Eingang des Eurotunnels auf französischer Seite.  | Bildquelle: dpa

Personen auf den Gleisen Eurostar-Verkehr zeitweise lahmgelegt

Stand: 02.09.2015 05:30 Uhr

Im Eurotunnel ist in der Nacht der Verkehr zeitweise zum Erliegen gekommen, weil mutmaßlich Flüchtlinge auf den Schienen umherliefen. Hunderte Eurostar-Passagiere saßen stundenlang fest. Insgesamt konnten fünf Züge nicht in den Tunnel einfahren.

Hunderte Eurostar-Passagiere haben in der Nacht zu Mittwoch stundenlang festgesessen, weil Flüchtlinge auf die Schnellzüge klettern und so durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien gelangen wollten. Insgesamt fünf Züge konnten nicht in den Tunnel einfahren - einer von britischer Seite und vier von französischer, wie das Unternehmen mitteilte. Drei der Züge seien am frühen Mittwochmorgen nach London weitergefahren, teilte der Zugbetreiber Eurostar per Twitter mit. Die beiden anderen seien zu ihrem jeweiligen Startbahnhof in Paris und London zurückgekehrt.

Passagiere beschrieben die Bedingungen in den Zügen als unerträglich. Eine Reisende berichtete davon, dass ihr Zug von Paris nach London fast vier Stunden am Tunneleingang habe warten müssen. "Jetzt gibt es keinen Strom mehr und wir sitzen im Dunkeln", sagte die Frau.

Eurostar spricht von "Eindringlingen"

Am späten Dienstagabend hatte Eurostar mitgeteilt, dass die Züge angehalten worden seien. Die Behörden seien "mit Eindringlingen zugange", die auf den Gleisen am Bahnhof im französischen Calais gesichtet worden seien. Die Züge müssten warten, bis die Menschen von den Gleisen entfernt worden seien, teilte Eurostar mit.

Eurostar @Eurostar
Trains are waiting to enter the tunnel as trespassers are on the tracks at Calais, the authorities are on site to help. Updates to follow.

Medienberichten zufolge waren es Flüchtlinge, die - wie Tausende vor ihnen - versuchten, durch den Tunnel nach Großbritannien zu gelangen. In einem der Züge nach London, der nur gut eineinhalb Kilometer vor der Tunneleinfahrt bei Calais halten musste, wurden die Fahrgäste aufgefordert, sehr leise zu sein. Sie sollten auf Geräusche von Menschen achten, die versuchten, auf das Dach des Zuges zu klettern. Ein Hubschrauber überflog den Zug und suchte ihn mit einem Scheinwerfer ab. Sicherheitsleute überprüften die Gleise. Entdeckt haben sie offenbar niemanden.

"Irgendwo in der Kälte auf dem Bahnsteig zurückgelassen"

Die Passagiere saßen fast vier Stunden in dem Zug fest - im Dunkeln und in immer größerer Hitze. Der Strom war abgeschaltet. Dann beorderte Eurostar den Zug nach Calais zurück. Wer versuchte, den Bahnhof zu verlassen und die Reise nach Großbritannien per Fähre fortzusetzen, wurde von der französischen Polizei daran gehindert: Die Zoll- und Einreisebestimmungen erforderten es, dass die Passagiere nach Paris zurückführen. Dann allerdings teilte Eurostar mit, dieser Zug könne nicht genutzt werden, um die Fahrgäste nach Paris zu bringen, man suche nach Alternativen. Ein Passagier empörte sich: "Wir wurden irgendwo in der Kälte auf einem Bahnsteig zurückgelassen - ohne jede Information. Um vier Uhr früh, mitten im Nirgendwo!"

Im französischen Calais versuchen tausende Migranten - die meisten von ihnen aus Afrika - auf Züge oder Schiffe zu gelangen und den Ärmelkanal zu überqueren, um in Großbritannien ein neues Leben zu beginnen. Um den Flüchtlingsstrom zu stoppen, hatten die Innenminister beider Länder am Donnerstag vereinbart, die Kontrollen nochmals erheblich zu verschärfen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. September 2015 um 09:15 Uhr.

Darstellung: