Präsident Erdogan bei einem Truppenbesuch in der Stadt Hatay, dem Stützpunkt der "Operation Olivenzweig" | Bildquelle: AFP

Türkische Offensive in Nordsyrien "Bis kein Terrorist übrig bleibt"

Stand: 26.01.2018 21:18 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat angekündigt, in Syrien bis zur irakischen Grenze keinen Extremisten mehr zu dulden. Der Konflikt mit den USA droht dadurch zu eskalieren.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Bis zum heutigen siebten Tag der Operation "Olivenzweig" melden die türkischen Streitkräfte, es seien 343 Terroristen außer Gefecht gesetzt worden. Gemeint sind mit "Terroristen" gegnerische Kämpfer, vor allem Angehörige der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG. Die Zahl der in Afrin befindlichen Terroristen gibt die türkische Regierung mit 8000 bis 10.000 an.

Demnach gibt es also noch einiges zu tun. Trotzdem denkt und plant Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan schon über Afrin hinaus: "Wir werden die Operation in Afrin fortsetzen, bis wir unsere Ziele erreicht haben. Danach werden wir Manbij von Terroristen säubern. Niemand sollte sich daran stören, denn die eigentlichen Bewohner von Manbij sind unsere arabischen Brüder und nicht diese Terroristen. Danach werden wir weiterkämpfen bis zur irakischen Grenze - so lange bis kein Terrorist mehr übrig bleibt", sagte der türkische Präsident vor Politikern seiner Partei AKP in Ankara.

Offensive im Gebiet der US-Truppen

In Manbij haben die USA Soldaten stationiert. Sie hatten dort Kämpfer der kurdischen YPG ausgebildet, gegen die sich die türkische Invasion in Afrin richtet. Es droht eine direkte Konfrontation zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Im Falle von Afrin hatten sich die dort stationierten russischen Soldaten vor Beginn der türkischen Offensive zurückgezogen - gut möglich, dass Erdogan ähnliches von den Amerikanern in Manbij erwartet.

Zwei Tage nach dem Telefongespräch zwischen Erdogan und US-Präsident Donald Trump wurde der Ton zwischen beiden Ländern erstmals wieder rauer. Auch die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, zeigte sich besorgt über den Tod von Zivilisten und fordere die Türkei dazu auf, mehr zu tun, "um zu versuchen, zivile Opfer zu vermeiden".

Reportage aus dem Kampfgebiet im Norden Syriens
tagesschau 17:00 Uhr, 26.01.2018, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Schwere Vorwürfe an die USA

Erdogan kritisierte die USA erneut für ihre Unterstützung der YPG, und Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte vor Anhängern in Antalya: "Erst liefert ihr Waffen an eine Terrororganisation. Und wenn die dann gegen die Türkei eingesetzt werden, dann sagt ihr zu uns: Wir sollen uns zurückhalten, wir sollen Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen und den Einsatz schnellstmöglich beenden? Was soll das? Wir werden diese Operation fortsetzen bis zum Ende. Und wenn wir damit fertig sind, dann werden wir diese Gebiete ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgeben."

Widersprüchliche Angaben über zivile Opfer

Wann das der Fall sein wird, ist nicht abzusehen. In Afrin wird weitergekämpft und es sind immer mehr zivile Opfer zu beklagen. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sollen bislang 38 Zivilisten getötet worden seien. Jüngste Opfer seien fünf Mitglieder einer Familie, die bei einem Luftangriff der türkischen Armee ums Leben gekommen seien, darunter zwei Kinder. Kurdische Medien berichteten von sieben Toten.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Erdogan weist Vorwürfe zurück

Präsident Erdogan widerspricht: Wenn die Türkei so rücksichtslos vorginge, wie ihr vorgeworfen werde, hätte sie Afrin jetzt schon komplett eingenommen. Doch die Streitkräfte gingen behutsam vor: "An den Händen unseres Volkes und der Armee klebt niemals Blut von Kindern, kein Blut von Frauen und Unschuldigen. Und das wird auch niemals der Fall sein. Diese Regel befolgen die türkischen Soldaten seit jeher."

Ob das auch für die verbündeten Kämpfer der Freien Syrischen Armee gilt, ließ Erdogan offen. Stattdessen bezeichnete Erdogan Mitglieder eines Ärzteverbands als "Terroristenliebhaber". Die regierungskritische Türkische Ärztevereinigung hatte unter anderem vor "irreparablen Schäden" durch Krieg gewarnt.

Erdogan: Militäreinsatz in ganz Nordsyrien
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
26.01.2018 18:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Januar 2018 um 17:00 und 20:00 Uhr.

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