Julia Samoilowa | Bildquelle: dpa

Entscheidung in Ukraine ESC-Verbot für russische Sängerin

Stand: 22.03.2017 15:31 Uhr

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat der russischen Sängerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die 27-Jährige Rollstuhlfahrerin nicht im Mai am Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew teilnehmen. Moskau reagierte empört.

Samoilowa darf nach Angaben des Geheimdienstes SBU für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen. Die Musikerin, die seit ihrer Kindheit im Rollstuhl sitzt, habe mit einem früheren Auftritt auf der Krim gegen ukrainische Gesetze verstoßen, hieß es zur Begründung. Die 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim ist einer der Hauptstreitpunkte zwischen Kiew und Moskau. Russlands Vize-Außenminister Grigori Karasin kritisierte das Einreiseverbot für die Kandidatin als einen "ungeheuerlichen, zynischen und unmenschlichen Akt".

Nominierung als russische Provokation kritisiert

Samoilowa war Mitte März ohne Publikumsabstimmung zur russischen ESC-Teilnehmerin bestimmt worden. Sie sollte in Kiew im Mai mit dem Lied "Flame is Burning" ins Rennen gehen. Aus der Ukraine kam umgehend Kritik an der Nominierung, die als gezielte Provokation verurteilt wurde. Reisen auf die Krim über Russland sind seit der Annexion von ukrainischer Seite verboten.

Die Entscheidung dürfte das ohnehin seit Jahren schwer beschädigte Verhältnis zwischen den beiden Ländern weiter belasten. Bereits im Vorfeld der Geheimdienst-Entscheidung hatten Kritiker in Russland einen Boykott des ESC gefordert, sollte ihrer Sängerin die Einreise verboten werden. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte solche Forderungen am Dienstag abgelehnt. Doch verfolge der Kreml die Entwicklungen genau, sagte Peskow.

ESC-Veranstalter suchen nach Lösung

Der früher als Grand Prix bekannte ESC soll laut Statuten unpolitisch sein. Die Veranstalter kündigten an, die Situation genau zu beobachten. Man suche nach einer Lösung, damit Samoilowa an dem Wettbewerb teilnehmen könne, erklärte der Sprecher der European Broadcasting Union, Dave Goodman, der Agentur Tass.

In der Ukraine wurde die Entscheidung begrüßt. Der präsidentennahe Kiewer Politologe Taras Beresowez kommentierte auf Facebook: "Das Gesetz hat triumphiert. Julia Samoilowa ist bestraft. So wird es mit jedem sein, der die Normen des ukrainischen und internationalen Rechts missachtet. Die Krim gehört zur Ukraine!"

Samoilowa ist 2013 als Teilnehmerin einer russischen TV-Show bekannt geworden und sang bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Einige Kritiker gehen davon, dass Russland mit der Teilnahme der behinderten Sängerin ein schlechtes Abschneiden beim Eurovision Song Contest zu verhindern versuche. "Ich werde das Gefühl nicht los, dass das Mädchen zu politischen Zwecken verwendet wird", schrieb beispielsweise der bekannte Blogger Ilja Warlamow.

Die Halbfinale des ESC finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale am 13. Mai, unter anderem mit der deutschen Teilnehmerin Isabella Levina Lueen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2017 um 16:00 Uhr

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