Ermittlungen nach Anschlag auf US-Botschaft Attentäter von Ankara suchte Asyl in Deutschland

Stand: 03.02.2013 18:08 Uhr

Die Spuren des Botschaftsanschlags in Ankara führen auch nach Deutschland: Nach ARD-Informationen wurde ein Asylantrag des mutmaßlichen Attentäters vor mehr als einem Jahr in NRW abgelehnt. Schon damals ermittelte das BKA offenbar wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe gegen ihn.

Von Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte

Ankara US-Botschaft Selbstmordanschlag Linksradikaler Täter | Bildquelle: AFP
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Die linksradikale Terrorgruppe DHKP-C veröffentlichte dieses Bild des angeblichen Attentäters.

Der Attentäter von Ankara ist nach Informationen des Südwestrundfunks in Deutschland vor mehr als einem Jahr als Asylbewerber abgelehnt worden. Der Mann habe sich damals in Nordrhein-Westfalen aufgehalten und sei nach der Ablehnung seines Asylantrages untergetaucht, erfuhr der SWR aus Sicherheitskreisen. Schon während des Asylverfahrens und auch danach soll das Bundeskriminalamt gegen den Mann ermittelt haben.

Deutschland als Rückzugsraum

Bei den Ermittlungen soll es um den Verdacht der Mitgliedschaft, beziehungsweise der Unterstützung der türkischen Terrororganisation DHKP-C gegangen sein. Die Organisation verfolgt eine marxistisch-leninistische Ideologie und steht auf der EU-Terrorliste. Mitglieder und Unterstützer der Terrorgruppe nutzen Deutschland nach Einschätzung des Verfassungsschutzes seit Jahren als Rückzugsraum, zur Rekrutierung neuer Anhänger und zum Sammeln von Geld.

Mehrere Mitglieder und Unterstützer der Gruppe wurden in den vergangenen Jahren in Deutschland zu Haftstrafen verurteilt.

Für ein mögliches Ermittlungsverfahren gegen den Attentäter wäre in Deutschland der Generalbundesanwalt zuständig. Ein Sprecher der Behörde sagte dem SWR, er könne sich zu dieser Frage derzeit noch nicht äußern, da für die Bundesanwaltschaft die Identität des Attentäters noch nicht zweifelsfrei geklärt sei.

Linksextreme Organisation DHKP-C

Die "Revolutionäre Volksbefreiungsfront" (DHKP-C) ist eine linksextremistische Vereinigung in der Türkei. Ihr Ziel ist es, das türkische Regierungssystem durch einen revolutionären Umsturz zu beseitigen. Die DHKP-C will stattdessen ein kommunistisches System mit marxistisch-leninistischer Prägung errichten. Sie wird sowohl von der Europäischen Union als auch von den USA als Terrororganisation eingestuft.

Die DHKP-C hat zahlreiche Brand- und Sprengstoffanschläge verübt sowie gezielt Menschen getötet, seit 2001 setzt sie auch Selbstmordattentäter ein. Sie hat in westeuropäischen Staaten Strukturen aufgebaut, über die Gelder, Waffen und militärische Ausrüstung beschafft werden. In Deutschland ist die Organisation seit 1998 verboten.

Quelle: dpa

"Vergeltung für US-Politik"

Bei dem Selbstmordattentat auf die US-Botschaft in Ankara am Freitag waren der Täter und ein Wachmann getötet worden. Zu dem Anschlag hatte sich die DHKP-C bekannt, die die Tat im Internet als Vergeltung für die Politik der USA in Syrien, Ägypten, Libyen und im Irak bezeichnete. Ein Terrorexperte der türkischer Regierung hält diese Erklärung für authentisch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Februar 2013 um 20:00 Uhr.

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