Türkei fordert USA zum Handeln auf

Der türkische Ministerpräsident Erdogan (Bildquelle: REUTERS)

Türkei fordert USA zum Handeln in Syrien auf

"Assad hat Chemiewaffen eingesetzt"

Der türkische Ministerpräsident Erdogan ist sich sicher: Das syrische Regime hat Chemiewaffen eingesetzt. Die Beweise will er nächste Woche US-Präsident Obama vorlegen - und ihn davon überzeugen, sich mehr in den Syrien-Konflikt zu involvieren.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Wenn die USA eindeutige Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch das Regime von Baschar al Assad hätten, dann, so Barack Obama, wäre das ein Game Changer. Das soll heißen: Es würde alles ändern. Was genau die USA dann tun würden, hat der US-Präsident noch nicht erläutert. Aber: "Es geht dabei nicht nur um den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien, sondern auch darum, ob sie in den Händen von Organisationen wie der Hisbollah landen", erläutert Obama. Die Waffen würden damit zu einer konkreten Bedrohung für Israel.

Erdogan: Assad hat Chemiewaffen eingesetzt
R. Baumgarten, ARD Istanbul
10.05.2013 12:50 Uhr

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"Es ist klar, dass das Regime Chemiewaffen eingesetzt hat"

Der Druck auf Washington steigt, eine Entscheidung darüber zu fällen, wie mit Syrien verfahren werden soll. Denn der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan ist sich sicher, Beweise in der Hand zu haben: "Es ist klar, dass das Regime Chemiewaffen eingesetzt hat. Ich spreche von Raketen. Unseren Erkenntnissen nach haben sie 200 Raketen eingesetzt. Es könnten mehr, aber nicht weniger gewesen sein."

Kommenden Donnerstag wird Regierungschef Erdogan in Washington Gelegenheit haben, Präsident Obama seine mutmaßlichen oder tatsächlichen Belege und Erkenntnisse vorzulegen. Gegenüber dem US-Sender NBC unterstrich Erdogan, Syrien habe bereits die von den USA gezogene rote Linie in Sachen Chemiewaffen überschritten: "Von Beginn an hat es Warnungen gegeben. Sie haben darauf nicht geantwortet beziehungsweise nicht positiv geantwortet. Er (Assad) hat geglaubt, dass er das überstehen wird, er wird das nicht überstehen. Das ist das Ende des Weges."

Auch Cameron erhöht den Druck

Kein Regierungschef innerhalb der NATO hat bislang so deutlich behauptet, das Regime in Damaskus setze Chemiewaffen ein. Doch nicht nur Erdogan erhöht den Druck. Vorgestern hat der britische Regierungschef David Cameron vor dem Unterhaus in London erklärt: "Die Grausamkeiten in Syrien häufen sich. Ich kann dem Parlament heute sagen, dass es eine wachsende Zahl von limitierten, aber überzeugenden Informationen gibt, die belegen, dass das Regime chemische Waffen eingesetzt hat und weiter einsetzt - Sarin eingeschlossen. Der Raum für Zweifel daran schwindet weiter."

Ankara ist sehr daran gelegen, dass sowohl die NATO im Allgemeinen und die USA im Besonderen mehr in den Syrien-Konflikt involviert werden. Die türkische Regierung drängt die USA und ihre Verbündeten, möglichst schnell und konsequent eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten. Das türkische Militär, ließ Regierungschef Erdogan Präsident Obama erneut wissen, stehe dafür sofort zur Verfügung.

Dieser Beitrag lief am 10. Mai 2013 um 14:06 Uhr auf InfoRadio

Stand: 10.05.2013 14:37 Uhr

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