Karte: Die wichtigsten Routen für Migranten mit dem Ziel Europa

Hintergrund Woher die Flüchtlinge kommen

Stand: 21.04.2015 18:32 Uhr

170.000 Menschen sind im vergangenen Jahr über das Mittelmeer geflohen. Sie alle versuchen, Krieg, Vertreibung, Armut und Unterdrückung zu entkommen. Ihre Herkunftsländer stehen für die großen Krisen Afrikas und der arabischen Halbinsel. Woher kommen die Flüchtlinge? Eine Übersicht.

Syrien - 42.000 Flüchtlinge

Aus Syrien kamen 2014 die meisten Flüchtlinge über den Seeweg nach Italien - eine Folge des Bürgerkriegs, der mittlerweile im fünften Jahr tobt. Mehr als 220.000 Menschen sind in dem Konflikt bislang ums Leben gekommen, darunter geschätzt 65.000 Zivilisten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon spricht von der "schlimmsten humanitären Katastrophe unserer Zeit", vier von fünf Bürgern leben in Armut.

Ein Ende der Kämpfe ist nicht abzusehen, alle Vermittlungsbemühungen sind gescheitert. Die Kämpfe werden mit beispielloser Brutalität geführt. Die syrische Luftwaffe wirft über Rebellenstellungen die gefürchteten Fassbomben ab, auch Giftgas wird weiter eingesetzt, wobei unklar ist, von welcher Seite. Millionen Syrer befinden sich auf der Flucht - vor den Kämpfen, aber auch vor den Dschihadisten des "Islamischen Staates", die einen beträchtlichen Teil Syriens unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Eritrea - 34.000 Flüchtlinge

Das Land am Horn von Afrika ist auf dem Kontinent so etwas wie der Inbegriff der Diktatur. Seit der Unabhängigkeit von Äthiopien herrscht Präsident Isaias Afwerki brutal über Eritrea. Eine Opposition und unabhängige Medien gibt es nicht, Andersdenkende verschwinden in Gefängnissen und werden gefoltert. Afwerki hat das Land abriegeln lassen wie Nordkorea, selbst UN-Sondergesandte werden nicht hineingelassen.

Vor allem junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst, den alle Bürger ableisten müssen und der formell 18 Monate dauert - häufig aber um Jahre verlängert wird; Menschenrechtler sprechen von "moderner Sklaverei". Auf dem UN-Entwicklungsindex liegt Eritrea auf Platz 182 von 187 - nur ein Ausdruck für die bittere Armut im Land. Doch auch die Geflüchteten entkommen dem Regime nicht: Die Regierung kassiert von ihnen eine Diaspora-Steuer von zwei Prozent ihres Einkommens.

Karte: Die wichtigsten Routen für Migranten mit dem Ziel Europa
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Die wichtigsten Routen für Migranten mit dem Ziel Europa.

Mali - 9900 Flüchtlinge

Seit dem Ende des französischen Militäreinsatzes im Frühjahr 2013 ist es wieder still geworden um Mali. Dabei ist der Konflikt im Norden des Landes nach wie vor nicht beigelegt. Tuareg-Rebellen hatten sich 2012 nach einem Militärputsch gegen die Zentralregierung in Bamako erhoben und dazu mit Islamisten verbunden. Frankreich schickte daraufhin Soldaten, die später von UN-Blauhelmen abgelöst wurden.

Doch sicher ist der Norden dadurch nicht geworden. Die UN-Soldaten werden von der Bevölkerung nicht als wirksame Schutztruppe wahrgenommen. Die Islamisten, die auch Verbindungen zu der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram haben, kontrollieren nach wie vor Teile der Region und verüben immer wieder Anschläge. Mali zählt zu den ärmsten Ländern der Welt - eine Perspektive hat es seiner überwiegend jungen Bevölkerung kaum zu bieten.

