Erdogan in Griechenland | Bildquelle: AFP

Erdogan in Griechenland Erst Eklat - dann Beschwichtigung

Stand: 07.12.2017 15:42 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat in Griechenland für neue Provokationen gesorgt: Vor laufender Kamera forderte er, einen Vertrag von 1923 zu aktualisieren. Darin geht es unter anderem um die Ägäis. Das lehnten die Griechen ab. Anschließend äußerte sich Erdogan beschwichtigend.

Griechenland und die Türkei verbindet eine lange Geschichte voller Spannungen: Zypern, Ägäis, Flüchtlinge, türkische Militärs. Die Liste der Streitpunkte ist lang. Entsprechend historisch ist der heutige Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Athen.

Erdogan mit Pavlopoulos in Griechenland | Bildquelle: AFP
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Erdogan mit Pavlopoulos in Athen

Doch statt der erwarteten Annäherung setzte Erdogan beim ersten Besuch eines türkischen Staatschefs in Griechenland seit 65 Jahren auf Eskalation: In einem eigentlich für diplomatische Höflichkeiten reservierten ersten Statement nach seiner Ankunft stellte Erdogan Teile des Vertrages von Lausanne infrage, in dem 1923 wesentliche Aspekte der Beziehungen beider Staaten festgelegt wurden. Einige Details des Vertrages seien unklar, sagte er in Athen in Anwesenheit seines griechischen Kollegen Prokopis Pavlopoulos. "Wenn wir sie nochmals betrachten, glaube ich, dass alle Seiten zustimmen werden, dass sich so viele Dinge (ändern) müssen", sagte Erdogan.

Der griechische Staatschef Pavlopoulos widersprach: Weder eine Revision noch eine Aktualisierung des Vertrags seien nötig. Das Abkommen definiere das Territorium und die Souveränität Griechenlands und der Europäischen Union, erklärte er. "Dieser Vertrag ist für uns nicht verhandelbar."

Streit um Seegrenzen und Inseln

In dem Vertrag von Lausanne waren 1923 praktisch alle Ägäis-Inseln vor der türkischen Küste den Griechen zugeschlagen worden. Seitdem gibt es Streit um den genauen Verlauf der Grenze - regelmäßig gibt es Zwischenfälle zwischen Marineschiffen. Der Vertrag war nach dem griechisch-türkischen Krieg von 1919 bis 1922 geschlossen worden.

In einem vor seinem Besuch geführten Interview hatte Erdogan bereits gesagt, der Luftraum und die Seegrenze könnten "verbessert" werden. Auf das Interview mit dem griechischen Sender Skai-TV reagierte die Regierung in Athen verärgert. Sie mahnte, der Besuch solle "Brücken bauen, nicht Mauern".

Erster Besuch eines türkischen Präsidenten in Griechenland seit 65 Jahren
tagesschau 17:00 Uhr, 07.12.2017, Michael Schramm, ARD Rom, zzt. Athen

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Erdogan: "Gewisse Dinge müssen sich ändern"

Eine Überarbeitung des Vertrags von Lausanne ist laut Erdogan auch nötig, weil die Muslime im griechischen Grenzgebiet Westthrakien ihren geistlichen Führer nicht selbst wählen dürfen, während die christliche Gemeinschaft in der Türkei größere Freiheiten hat, ihre Patriarchen zu bestimmen. Erdogan nannte dies als einen Beweis dafür, dass der Vertrag von Lausanne nicht gerecht angewandt werde. Auch dieser Aspekt taucht in dem Abkommen auf.

"Gewisse Dinge müssen sich ändern", sagte Erdogan in Athen. Der Schutz der Rechte der ethnischen Türken habe für ihn "Top-Priorität". Er will am Freitag die türkische Minderheit besuchen.

Erdogan mit Tsipras in Griechenland | Bildquelle: AFP
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Zwei, die sich eigentlich gut verstehen: Tsipras und Erdogan in Athen.

Erdogan und Tsipras beschwichtigen

Nach dem Eklat vor laufender Kamera traf sich Erdogan mit Ministerpäsident Alexis Tsipras: Dieses Treffen verlief deutlich ruhiger und Erdogan beschwichtigte: "Wir haben keine Pläne für die Gebiete von Nachbarländern." In der Vergangenheit habe es Fehler gegeben, die aber Geschichte seien. Es gebe zwar zahlreiche Differenzen, doch diese könnten überwunden werden, wenn man sich "darauf konzentriert, das Glas halb voll zu sehen".

Tsipras sagte, jenseits aller Differenzen gebe es Gemeinsamkeiten. Meinungsverschiedenheiten müssten konstruktiv, mit Respekt vor der Gegenseite, ohne Provokationen und ohne Übertreibungen angegangen werden.

Tsipras: Putschverdächtige "nicht willkommen"

Unter Erdogans Regierung hatte sich das historisch schwierige Verhältnis zu Griechenland verbessert. Streit herrscht jedoch um den Umgang mit dem gescheiterten Militärputsch 2016. Ankara wirft dem Nachbarn vor, Beteiligten Zuflucht zu bieten. Tsipras versicherte vor Erdogans Besuch, Putschverdächtige seien "nicht willkommen" in Griechenland. Besonders brisant ist der Fall von acht Militärangehörigen, die nach dem Putschversuch in einem Helikopter nach Griechenland geflohen waren.

Erdogan Besuch in Griechenland: Mal provokant - mal versöhnlich
Michael Lehmann, ARD Istanbul, zzt. Athen
07.12.2017 15:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Dezember 2017 um 15:00 Uhr.

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