Libysche Küste bei Misrata | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ausbildung libyscher Küstenwache Die EU bittet zum Training

Stand: 25.10.2016 04:49 Uhr

Eigentlich sollte das EU-Training der libyschen Küstenschützer längst begonnen haben. Doch die Sicherheitsüberprüfung der ersten Auszubildenden dauerte deutlich länger als geplant. Nach Informationen des ARD-Studios Brüssel soll es nun morgen endlich losgehen.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Dem ursprünglichen Plan zufolge sollte das Training der Küstenschützer längst in vollem Gange sein. Doch der EU-Terminkalender geriet erheblich durcheinander, weil die Behörden in Libyen viel länger für die Zusammenstellung einer Liste der ersten rund 80 Auszubildenden brauchten als vorgesehen. Das Training beginnt nun mit fast einmonatiger Verspätung.

Die Namensliste der ersten Rekruten war deshalb wichtig, weil die zunächst eine Sicherheitsprüfung durchlaufen mussten, um auszuschließen, dass sich Kämpfer der Terrormiliz "Islamischen Staat" unter die Auszubildenden mischen. Dieser Durchleuchtungsprozess ist nun abgeschlossen, wie Diplomaten dem ARD-Hörfunk bestätigen. Morgen soll die erste Trainingseinheit stattfinden, und zwar auf hoher See im Mittelmeer, zunächst auf einem italienischen Schiff. Auch die deutsche Marine wird sich schon bald an der Ausbildung der libyschen Küstenschützer beteiligen.

Neue Küstenwache soll Flüchtlingszahlen reduzieren

Die Zahl der Flüchtlinge, die über die sogenannte "zentrale Mittelmeer-Route" Europa zu erreichen versuchen, ist unvermindert hoch. Die meisten von ihnen starten ihre oft lebensgefährliche Überfahrt vom zerrütteten Bürgerkriegsland Libyen aus. Das soll die neue Küstenwache zu verhindern helfen.

Bis zum Frühjahr 2017 soll die Ausbildung weitgehend beendet sein. Bis dahin erwartet die EU dann auch, wie ein hochrangiger Offizieller unlängst bekannt gab, einen Rückgang der Flüchtlingszahlen aus dem Bürgerkriegsland.

Die libysche Küstenwache war zuletzt in die Kritik geraten: Eine Hilfsorganisation warf den Sicherheitskräften vor, ein Schlauchboot mit 150 Menschen an Bord angegriffen und zum Kentern gebracht zu haben. Dabei seien auch vier Migranten ertrunken. Libyens Marine wies die Vorwürfe zurück.

Vor wenigen Wochen hatte die EU beschlossen, ihrer Militärmission im Mittelmeer mit dem Namen "Sophia" mehr Muskeln zu verleihen: Zur Ausweitung gehört auch das Training der libyschen Küstenwache.

Dieser Beitrag lief am 25. Oktober 2016 um 05:26 Uhr im Deutschlandfunk.

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