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Bei neuen Razzien gegen den türkischen Geheimbund Ergenekon sind 26 weitere Verdächtige festgenommen worden, darunter zahlreiche Offiziere der Armee und Sonderpolizisten. Sie sollen laut türkischen Medien als Killerkommandos für Anschläge und Attentate bereitgestanden haben.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
[Bildunterschrift: Wache vor einem Gefängnis, in dem mutmaßliche Ergenekon-Mitglieder eingesperrt sind. (Archivbild) ]
Der sogenannte tiefe Staat in der Türkei - gemeint sind illegale, militaristische Machenschaften innerhalb staatlicher Strukturen - wird immer sichtbarer. Bei der nunmehr elften Festnahmewelle sind heute weitere 26 Personen festgenommen worden, denen die Mitgliedschaft im ultrarechten Untergrundnetzwerk Ergenekon vorgeworfen wird. Allein 20 von ihnen sind Polizisten von Sondereinsatzkommandos oder Offiziere der türkischen Armee.
Zudem wurde der Vorsitzende der Metallgewerkschaft, Mustafa Özbek, festgenommen. Er ist gleichzeitig Besitzer des Fernsehkanals Eurasia-TV, der als ultranationalistisch gilt und in dem früher gerne der nordzyprische Präsident Rauf Denktasch auftrat.
Einige der festgenommenen Polizisten sollen Kontakt zu Ibrahim Sahin haben, der zusammen mit weiteren hochrangigen Soldaten und Polizisten bereits vor zwei Wochen festgenommen wurde. Sahin war eine der Schlüsselfiguren im nie ganz aufgeklärten Susurluk-Skandal, bei dem Kontakte zwischen Vertretern von Politik und Justiz sowie der türkischen Unterwelt zum Vorschein kamen. Bei der Verhaftung Sahins vor zwei Wochen wurden Skizzen von Verstecken illegaler Waffen gefunden. Insgesamt konnten anschließend vier Waffenlager ausgehoben werden. Diese wurden von Mustafa Dönmez, einem Oberstleutnant der Armee, angelegt. Mit seiner und der Festnahme anderer noch aktiver Soldaten war erstmals auch die diensthabende Ebene des türkischen Militärs von den Ermittlungen betroffen gewesen.
Neben einer großen Zahl an Handgranaten, Gewehren, Pistolen und Munition waren auch Listen entdeckt worden, die Namen von Personen enthalten, die getötet werden sollten. Laut türkischen Medien sind unter ihnen Repräsentanten der alevitischen Minderheit, ein jüdischer Geschäftsmann, ein armenischer Theologe sowie die Initiatoren einer Erklärung, in der zur Entschuldigung an den Armeniermasssakern 1915 aufgerufen wird.
[Bildunterschrift: Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt Silivri bei Istanbul vor dem Prozessauftakt gegen 86 "Ergenekon"-Mitglieder ]
Dem ultranationalistischen Netzwerk Ergenekon wird vorgeworfen, durch gezielte Attentate das Land zu destabilisieren, um so einen Putsch hervorzurufen. Mittlerweile sind über 100 Personen festgenommen worden, unter ihnen zahlreiche hohe Ex-Generäle sowie Vertreter der Justiz. Seit dem Herbst vergangenen Jahres läuft ein Prozess gegen sie.
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