Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Viele Tausend Tote, zehntausende Obdachlose, zerstörte Häuser, Dörfer und Straßen, kein Strom, keine Wasserversorgung, keine Lebensmittel: Die internationalen Helfer stehen nach dem Erdbeben auf Haiti vor außergewöhnlichen Schwierigkeiten. Die Lage in Haiti sei katastrophal, berichtet Marion Aberle von der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH). Es gebe zudem große Probleme bei der Kommunikation und der Logistik. "Es ist wirklich eine ganz große Herausforderung für uns alle", sagte Aberle in der Tagesschau.
Auf dem Flughafen der Hauptstadt Port-au-Prince ist bei dem Beben der Tower zerstört beziehungsweise beschädigt worden. Größere Transportmaschinen konnten auf dem Airport nicht landen. Zum Drehkreuz für viele Helfer wurde deshalb Santo Domingo im Nachbarland Dominikanische Republik. DWHH-Mitarbeiterin Simone Pott berichtete bei EinsExtra aus Santo Domingo, dass die Wege nach Haiti verstopft seien. Es müssten Möglichkeiten gefunden werden, die Hilfslieferungen tatsächlich auch zu den betroffenen Menschen zu bringen.
Zu den ersten Helfern aus dem Ausland, die in Haiti eintrafen, gehörten 37 Bergungsspezialisten aus Island, die Ausrüstung mit einem Gewicht von zehn Tonnen mitbrachten. Aus Deutschland flogen Experten des Technischen Hilfswerks (THW) nach Haiti. Eine Gruppe zur Trinkwasseraufbereitung soll folgen. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und andere deutsche Hilfsorganisationen bereiten Transporte ins Katastrophengebiet vor.
Sie benötigen den Flash-Player um dieses Video zu sehen.
Auch die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" behandelt nach eigenen Angaben Hunderte von Erdbebenopfern in Port-au-Prince. Das dortige Gesundheitszentrum der Organisation sei jedoch bei dem Beben zerstört worden, so dass die Mitarbeiter die Patienten und Verletzten in Notzelten versorgen müssen, berichtete Claudia Evers von "Ärzte ohne Grenzen". "Zum Glück sind aber alle unsere 31 deutschen Mitarbeiter vor Ort wohlauf", sagte Evers.
Frankreich schickte 65 Experten für die Beseitigung von Trümmern und sechs Spürhunde auf den Weg, Spanien stellte unter anderem 100 Tonnen an Zelten, Decken und Kochgerät bereit, die in drei Flugzeuge verladen wurden. Bereits vor Ort sind mehrere Hundert kubanische Ärzte, die Verletzte in Feldlazaretten behandelten.
US-Präsident Barack Obama kündigte eine Erdbeben-Soforthilfe von 100 Millionen Dollar (rund 69 Millionen Euro) für Haiti an. Erste US-Rettungsteams seien bereits in dem Karibikstaat eingetroffen. Ein Flugzeugträger, ein Lazarettschiff sowie ein Amphibienschiff sollten dort in Kürze ankommen. Zudem würden 3500 Marineinfanteristen die Rettungsarbeiten unterstützen.
Sie benötigen den Flash-Player um dieses Video zu sehen.
Eine Sprecherin der UNO in Genf nannte die Hilfsanstrengungen einen "Wettlauf mit der Zeit". Es müsse schnell "massive" Hilfe in dem Land eintreffen, um möglichst viele Menschenleben zu retten, sagte der Präsident der französischen Ärzteorganisation Médecins du Monde (MDM), Olivier Bernard. Die ersten 36 bis 48 Stunden nach einer solchen Katastrophe seien entscheidend, um Verschüttete zu bergen und Verletzte zu behandeln.
Nach Informationen des ARD-Hörfunkstudios Rom schickte das UN-Welternährungsprogramm (WFP) bereits am Mittwoch von einem UN-Depot in Panama aus Fertigmahlzeiten, Erste-Hilfe-Sets und Satellitentelefone nach Porte-au-Prince. Zudem seien Vorräte an energiehaltigen Protein-Keksen bereits vor Ort, da Teile der Bevölkerung auch schon vor dem Beben Nahrungsmittelhilfe erhalten haben, sagte WFP-Chefin Josette Sheeran. Darüber hinaus habe man 86 Tonnen Nahrungsmittel von einem Lager in El Salvador nach Haiti geflogen. Damit könne man rund 30.000 Menschen über die Dauer von einer Woche versorgen.
Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist ein Drittel der neun Millionen Einwohner dringend auf Hilfe angewiesen. Nach Einschätzung des Rotes Kreuzes gibt es in Haiti bis zu 50.000 Tote. Der haitianische Botschafter in Berlin, Jean-Robert Saget, sprach im Deutschlandfunk sogar von 100.000 Toten.
Derweil wurde aus den Trümmern des erdbebenzerstörten UN-Gebäudes ein erster Überlebender gefunden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Rettung des Sicherheitsbeamten "ein kleines Wunder". Insgesamt 22 UN-Mitarbeiter seien tot aufgefunden worden, rund 100 würden noch unter den Trümmern vermutet.
Über deutsche Opfer ist nichts bekannt. "Unser Krisenstab bemüht sich um Aufklärung, derzeit ist jedoch weiterhin nicht auszuschließen, dass sich auch Deutsche unter den Opfern befinden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.
Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) teilte derweil mit, dass in Haiti eine Mitarbeiterin ihren Verletzungen erlegen sei. Die gebürtige Österreicherin habe seit vielen Jahren in dem Land gelebt und sei seit Mitte 2008 für den DED tätig gewesen, teilte der DED in Bonn mit. Die 61-Jährige habe nach dem Einsetzen des Bebens ihr Haus verlassen und sei von einer umstürzenden Mauer erschlagen worden.
Zahlreiche Staaten und Organisationen kündigten zudem finanzielle Unterstützung an. Deutschland sagte 1,5 Millionen Euro an Nothilfe zu, die EU gewährte drei Millionen Euro. Die Weltbank stellte 100 Millionen Dollar (knapp 69 Millionen Euro) an Soforthilfe in Aussicht. Australien sagte neun Millionen US-Dollar zu, Brasilien zehn Millionen Soforthilfe. In Deutschland riefen Hilfsorganisationen zu Spenden auf.
Haiti war am Dienstagabend (Ortszeit) von mehreren Erdbeben mit einer Stärke bis zu 7,0 auf der Richter-Skala erschüttert worden.
Zur Lage in Haiti nach dem Erdbeben sendet das Erste um 20.15 Uhr einen Brennpunkt.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW