Endlagersuche weltweit Wie andere Länder mit Atommüll umgehen

Stand: 03.02.2012 16:28 Uhr

Die Entsorgung von Atommüll ist nicht nur in Deutschland ein heikles Thema. Denn allein in der Europäischen Union betreiben 14 Staaten etwa 140 Kernkraftwerke - weltweit sind es mehr als 400. Doch kein einziges Land besitzt ein Endlager. Einige wenige Staaten haben sich die Lösung des Problems aber zumindest auf die Fahnen geschrieben und die EU-Staaten verpflichteten sich zu nationalen Programmvorschlägen bis 2015. Ein Überblick über bestehende Pläne.

Das im Bau befindliche Atomkraftwerk in Olkiluoto | Bildquelle: dpa
galerie

Finnland praktiziert die Insellösung: Auf Olkiluoto entsteht das dritte Atomkraftwerk - dort soll auch das Endlager gebaut werden.

Finnland ist das erste Land, das den Bau eines Endlagers beschlossen hat. Als Standort wählte die Regierung die Insel Olkiluoto an der Westküste aus. Dort gibt es zwei Atomkraftwerke, ein drittes befindet sich im Bau. Für schwach bis mittel radioaktiven Müll existiert vor Ort schon ein Endlager. Ob sich das vorhandene Granitgestein auch für die Entsorgung abgebrannter Brennstäbe eignet, wird derzeit noch untersucht. Baubeginn soll 2015 sein. Widerstand seitens der Bevölkerung ist praktisch kaum vorhanden: Der zuständige Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit für das Projekt; massive Proteste blieben aus.

Auch in Schweden ist die Standortfrage entschieden. Dort soll bei Östhammar im Osten des Landes ein Endlager entstehen - ebenfalls in der Nähe eines bereits bestehenden Atomkraftwerks und eingebettet in Granitgestein. Es soll nach 2022 in Betrieb genommen werden und für mindestens 100.000 Jahre nuklearen Müll aufnehmen. Allerdings gibt es dort beim bereits bestehenden Lager für schwach bis mittelradioaktive Abfälle schon nach 20 Betriebsjahren Probleme: Es wurde aufgrund eines undichten Behälters kontaminiert, und es dringt Wasser ein - täglich müssen mehrere Hundert Liter abgepumpt werden. Widerstand gegen den Bau eines Endlagers für hoch radioaktive Abfälle gab es trotzdem keinen - im Gegenteil: Die Bevölkerung erhofft sich neue Arbeitsplätze.

Atommüll-Endlagerung ohne Protest in Schweden
A. Breitschuh, ARD Stockholm
02.11.2010 15:15 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Auch Frankreich ist in Sachen Endlagersuche bereits aktiv geworden. Das Land produziert fast 75 Prozent seines Stroms in Atomkraftwerken - entsprechend groß ist die Atommüllmenge. Derzeit wird die Einlagerung von abgebrannten Brennstäben im lothringischen Bure erforscht - einer dünn besiedelten Region am Rande der Champagne. Von 2025 an soll dann der hoch radioaktive Abfall 500 Meter tief in einer Lehmschicht eingelagert werden. Alternative Standorte in der Bretagne und im Zentralmassiv wurden nach großen Protesten seitens der Bevölkerung aufgegeben.

In Großbritannien wird hoch und niedrig strahlender Atommüll an mehreren Stellen vorübergehend überirdisch gelagert - vor allem in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. In Wales wurde ein altes Kernkraftwerk in ein Zwischenlager für mehr als 300 Müllbehälter umgebaut. Sie sollen dort bis 2096 bleiben. Als Endlagerstandort haben sich nur zwei von 13 Gemeinden freiwillig zur Verfügung gestellt - trotz großzügiger finanzieller Anreize. Die Umsetzung kann frühestens 2050 erfolgen.

Die Schweiz strebt ein Atomendlager in Tongestein an. 2008 benannte die zuständige Bundesbehörde sechs mögliche Regionen. Drei von ihnen kämen auch für die Lagerung von hoch radioaktivem Müll in Frage. Da sie in der Nähe zu Deutschland liegen, wurde ein deutsches Expertengremium hinzugezogen. Einen Beschluss gibt es aber noch nicht. Da dieser durch einen Volksentscheid wieder aufgehoben werden könnte, bemüht sich die Regierung bereits jetzt um ein demokratisches Verfahren. Denn wie in Deutschland gibt es in der Schweiz eine starke Anti-Atomkraft-Bewegung.

US-Präsident Barack Obama | Bildquelle: AP
galerie

Stoppte die bisherigen Endlager-Forschungen im Yucca-Gebirge: US-Präsident Obama

Mit mehr als 100 Kernkraftwerken verfügen die USA über das weltweit größte Atomprogramm. Seit 1978 wurde dort die Endlagerung im abgelegenen Yucca-Gebirge im Wüstenstaat Nevada geprüft. 2011 sollte eigentlich mit der Einlagerung begonnen werden. Doch das Bundesgericht rügte die Sicherheitsgarantie von 10.000 Jahren als zu kurz und forderte einen Nachweis für eine Million Jahre. Daraufhin stoppte US-Präsident Barack Obama das Projekt. Jetzt soll ein Ausschuss Alternativen prüfen. Der atomare Müll wird derzeit an Dutzenden Standorten im ganzen Land zwischengelagert.

In Russland stammen viele der Atommüll-Deponien aus den 1950er und 1960er Jahren. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es zwar ein Programm zur Modernisierung dieser vorübergehenden Lagerstätten, doch die Sicherheits- und Umweltstandards erfüllen auch weiterhin nicht die aktuellen Anforderungen. Dennoch beschloss das russische Parlament 2001, auch Atommüll aus dem Ausland anzunehmen. Inzwischen prüft Moskau Standorte für den Bau eines modernen Endlagers.

China lagert abgebrannte Brennelemente bislang in regionalen Zwischenlagern. Außerdem wird der Atommüll wiederaufbereitet. Für die Endlagerung von hoch radioaktivem Müll strebt das Land eine unterirdische Lösung an. In den 1980er Jahren fand eine erste Standortbewertung statt. Ein Standort in der Wüste Gobi scheint derzeit am wahrscheinlichsten. Das Gestein, in dem der Müll versenkt werden könnte, ist Granit.

Zusammengestellt von Sonja Stamm, tagesschau.de

Darstellung: