Trümmer der abgestürzten Metrojet-Maschine auf der Sinai-Halbinsel | Bildquelle: dpa

Nach Metrojet-Absturz in Ägypten Kreml schließt Anschlag nicht mehr aus

Stand: 09.11.2015 20:18 Uhr

Bislang wehrte sich Russlands Regierung gegen Spekulationen, dass ein Anschlag den Passagierjet über der Sinai-Halbinsel zum Absturz gebracht haben könnte. Nun erklärte Ministerpräsident Medwedew erstmals, dies sei ein wahrscheinliches Szenario.

Mehr als eine Woche nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über der ägyptischen Sinai-Halbinsel hat die russische Regierung erstmals von einem möglichen Terrorakt gesprochen. "Ein terroristischer Anschlag zählt weiter zu den wahrscheinlichen Gründen, warum das passiert ist", sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew in einen Interview der Zeitung "Rossijskaja Gaseta".

Bislang hatte der Kreml offiziell den Begriff Anschlag im Zusammenhang mit dem Absturz des Airbus A321 vermieden, bei dem alle 224 Insassen ums Leben kamen. Anfangs hatte die russische Regierung Berichte über einen möglichen Terroranschlag des "Islamischen Staates" (IS) entschieden zurückgewiesen. "Allen Daten zufolge, die uns Ägypten zur Verfügung gestellt hat, sind solche Behauptungen unglaubwürdig", sagte Verkehrsminister Maxim Sokolow damals. Noch am vorigen Donnerstag erklärte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, "hypothetische Überlegungen" über einen möglichen Anschlag seien unpassend. Seinerzeit hieß es aber bereits, Russland könne eine einzelne Theorie über den Absturz nicht ausschließen.

Flüge nach Ägypten bleiben ausgesetzt

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew | Bildquelle: REUTERS
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Russlands Ministerpräsident Medwedew kündigte eine längere Unterbrechung der Flugverbindungen nach Ägypten an.

Am Freitag hatte ordnete Putin dann auf Empfehlung des Inlandsgeheimdienstes FSB die Aussetzung aller Flüge von Russland nach Ägypten an. Medwedew sagte nun, diese Sicherheitsmaßnahme sei angesichts der zahlreichen russischen Touristen in Ägypten notwendig, solange die Absturzursache nicht geklärt sei. Medwedew rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass die Flüge nach Ägypten in naher Zukunft wieder aufgenommen würden. "Es wird Zeit brauchen", um die Sicherheit von Reisenden in dem Land zu gewährleisten, meinte er.

Von etwa 80.000 Russen, die sich noch Ende vergangenen Woche in Ägypten aufhielten, wurden mittlerweile etwa 25.000 mit Sonderflügen nach Russland gebracht, wie der stellvertretende russische Regierungschef Arkadi Dworkowitsch mitteilte. Dworkowitsch sagte, es werde noch zwei Wochen dauern, bis auch die übrigen russischen Touristen wieder zu Hause seien.

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