Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AP

Erdogans Dresscode Einheitsbraun für Angeklagte

Stand: 06.08.2017 05:41 Uhr

Das T-Shirt eines Angeklagten mit dem Aufdruck "Hero" hat den türkischen Präsidenten Erdogan offensichtlich sehr verärgert. Kleidung "wie in Guantanamo" hatte er für "Putschisten" angekündigt - und nun angeordnet.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine Kleiderordnung für Angeklagte festgelegt, die im Zuge des gescheiterten Putschversuchs im vergangenen Jahr vor Gericht erscheinen müssen. Für die Verdächtigen werde es zwei Arten von brauner Kleidung geben, sagte er bei der Eröffnung eines Stadions in der östlichen Provinz Malatya.

Jene, die den Putsch mutmaßlich geplant hätten, sollten Overalls tragen. "Terroristen" würden in Jacken und Hosen vorgeführt. "Niemand kommt mehr so bekleidet, wie er will."

Erdogan reagierte damit auf einen aufsehenerregenden Vorfall vor drei Wochen, als ein mutmaßlicher Putschist vor Gericht ein T-Shirt mit der Aufschrift "Hero" trug. Dies führte zu einem Streit im Gerichtssaal und einer Unterbrechung der Anhörung. Medienberichten zufolge wurden in den folgenden Tagen landesweit mehrere Menschen festgenommen, die T-Shirts mit gleichen oder ähnlichen Aufdrucken trugen. Bereits am Jahrestag des Putschversuchs, am 15. Juli, hatte Erdogan gesagt, vor Gericht solle es Kleidungsvorschriften "wie in Guantanamo" geben.

Seit dem gescheiterten Militärputsch vor gut einem Jahr regiert Erdogan per Ausnahmezustand. Wegen mutmaßlicher Kontakte zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan als Drahtzieher des Umsturzversuchs ansieht und Terrorverdachts wurden in den vergangenen zwölf Monaten rund 50.000 Menschen festgenommen. Auch Bundesbürger sind darunter, was die Beziehungen zu Deutschland massiv belastet. Über 150.000 weitere Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs wurden entlassen oder vom Dienst suspendiert.

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Ein Jahr nach dem Militärputsch in der Türkei

Türkei Putsch

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 putschten Teile des Militärs in der Türkei gegen die Regierung Erdogan. Das Militär verhängte das Kriegsrecht und eine Ausgangssperre für das ganze Land. Um die Kontrolle über Istanbul zu erlangen, sperrten die Putschisten unter anderem die beiden Bosporus-Brücken ab. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. August 2017 um 06:00 Uhr.

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