Ermittler untersuchen einen abgestellten Lkw

71 Tote in Kühl-Lkw Mordanklage nach Tod von Flüchtlingen

Stand: 04.05.2017 19:18 Uhr

Im Fall der 71 erstickten Flüchtlinge, die im August 2015 in einem Kühllaster starben, hat die ungarische Staatsanwaltschaft die vier Hauptverantwortlichen des Mordes angeklagt. Sieben weitere Mitglieder des Menschenhändlerrings müssen sich wegen Schleuserei verantworten.

Die ungarische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen vier Männer erhoben, die für den Tod von 71 Flüchtlingen verantwortlich sein sollen. Die Leichen waren im August 2015 in einem Kühllaster in Österreich gefunden worden. Die drei Bulgaren und ein Afghane werden des mehrfachen "qualifizierten Mordes" unter besonders grausamen Umständen beschuldigt, erklärte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in der südungarischen Stadt Kecskemet.

Damit drohen ihnen lebenslange Haftstrafen. Der Prozess findet in Ungarn statt, weil die Flüchtlinge laut Gutachtern schon vor dem Überfahren der Grenze tot waren. Der Prozess soll im Juni beginnen.

Forensiker untersuchen den LKW bei Parndorf (27.08) | Bildquelle: dpa
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Der LKW bei Parndorf - 27.08.15

Gewerbsmäßige Schleuserei

Weitere sieben Männer - ein Libanese und sechs Afghanen - werden der gewerbsmäßigen Schleuserei beschuldigt. Neun der Angeklagten sind in Ungarn in Untersuchungshaft, zwei sind noch flüchtig. Den Angeklagten wird außerdem die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung angelastet. Sie gehörten demnach einem Schleuserring an, der zwischen Februar 2015 und Ende August 2015 rund 1200 Flüchtlinge nach Österreich geschmuggelt haben soll.

Die Menschen waren dabei in den unbelüfteten und verschlossenen Laderäumen von Lastfahrzeugen zusammengepfercht worden. Eine dieser Schmuggel-Fahrten endete tödlich: Die 71 Leichen waren am 27. August 2015 in einem Kühllastwagen entdeckt worden, der einige Zeit verlassen am Rand der Autobahn 4 Richtung Wien bei Parndorf gestanden hatte. Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan waren während des Transports im völlig überfüllten Laderaum qualvoll erstickt. 

Über dieses Thema berichtete Brisant am 04. Mai 2017 um 17:15 Uhr.

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