Wladimir Putin und  Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AP

Russland und die Türkei Immer bessere Freunde

Stand: 28.09.2017 20:46 Uhr

Immer besser verstehen sich Russlands Präsident Putin und sein türkischer Amtskollege Erdogan – so gut, dass demnächst modernste russische Waffentechnik in die Türkei geliefert werden soll. Die Nato ist wenig erfreut.

Von Ina Ruck, WDR

Russlands Präsident Wladimir Putin ist zu Besuch in Ankara. "Rein pragmatische Ziele" habe er dort, hieß es im Vorfeld aus dem Kreml. Es werde um die Lage in Syrien gehen, aber auch um Handel oder Energiepolitik. Doch auf der Tagesordnung steht wohl noch ein anderes Thema. Eines, das aus Sicht der NATO gewaltigen Sprengstoff beinhaltet - und das den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan noch ein Stückchen weiter abrücken lässt von seinen westlichen Verbündeten. Denn das NATO-Mitglied Türkei, seit Langem auf der Suche nach einem neuen Luftverteidigungssystem, will dieses ausgerechnet in Russland kaufen. Schon vor zwei Wochen hieß es in Moskau und Ankara, ein entsprechender Vertrag zum Kauf des S-400-Raketenabwehrsystems sei bereits unterschrieben.

Ein Raketensystem des Typs "S-400 Triumph" fährt auf dem Roten Platz in Moskau | Bildquelle: dpa
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Das Raketensystem des Typs "S-400 Triumph"

Nicht kompatibel

Zwar ist es NATO-Staaten formal nicht verboten, Waffentechnik auch außerhalb des Bündnisses zu kaufen. Dennoch ist der Unmut bei der Allianz groß: Die russischen S-400 sind nicht kompatibel mit den Raketenabwehrsystemen anderer Bündnismitglieder und können deshalb nicht in eine NATO-weite Luftverteidigung eingebaut werden. Noch größer ist die Sorge über die Annäherung von Erdogan und Putin. Die beiden scheinen sich, trotz aller Streitigkeiten etwa in Sachen Kurden oder Assad, immer besser zu verstehen. In Washington sehen manche Republikaner in Erdogans Rüstungsdeal gar einen Verstoß gegen die amerikanischen Russland-Sanktionen und fordern eine Bestrafung der Türkei.

Türkei und Russland wollen ihre Beziehungen ausbauen
tagesschau 12:00 Uhr, 29.09.2017, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Moskau verbat sich jegliche Kritik an dem Rüstungsgeschäft - das bislang größte zwischen Russland und der Türkei. "Niemand hat das Recht, die militärtechnische Zusammenarbeit zu kritisieren", sagte ein Kreml-Sprecher. Sie halte sich an internationales Recht und richte sich gegen kein drittes Land.

"Das beste Abwehrsystem der Welt"

Gut möglich also, dass demnächst auf dem Gebiet der NATO ein Raketenabwehrsystem russischer Bauart operiert. Eines, sagt der Sicherheitsexperte Rayk Hähnlein von der Stiftung Wissenschaft und Politik, "das als das beste der Welt gilt. Den in den NATO-Staaten eingesetzten Systemen vom Typ Patriot ist es mindestens ebenbürtig, wahrscheinlich sogar überlegen."

Wladimir Putin und  Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AP
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Immer bessere Freunde: Putin und Erdogan

Für die Türkei geht es bei dem Geschäft um weit mehr als um Provokation. Sie will ihr eigenes veraltetes Abwehrsystem nicht zuletzt wegen des Kriegs vor der Haustür modernisieren. "Ankara hat die eigene Verwundbarkeit durch syrische Boden-Boden-Raketen erkannt", so Rayk Hähnlein. Auf kollektive Verteidigung durch die NATO scheint Ankara nicht mehr zu vertrauen.

Russland profitiert

Nach Angaben der Bundesregierung liegen die deutschen Rüstungsexporte in die Türkei wegen der Spannungen mit Ankara derzeit weitgehend auf Eis - mit dem Russland-Geschäft will Erdogan deshalb wohl auch demonstrieren, dass er auf die Verbündeten nicht angewiesen ist. Handelspartner Russland profitiert vom milliardenschweren Rüstungsgeschäft: Es das bislang größte, das Moskau je mit der Türkei gemacht hat. Und nebenbei treibt es den Keil zwischen Ankara und den NATO-Verbündeten noch ein Stückchen tiefer.

Dennoch dürften noch längst nicht alle Details des Geschäfts ausgehandelt sein, glaubt Hähnlein. Denn die Türkei bestehe etwa darauf, dass Teile des S-400-Systems in der Türkei gebaut werden, auch die eigene Rüstungsindustrie solle profitieren. Schwer vorstellbar, dass Russland sich darauf einlässt – und Details der Konstruktionspläne offenlegt. Auch wenn man sich einig sein sollte - Experten rechnen nicht mit einer sofortigen Stationierung der S-400 in der Türkei. Diese könne sich bis ins Jahr 2021 hinziehen.

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