Plastikabfall im Abfalleimer | Bildquelle: picture alliance / Alexander Hei

Kampf gegen Plastikmüll "Ein radikaler Anfang"

Stand: 28.05.2018 12:09 Uhr

Die Grünen loben die EU-Pläne für das Verbot von Einwegplastik wie Strohhalmen oder Besteck. Umweltministerin Schulze auch - ein generelles Plastikverbot hingegen lehnt sie ab.

Die EU-Kommission hat ihre Pläne zum Verbot von Wegwerfartikeln wie Plastikgeschirr, Strohhalmen, Wattestäbchen oder Ballonhaltern vorgestellt. Ziel ist die Eindämmung von Plastikmüll in der Umwelt und vor allem in den Weltmeeren. Die Kommission plant dazu eine Richtlinie.

"Plastikmüll ist ohne Zweifel ein großes Thema, und die Europäer müssen dieses Problem zusammen angehen", erklärte Vizepräsident Frans Timmermans. Einmalplastik im Angebot der Supermärkte werde durch die Vorschläge deutlich verringert. Die künftig verbotenen Produkte würden durch sauberere Alternativen ersetzt.

Die Verabschiedung und Umsetzung dürfte Jahre dauern. Dem Plan zufolge nimmt die Kommission die zehn Produkte besonders ins Visier, die den größten Teil des Plastikmülls an Stränden ausmachen.

Neben den Verboten sieht der Entwurf eine Beteiligung von Herstellern bestimmter Wegwerfartikel an den Kosten für Umweltsäuberung und Informationskampagnen vor. Für alle EU-Staaten soll die Zielmarke gelten, bis 2025 mindestens 90 Prozent der Plastikgetränkeflaschen zur Verwertung zu sammeln.

"Plastik mittelfristig verbieten"

Haushaltskommissar Günther Oettinger verteidigte den europäischen Ansatz zur Verminderung von Plastikmüll: "Dort, wo es Ersatzprodukte mit Materialien gibt, die umweltverträglich sind, die man leichter recyclen kann, wollen wir Plastik mittelfristig verbieten. Dort, wo wir keine Ersatzprodukte haben, wollen wir die Mitgliedsstaaten bitten, die Menge, die anfällt und nicht recyclebar ist, Jahr für Jahr deutlich zu verringern", so Oettinger im SWR.

Die EU sei der richtige Rahmen, um gegen Plastik-Strohhalme, Einweg-Geschirr oder Wattestäbchen vorzugehen: "Man kann nicht in Frankreich Plastik verbieten, in Deutschland erlauben - oder umgekehrt!"

"Tut was gegen die wachsenden Plastikabfälle"

Er gab sich optimistisch hinsichtlich der notwendigen Zustimmung der EU-Staaten: "Wir haben von vielen Mitgliedsstaaten, von vielen Umweltverbänden und Umweltbehörden die Klage gehört: Tut was gegen die wachsenden Plastikabfälle im Meer, den Gewässern und in der Natur! Deswegen dieser Vorschlag, der am besten einheitlich europäisch geht."

Oettinger verwies auf die Erfolge bei Plastiktüten, deren Aufkommen durch Gegenmaßnahmen deutlich reduziert worden sei. „Wir glauben, dass wir diesem zentralen neuen Umweltproblem damit Rechnung tragen: Plastik im Meer, in Gewässern und in der Natur ist eine große Gefahr für die Tierwelt, aber auch für Menschen und die Nahrungskette.“

"Es ist ein radikaler Anfang"

Der Parteivorsitzende der Grünen, Robert Habeck, lobte das geplante Verbot im SWR. Habeck sagte, das Verbot müsse man jetzt als Anfang deklarieren, es reiche natürlich nicht. Wenn man sich die Situation in den Weltmeeren, aber auch in der Umwelt anschaue, habe man gravierende Probleme vor allem mit Verpackungsmüll, aber: "Es ist mal ein Anfang, es ist ein radikaler Anfang, dafür, dass ja Verbote das Unwort des Jahrhunderts sind," so Habeck.

Habeck, der noch Umweltminister in Schleswig-Holstein ist, sagte, die Menschheit habe nicht darauf gewartet, "dass wir unseren in unserem Coffee-to-go-Becher mit Plastikstäbchen umrühren, die wir dann wegwerfen, deswegen finde ich das sehr gut und sehr konsequent, dass die EU so vorgeht und ich hoffe, die Bundesregierung fällt ihr mal ausnahmsweise nicht in den Arm."

Kein generelles Plastikverbot

"Es geht so nicht weiter, wir müssen Plastik zurückdrängen", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze im ARD-Morgenmagazin. Der EU-Vorschlag sei eher zu schwach, da man weniger Wegwerf-Plastik brauche, so die SPD-Politikerin weiter.

Sie sprach sich dafür aus, bereits bei den Plastikherstellern anzusetzen. "Unser Verpackungsgesetz sagt, da wird nach ökologischem Fußabdruck bepreist. Das finde ich den richtigen Weg." Für ein generelles Plastikverbot sei Schulze nicht, denn man brauche Plastik in der Medizin oder in Windkraftanlagen. "Kunststoff an sich ist ein sehr wertvoller Stoff", so Schulze.

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EU-Kommission will gegen Plastikmüll vorgehen
Günther Oettinger, EU-Haushaltskommissar
28.05.2018 09:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 28. Mai 2018 um 07:12 Uhr.

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