Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AFP

Nach umstrittener Interview-Äußerung Erdogan dementiert angebliches Hitler-Lob

Stand: 02.01.2016 02:40 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat mit einer Äußerung über die Hitler-Diktatur Verwirrung ausgelöst. Sein Büro dementierte Berichte, dass er diese als Vorbild für ein funktionierendes Präsidialsystem bezeichnete.

Äußerungen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan über das Regierungssystem in Nazi-Deutschland sind nach Angaben des Präsidialamtes falsch interpretiert worden. Erdogan habe Hitlers Staat nicht als Beispiel für ein effizientes Präsidialsystem dargestellt, erklärte das Amt am Freitag.

Am Donnerstag war Erdogan von Reportern gefragt worden, ob der von ihm angestrebte Umbau der türkischen Verfassung mit mehr Macht für den Präsidenten innerhalb eines "Zentralstaates" existieren könne. Daraufhin hatte er gesagt: "Wenn Sie sich Hitlers Deutschland anschauen, können sie es sehen." Es sei eines von mehreren historischen Beispielen für ein funktionierendes Präsidialsystem.

Zitat sei "verzerrt" worden

Erdogans Metapher über "Hitler-Deutschland" sei von einigen Nachrichtenquellen verzerrt und ins Gegenteil verdreht worden, erklärte das Präsidialamt in Ankara. Er habe die Ära Hitlers als negatives Beispiel angeführt, um zu erklären, dass schlimme Herrschaft bei Missbrauch in allen politischen Systemen - ob parlamentarisch oder präsidial - auftreten und in Katastrophen enden könne. Es sei nicht hinnehmbar, das Statement des Präsidenten als positiven Verweis auf Hitler-Deutschland wiederzugeben.

Zuvor hatte schon ein Regierungsvertreter gesagt, die Worte Erdogans seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. "Es gab gute und schlechte Beispiele für Präsidialsysteme und es ist wichtig, eine Gewaltenteilung einzurichten. Nazi-Deutschland, wo die angemessenen institutionellen Regelungen fehlten, war offenkundig eines der schändlichsten Beispiele in der Geschichte", sagte der Regierungsvertreter.

Kritiker werfen dem früheren Ministerpräsidenten Erdogan einen zunehmend autoritären Regierungsstil vor und fürchten, dass er sich mit der von ihm angestrebten Verfassungsänderung weitreichende Vollmachten sicher will. Seine Partei hat dafür allerdings keine Mehrheit im Parlament.

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