stadtrats von Mailand. Er sagt: "Die Expo 2015 soll sich bei den Ländern, die in Pavillons investieren, für die Legalitätsvereinbarung einsetzen. Es sind 142 Länder, nicht alle werden einen eigenen Pavillon haben. Aber nach den Zahlen der vergangenen Monate wird Deutschland 50 Millionen Euro investieren. Wenn die Mehrzahl der Länder diese Summen investiert, sprechen wir von zwei, drei Milliarden Euro, die in Mailand und der Lombardei investiert werden."

Expo 2015 in Mailand - Entwurf des Deutschen Pavillons | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Entwurf des Deutschen Pavillons für die Expo in Mailand. Deutschland präsentiert sich als lebendige, fruchtbare "Landschaft" mit Ideen für die Ernährung der Zukunft. Der Pavillon macht erlebbar, wie bedeutsam ein wertschätzender Umgang mit der Natur für die Nahrungssicherung ist. Auf Feldern sollen Pflanzen als "Ideenkeimlinge" gedeihen.

Norditalien - eine Goldgrube für Mafiosi

Die organisierte Kriminalität ist schon lange auch im Norden Italiens aktiv. Hier verdient sie die Gelder, die im armen Süden nicht mehr zu holen sind. Nicht nur mit Drogen, Waffen und Erpressung. Die Mafia im Norden baut Straßen, verkauft Immobilien, gewährt Kredite - ein Milliardengeschäft.

"Bei der Expo passen wir deshalb besonders auf", sagt der Präsident der Region Lombardei, Roberto Maroni. "Wir haben in der Lombardei auf den Baustellen ein Kontrollgremium. Die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und dem Polizeipräsidium läuft hervorragend. Die Institutionen müssen sich zu höchster Aufmerksamkeit verpflichten, damit die Expo 'mafiafrei' bleibt."

Korrupte Politiker

Doch es gibt eine Schwachstelle im System: die Politik. Viele Mafiageschäfte wären nicht möglich, wenn nicht korrupte Kommunal- oder Regionalpolitiker auf der anderen Seite des Tisches sitzen würden.

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