Der türkische Präsident Erdogan | Bildquelle: AFP

Streit mit Deutschland Erdogan poltert weiter

Stand: 24.03.2017 05:04 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan sieht sich von Europa verunglimpft - und will mit Nazi-Vergleichen weitermachen, solange er Diktator geschimpft wird. Zudem sei Erdogan enttäuscht über die Antrittsrede von Bundespräsident Steinmeier.

Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat sich im türkischen Fernsehen ausführlich zum Verhältnis zu Europa geäußert. Ein Thema im live ausgestrahlten Interview mit CNN-Türk waren die Nazi-Vergleiche gegenüber deutschen und niederländischen Politikern.

Erdogan kritisierte die Berichterstattung in deutschen Medien und machte klar: Er werde seine Zunge nicht zügeln. "Diktator, Diktator, Diktator nennen sie mich!", schimpfte er. "Ihr sollt die Freiheit haben, Erdogan einen Diktator zu nennen, aber Erdogan soll nicht die Freiheit haben, Euch Faschist oder Nazi zu nennen? Entschuldigung, aber solange sie Erdogan einen Diktator nennen, werde ich sie weiterhin mit genau diesen Begriffen anreden. So einfach ist das!"

"Hätte er eine solche Erklärung nur nicht abgegeben"

Mit Blick auf die Antrittsrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte Erdogan, er sei von dessen Kritik "enttäuscht". Steinmeier hatte Erdogans Nazi-Vergleiche zurückgewiesen und ihn aufgefordert, den Rechtsstaat und die Freiheit von Medien und Journalisten zu respektieren: "Ich bedauere, was Bundespräsident Steinmeier da für eine Erklärung abgegeben hat. Obwohl wir doch gute Freunde sind. Hätte er eine solche Erklärung nur nicht abgegeben."

Erdogan erneuerte seinen Vorwurf, Deutschland unterstütze die als Terrororganisation verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Während türkische Minister nicht reden dürften, hätten PKK-Anhänger bei einer Demonstration in Frankfurt am Samstag ungehindert verbotene Symbole zeigen können.

Alle Beziehungen zur EU überprüfen

Was die Beziehungen zur EU betrifft, sagte Erdogan, er wolle alle Bereiche überprüfen. Dazu zähle auch der Flüchtlingspakt mit der EU: "Die Wirtschaftsbeziehungen können bestehen bleiben. Die Verbindungen auf politischer Ebene und im Verwaltungsbereich müssen wir neu ausrichten. Nach dem 16. April wird alles von A bis Z auf den Tisch kommen."

Im Streit um Wahlkampfauftritte sagte der Staatspräsident, er plane vor dem Verfassungsreferendum nicht, nach Deutschland zu reisen. Im Moment stehe das nicht auf seiner Tagesordnung. Für die Zeit nach dem 16. April kündigte Erdogan allerdings "viele Überraschungen" an.

Bereits am Mittwoch hatte Erdogan gedroht, sollten die Europäer so weitermachen, könne morgen kein Europäer, kein Westler auch nur irgendwo auf der Welt beruhigt einen Schritt auf die Straße setzen. Daraufhin hatte der Auswärtige Dienst der Europäischen Union am Donnerstag den türkischen EU-Botschafter einbestellt.

Über dieses Thema berichteten am 24. März 2017 Inforadio um 06:02 Uhr und NDR Info um 06:08 Uhr.

Darstellung: