Sigmar Gabriel spricht am Rednerpult. | Bildquelle: AFP

Außenminister Gabriel in Athen Kein Wort über den hohen Schuldenberg

Stand: 23.03.2017 18:16 Uhr

Schulden? Welche Schulden? Die prekäre Finanzlage Griechenlands spielte beim Besuch von Außenminister Gabriel kaum eine Rolle. Die Flüchtlinge waren Thema, hier müsse die EU mehr helfen - und dafür dürfe man auch von Athen ungeliebte Partner nicht verlieren.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

"Es geht noch höher", sagte der Mitarbeiter der deutschen Botschaft - und damit bat er den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel und seinen griechischen Amtskollegen Nikos Kotzias noch einen Stock hinauf auf die weite, gigantisch große Dachterrasse des Museums für zeitgenössische Kunst in Athen. Schöne Frühlingsbilder sollte es geben beim ersten Besuch Gabriels als deutscher Außenminister: Blauer Himmel, im Hintergrund die Akropolis, in der Ferne dicke Schneehauben auf den höchsten Bergen der Peloponnes.

Ein wenig Lächeln gab es von Gabriel für die Kameras, aber in erster Linie wichtige Botschaften ans griechische Volk. Er habe Respekt für die Disziplin und die Leidensbereitschaft in Sachen Sparen und Reformieren, sagte Gabriel: "Der Respekt gegenüber dem Land und seinen Bürgerinnen und Bürgern ist jedenfalls bei mir und vielen anderen in Deutschland riesengroß."

Keine "Amputationen" in der EU

Kein Wort über den rekordverdächtig hohen Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Euro, der Griechenland weiterhin die Luft zum Durchatmen nimmt. Stattdessen kam vom deutschen Vizekanzler ein weiteres deutliches Wort in Sachen Grexit-Debatte: Der Ausstieg aus der Eurozone müsse für Griechenland endgültig vom Tisch sein. "Die Zeit ist vorbei, in der man darüber reden muss, ob Griechenland der Eurozone angehören kann. Europa wird nicht stärker, indem man sich amputiert", betonte Gabriel.

Eine Botschaft, die gut ankam bei griechischen Journalisten. Der Athener Korrespondent Giorgos Christidis hoffte, dass jetzt die entscheidenden politischen Köpfe in Deutschland mehr und mehr verstehen, dass es sich im Wahljahr nicht länger lohnen kann, sich über Griechenland allzu sehr den Kopf zu zerbrechen. Lösungen aus Deutschland und aus Brüssel mahnte er an.

Gabriels nächster wichtiger Punkt: Die Flüchtlingskrise. Statt Griechenland aus dem Euro zu drängen, müsse Europa in diesem Punkt mehr tun. Die jüngsten Zahlen über Neuankünfte von Migranten auf den griechischen Inseln passen zu diesem Versprechen Gabriels. Täglich kommen seit dieser Woche wieder etwa 100 neue Flüchtende auf den Inseln an.

Die Türkei bleibt Partner - zumindest für Gabriel

Mit Blick auf den derzeit schwierigen Partner in Flüchtlingsfragen - die Türkei - glaubt Gabriel weiterhin, dass das Interesse Ankaras am mit der EU vereinbarten Flüchtlingsabkommen groß ist. Und deshalb müssten alle weiterhin ein starkes Interesse an guten Gesprächen mit der Türkei haben. "Mein Eindruck ist, dass wir in den vergangenen Wochen und Monaten fast schon eine sehnsüchtige Debatte darüber hatten, wann wir endlich sagen können: 'Jetzt sollen wir aber nicht mehr mit den Türken'", sagte der SPD-Politiker.

Doch Deutschland wolle weiter an einem halbwegs normalen Verhältnis zur Türkei arbeiten. Gabriels griechischer Amtskollege schaute dabei ziemlich starr in die hohen Räume seines Ministeriums. Zu sehr ist das Misstrauen gegenüber der Türkei in Griechenland gewachsen, als dass sich ein griechischer Minister über eine deutsche Grußbotschaft an den vernünftigen Teil des türkischen Volkes im Moment freuen könnte.

Außenminister Gabriels Besuch in Griechenland
tagesschau 20:00 Uhr, 23.03.2017, Christian Limpert, ARD Rom, zzt. ARD Athen

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Außenminister Gabriel zu Gast in Athen
M. Lehmann, SWR zzt. Athen
23.03.2017 17:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. März 2017 um 16:00 Uhr.

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