Nigeria - 9000 Flüchtlinge

Zuletzt sorgte Nigeria für positive Schlagzeilen: Bei den Präsidentschaftswahlen siegte der Oppositionelle Muhammadu Buhari, das bisherige Staatsoberhaupt Goodluck Jonathan akzeptierte seine Niederlage. Einen friedlichen Machtwechsel hätte kaum ein Beobachter dem Land zugetraut, das unter massiver Korruption und dem Terror der Gruppe Boko Haram leidet. Die Miliz kämpft seit 2009 für einen islamistischen Staat im Norden des Landes. Allein 2014 tötete sie 10.000 Menschen. Für internationales Entsetzen sorgte auch die spektakuläre Entführung Hunderter Mädchen, über deren Schicksal seither wenig bekannt ist. Zwar ist Nigeria inzwischen die größte Volkswirtschaft Afrikas. Doch vom Ölreichtum profitieren nur wenige - Nigeria zählt laut Transparency International zu den korruptesten Ländern der Welt.

Die nigerianische Stadt Gwoza nach ihrer Befreiung von der Miliz Boko Haram | Bildquelle: AP
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Aus der nigerianische Stadt Gwoza wurde Boko Haram vertrieben - zurück blieben Ruinen.

Gambia - 8700 Flüchtlinge

Gambia könnte als ein Beispiel dafür dienen, dass Migration und Flucht einem Land auch nutzen können. Der kleine Staat an der Westküste ist wirtschaftlich auf Geldüberweisungen von Gambiern im Ausland angewiesen. Denn auch Gambia ist eines der ärmsten Länder der Welt, rund die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, 60 Prozent sind Analphabeten. Politisch mag Gambia stabil sein, Präsident Yahya Jammeh herrscht seit über 20 Jahren. Doch Hoffnung auf wirtschaftliche Besserung gibt es kaum - das Land verfügt über keine Rohstoffe und lebt vom Tourismus sowie dem Export von Erdnüssen, Reis und Hirse.

Palästinenser - 6100 Flüchtlinge

Die palästinensische Flüchtlingskrise reicht Jahrzehnte zurück und ist bis heute einer der Kernaspekte des Nahostkonflikts. Millionen Palästinenser leben in den Nachbarstaaten Syrien, Libanon und Jordanien, in der Regel ohne Bürgerrechte. Ob sie alle als Flüchtlinge gelten können, ist Teil des Streits; eine Hoffnung auf Rückkehr nach Israel oder die palästinensischen Gebiete haben sie nicht. Im Gaza-Streifen ist die politische und wirtschaftliche Lage seit Jahren dramatisch. Er ist international seit der Machtübernahme der radikalislamischen Hamas 2007 isoliert. Mehrmals kam es danach zu militärischen Konflikten mit Israel.

Das dicht besiedelte Gebiet ist vollständig von internationaler Hilfe abhängig. Die Arbeitslosigkeit und das Bevölkerungswachstum sind hoch. Im syrischen Bürgerkrieg gerieten die Bewohner palästinensischer Viertel von Damaskus zuletzt zwischen die Fronten. Das dürfte noch mehr junge Menschen dazu verleiten, ihr Heil in der Flucht über das Mittelmeer zu suchen.

Somalia - 5800 Flüchtlinge

Somalia ist das wohl klassische Beispiel für einen gescheiterten Staat. Nach dem Sturz von Präsident Siad Barre 1991 hatte das Land 20 Jahre keine funktionsfähige Zentralregierung, herrschten Warlords, Clans und Milizen über Teile Somalias oder sagten sich von dem Land los. Erst seit 2012 gibt es wieder eine international anerkannte Zentralregierung, deren Einfluss jedoch nur wenig über die Hauptstadt Mogadischu hinausreicht.

Jahre des Bürgerkriegs haben Somalia zu einem zerissenen Staat gemacht - im UN-Entwicklungsindex wird Somalia unter den Staaten geführt, zu denen es kaum Angaben gibt. Im Süden leidet die Bevölkerung immer wieder unter großer Dürre, auch in diesem Jahr werden dort Hunderttausende nur dank der Unterstützung der Hilfsorganisationen überleben können. Die Folgen des Bürgerkrieges spüren indes auch die Nachbarstaaten: Die islamistische al-Shabaab Miliz terrorisiert nicht nur den Süden des Landes, sondern greift inzwischen auch Ziele in Kenia an.

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