Der Regisseur Ettore Scola ist im Alter von 84 Jahren in Rom verstorben.  | Bildquelle: AP

Zum Tod von Ettore Scola "Mit seinen Filmen hat er Italien erzählt"

Stand: 20.01.2016 02:47 Uhr

Der italienische Filmemacher Ettore Scola ist tot. Der 84-Jährige starb in einer Klinik in Rom, berichten italienische Medien. Scola war einer der bedeutendsten Regisseure Italiens.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Sein Stil ist einzigartig, unverwechselbar. Ettore Scola hat sich immer beschränkt. In Raum und Zeit. "Una giornata particolare" - ein besonderer Tag - heißt sein wohl bekanntester Film aus dem Jahr 1977. Eine Faschismus Studie, die in einer römischen Mietskaserne spielt. Es ist der 8. Mai 1938, der Tag an dem Hitler in Rom war. Im Hintergrund hört man das Horst-Wessel-Lied. Und im Bild erzählt Scola die Geschichte einer unmöglichen Beziehung. Er ist homosexuell und sie ist Mutter von sechs Kindern.

Ein Mann (gespielt von Marcello Mastroianni) und eine Frau (Sophia Loren), die von der Kamera durch diesen besonderen Tag begleitet werden: "Um Geschichten zu erfinden, muss man den einfachen Leuten nachschleichen. Weil hier alle möglichen Geschichten passieren", hatte Scola damals erklärt. Dieses Kino braucht keinen aufwändigen Plot, keine großen Effekte, keinen Soundtrack. Um solche Filme zu drehen, braucht man vor allem Mut, Intelligenz und Witz. Von allem hatte Ettore Scola im Übermaß. Sein größtes Talent aber war die Beobachtungsgabe. Sein Gespür für Wirklichkeit.

Sophia Loren in "Una Giornata Particulare" | Bildquelle: picture alliance / Heritage Imag
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Sophia Loren in "Una Giornata Particulare" 1977

Die Wirklichkeit beobachten

1976 bekam Scola in Cannes die Goldene Palme für "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" - eine Milieustudie aus einer Baracke in einer römischen Vorortsiedlung,  in der vier Generationen zusammenleben und sich im Alltag irgendwie arrangieren. Typisch römisch. "Eigentlich habe ich in all meinen Filmen erst einmal damit begonnen, die Wirklichkeit zu beobachten. Ich hatte Lust, von unserem Land  zu erzählen. Manchmal organisch, indem ich lange historische Zeiträume erzähle, andere Male kurze Abschnitte. Jedenfalls war mein Kino nie ein Kino der Fantasie, sondern immer ein Kino der Beobachtung", sagte Scola dazu.

Ettore Scola und Pierfrancesco Diliberto | Bildquelle: dpa
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Ettore Scola mit dem Schauspieler Pierfrancesco Diliberto bei der Premiere des Filmes "Ridendo e Scherzando" auf dem Filmfestival in Rom im Oktober 2015. Seine Töchter haben diesen Film über ihren Vater gedreht.

1931 geboren beginnt Scola noch als Schüler unmittelbar nach dem Krieg bei der Satirezeitung Marc‘ Aurelio. Hier lernt er den jungen Federico Fellini kennen und die Welt des italienischen Nachkriegsfilms. Von dieser Begegnung erzählt er in seinem letzten Film, eine Dokumentation über seine Beziehung zum großen Regisseur Fellini, die bei den Filmfestspielen von Venedig 2013 Premiere hatte."

"Er hinterlässt eine gewaltige Lücke"

Und das nachdem Ettore Scola eigentlich angekündigt hatte, mit dem Filmemachen aufzuhören: "Ich hatte aufgehört, vor allem weil das Kino heute einer Logik folgt, mit der ich nicht zurechtkam: eine Logik des Kinos oder des Fernsehens, eine Logik der Politik, ich habe einfach aufgehört und war glücklich damit, weil ich Freiheit und Zeit zurück gewonnen habe, die ich vorher nicht hatte", begründete Scola damals seine Rückzugsentscheidung.

Ettore Scola starb am Dienstag im Alter von 84 Jahren in einer Klinik in Rom. "Mit seinen Filmen hat er Italien erzählt", schreibt die "Repubblica" und zitiert Ministerpräsident Matteo Renzi: "Scola hinterlässt eine gewaltige Lücke in der Kultur unseres Landes."

 

Nachruf Regisseur Ettore Scola
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
20.01.2016 02:38 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 20. Januar 2016 um 13:55 Uhr bei Inforadio.

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